Fiskus verärgert Venture-Capital-Anleger
Neue Steuer-Regeln machen Risikokapitalfonds weniger attraktiv

Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds (VC-/PE- Fonds) gehören zu den Boom-Produkten unter den Steuersparmodellen.

DÜSSELDORF. Auf 1,3 Mrd. DM beziffert der Analyst Stefan Loipfinger den Betrag, den Privatanleger im Jahr 2000 in Wagniskapitalanteile und Beteiligungen an stark expandierenden Unternehmen investierten - vier Mal so viel wie ein Jahr zuvor.

Nun müssen einige Anleger fürchten, dass ihre Rechnung mit dem Fiskus nicht aufgeht. Einen Strich durch die Rechnung machen ihnen die Einkommensteuerreferenten des Bundes und der Länder. Sie haben Umstände definiert, die dazu führen, dass ein vermögensverwaltender VC- oder PE-Fonds zu einem gewerblichen Fonds wird.

Der entscheidende Unterschied: Der Kommanditist eines vermögensverwaltenden VC/PE-Fonds erzielt Einkünfte aus Kapitalvermögen. Wenn ein Beteiligungsunternehmen Gewinne ausschüttet - was eher die Ausnahme ist - muss er sie versteuern. Doch statt laufender Ausschüttungen zielt der Fonds auf Wertsteigerung der Beteiligungsunternehmen. Werden die Beteiligungen frühestens nach einem Jahr Haltedauer verkauft, bleibt ein Veräußerungsgewinn steuerfrei. Anfangsverluste der Beteiligungsunternehmen mindern seine Steuerlast nicht.

Dagegen wird die Steuerlast des Zeichners eines gewerblich geprägten VC/PE-Fonds durch die Anlaufverluste der Unternehmen reduziert. Dafür muss er aber einen Veräußerungsgewinn versteuern. Er erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Die Konsequenz eines erzwungenen nachträglichen Wechsels der Einkunftsart: Der Anleger bekommt nachträglich Verluste zugewiesen. Mit denen kann er womöglich nur wenig anfangen, weil ihm hohe Einkünfte in anderen Einkunftsarten fehlen, mit denen er die Verluste verrechnen könnte. Dafür treiben Beteiligungsverkäufe seine Steuerlast später nach oben.

Unter folgenden Umständen sollen VC / PE-Fonds gewerblich werden:

Der Fonds beteiligt sich mit 25 % oder mehr am stimmberechtigten Kapital einer Gesellschaft. Dies ist üblich bei Buy-out-Fonds, die Unternehmenskäufe durch das Management finanzieren.

Veräußerungsgewinne werden wieder investiert.

Der Fonds nimmt Fremdkapital zur Beteiligungsfinanzierung auf.

Der Fonds wird im Zielunternehmen unternehmerisch tätig.

Der Fonds ist selbst Inkubator (Brutkasten) oder lagert diese Tätigkeit in eine eigene Gesellschaft aus, mit der personelle Verflechtungen bestehen, oder beauftragt eine Inkubatorgesellschaft.

Für den Münchener Rechtsanwalt und Steuerberater Hanswerner Jehl ist der letzte Punkt "das Knock-out-Kriterium, mit dem die Finanzverwaltung die Gewerblichkeit der Venture-Capital-Fonds herbeiführen kann." Seine Begründung: "Bei fast allen Venture-Capital-Fonds beruht die jetzige Konzeption darauf, dass die steuerschädlichen Tätigkeiten, also die gewerblichen Tätigkeiten, auf eine so genannte Inkubatorengesellschaft ausgelagert werden. Die Fondsgesellschaft beschränkt sich auf die Hingabe von Kapital." Dabei herrscht in der Branche Einigkeit darüber, dass Jungunternehmer außer Kapital auch Beratung brauchen.

Mit Nachteilen durch die neuen Richtlinien müssen alle Beteiligten an vermögensverwaltenden VC- Fonds rechnen, wenn das Steuerkonzept noch nicht durch eine Betriebsprüfung bestätigt oder durch eine "verbindliche Auskunft" der Finanzverwaltung absegnet wurde. Davon dürfte ein großer Teil der vermögensverwaltenden VC-Fonds auf dem Markt betroffen sein, sagt Jehl.

Einem VC-Anleger, dem es auf steuerfreie Veräußerungsgewinne ankommt, bleibt als Alternative der Dachfonds, der in andere VC-Fonds investiert. Erst die Zielfonds beteiligen sich an Unternehmen, weshalb der Dachfonds kein Inkubator sein kann. Beim Steuerberatungsbüro Dr. Jehl & Collegen wird davon ausgegangen, dass ein Zielfonds, sofern er als Inkubator tätig wäre, den Dachfonds "nicht infiziert." Doch auch Dachfonds-Anleger können nicht sicher sein, dass die Steuerrechnung aufgeht. Die Anbieter sichern sich wie andere auch gegen Haftungsansprüche der Anleger ab. In ihren Prospekten steht sinngemäß: Es ist nicht auszuschließen, dass neue Verwaltungserlasse dazu führen, dass Veräußerungsgewinne steuerpflichtig werden.

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