Fiskus will Gewinne sehen
A und O von Steuersparmodellen

Totalüberschuss und Gewinnerzielungsabsicht sind das A und O eines so genannten Steuersparmodells. Damit der Fiskus das Modell akzeptiert, müssen anfängliche Verluste während der Laufzeit der Beteiligung durch Gewinne überkompensiert werden. Damit kann der Anleger auch nachweisen, dass er mit seiner Beteiligung an einer Kommanditistgesellschaft (KG) oder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) nicht nur Steuern sparen, sondern auch Gewinne erzielen will.

>> Verkauft ein Investor seinen Anteil, bevor der Totalüberschuss erreicht ist, zweifelt das Finanzamt womöglich an der Gewinnerzielungsabsicht. Am einfachsten entkräftet der Nachweis einer finanziellen Notlage solche Zweifel - etwa hervorgerufen durch Ehescheidung, Erbfall, Arbeitslosigkeit oder Liquiditätsengpässe bei Freiberuflern und Unternehmern.

Wer solche Gründe nicht ins Feld führen kann, ist auf der sicheren Seite, wenn der Totalüberschuss erreicht ist. Die einzelnen Fondstypen bieten unterschiedliche Voraussetzungen:

>> Mobilien-Leasingfonds, etwa Flugzeugfonds, und Schiffsfonds erreichen den Totalüberschuss meist erst mit dem Verkauf des Fondsobjekts nach zehn bis zwölf Jahren. Ein Verkauf vor Laufzeitende ist somit nahezu ausgeschlossen.

>> Windenergieanlagen haben eine längere Nutzungsdauer, doch das Ziel Totalüberschuss wird kaum früher erreicht.

>> Bei Filmfonds kommt es auf den Typ an: Leasingkonstruktionen erzielen den Totalüberschuss mit dem Verkauf der Rechte am Laufzeitende, was bis zu 20 Jahre dauern kann. Bei Produktionsfonds genügen manchmal fünf oder sechs Jahre.

>> Beteiligte an den bis hierhin aufgeführten Fondstypen erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Bei einem Gesellschafterwechsel gehen dem Fonds gewerbesteuerliche Verlustvorträge verloren. Deswegen sehen Gesellschaftsverträge vor, dass entweder der Anteilskäufer oder der-verkäufer den künftigen Steuermehraufwand ersetzen muss. Die Höhe der Ausgleichszahlung hängt unter anderem von den von Ort zu Ort unterschiedlich hohen Gewerbesteuersätzen ab. Je jünger die Gesellschaft, desto größer fällt die Ausgleichszahlung aus. "Besonders benachteiligt sind Fonds, die ihre Verluste auf das erste Jahr konzentrieren. Dazu gehören beispielsweise Filmproduktionsfonds", sagt Jochen Lüdicke, Düsseldorfer Partner der Anwalts- und Steuerberatersozietät Freshfields Bruckhaus Deringer.

>> Wer innerhalb der ersten acht Beteiligungsjahre Anteile an einem Schiff verkauft, dessen Bau mit 40 Prozent Sonderabschreibung (Sonder-AfA) nach § 82f Einkommensteuer-Durchführungsverordnung gefördert wurde, dem wird dieser Steuervorteil nachträglich aberkannt. Er müsse den Differenzbetrag zwischen der ursprünglichen gemeinsam mit der linearen AfA geltend gemachten Sonder-AfA und der dann alternativ berechneten degressiven AfA nachversteuern, erläutert Sönke Fanslow vom Hamburger Schiffsfondsanbieter Hansa Treuhand. Fanslow nennt eine weitere Besonderheit: Optiert ein Fonds zur Gewinnermittlungsart Tonnagesteuer, entsteht im Fonds eine stille Reserve, die in eine Rücklage eingestellt wird. Auf die beim Anteilsverkauf anteilig aufgelöste Rücklage muss der Verkäufer Steuern zahlen - und zwar unabhängig vom Verkaufserlös. Jedoch rechne sich der Verkauf in der Regel dennoch, sagt Fanslow.

>> Zeichner eines geschlossenen Immobilienfonds erzielen in der Regel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Grob gegriffen erreichen Renditefonds (Verlustzuweisungen deutlich weniger als 100 Prozent) einen Totalüberschuss nach 15 Jahren, während es bei Angeboten mit hohen Verlustzuweisungen auch doppelt so lange dauern kann. Noch offen ist, ob bei der Berechnung des Totalüberschusses eine Sonder-AfA - etwa nach dem Fördergebietsgesetz - einzubeziehen ist.

>> Dagegen ist eine andere Regel eindeutig: Wer einen Immobilienanteil vor Ablauf von zehn Jahren verkauft, muss den Veräußerungsgewinne versteuern (§ 23 Einkommensteuergesetz - EStG).

>> Eine weitere Regel gilt für jede Art von Fonds: Wurde der Anteil unabhängig vom Beteiligungskonzept zusätzlich mit Krediten finanziert, verschieben höhere und länger anhaltende Verluste den Zeitpunkt, zu dem der Totalüberschuss erreicht wird, weiter in die Zukunft.

>> Dem Käufer einer Beteiligung, der steuerlich Verluste mit erwirbt, rät Steuerexperte Lüdicke, nachzuprüfen, ob er nicht unter die Kriterien für Verlustzuweisungsgesellschaften des § 2b EStG fällt. Ein Kernpunkt des § 2b lautet: Die Rendite nach Steuern darf nicht doppelt so hoch ausfallen wie die Rendite vor Steuern. Diese Situation kann beispielsweise eintreten, wenn der Kaufpreis über dem Buchwert liegt, weil die AfA auf den Kaufpreis zusätzlich die Verluste erhöhen.  rrl

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