"Fit für die Börse"
Deutsche Post präsentiert Rekordzahlen

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres steigerte die Post ihren Umsatz um 58 % auf 15,7 Mrd Euro. Das Briefgeschäft macht mit 77% immer noch den größten Teil des Gewinns aus.

vwd BONN. Im Jahr ihres Börsengangs präsentiert sich die Deutsche Post AG auf halber Strecke mit Rekordzahlen: Dank mehr als verdoppelten Gewinns und einer Umsatzzunahme von über der Hälfte sei der Konzern so stark wie nie zuvor, betonte der Vorstandsvorsitzende, Klaus Zumwinkel, am Freitag in Bonn. Besonders verwies er auf die zunehmende Internationalisierung und Diversifizierung bei rückläufiger Dominanz des angestammten Briefgeschäfts. Die "Aktie Gelb" kann vom 30. Oktober an drei Wochen lang gezeichnet werden. Ab 2001 können die Anteilseigner mit einer Dividendensumme von 25 bis 30 % des Gewinns rechnen.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres steigerte die Post ihren Umsatz um 58 % auf 15,7 Mrd Euro. Hierfür sind vor allem die vielen Zukäufe verantwortlich, in erster Linie die Akquisition des US-Luftfrachtunternehmens Air Express International und der DSL-Bank. Der Auslandsanteil an den Erlösen stieg gegenüber Januar bis Juni 1999 auf 28 (14) Prozent. Die Sparte Brief, die um gut 1 % auf 5,8 Mrd Euro zulegte, verringerte ihren Umsatzsanteil auf 35 (53) %. Der Expressbereich, der die Pakete und die internationalen Briefsendungen umfasst, steigerte den Umsatz um 44 % auf 2,8 Mrd Euro, was einem Anteil von 17 % entspricht.

Weiterhin hohe Abhängigkeit vom monopolgeschützten Briefgeschäft



Die 1999 neu hinzu gekommenen Sparten Logistik und Finanzdienstleistungen, die zusammen für 48 % der Erlöse stehen, wuchsen um 137 bzw. 180 % auf 3,8 Mrd. und knapp vier Mrd Euro. Auf der Ertragsseite wird das um 141 % höhere Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibung von 1,4 Mrd Euro weiter klar vom Brief getragen, der um 80 % auf 1,17 Mrd Euro zulegte und damit einen Gewinnanteil von 77 (94) Prozent stellt. Express drehte von minus 18 Mill. auf plus 18 Mill. Euro in die schwarzen Zahlen, während Logistik 24 Mill. auf 38 Mill. Euro hinzugewann und sich die Finanzsparte um Postbank und DSL-Bank auf 299 Mill. von 45 Mill. Euro verbesserte. Als Umsatzrendite ergeben sich damit 8,9 (5,8) %.

Der Gewinnzuwachs ist zu 75 % auf künftig dauerhaft geringere Zahlungen an die Pensionskassen zurückzuführen; ein Viertel der Steigerung wurde operativ erwirtschaftet. Auf Konzernebene verbleibt nach Abschreibung auf Firmenwerte von 64 Mill. Euro ein EBIT von 1,34 (0,56) Mrd Euro, woraus sich unter dem Strich ein Jahresüberschuss von 1,14 (0,54) Mrd Euro ergibt. Zu den Prognosen für das Gesamtjahr hielt sich das Management bedeckt.

Zumwinkel bekräftigte, vor allem akquisitionsbedingt werde der Umsatz auf mindestens 30 Mrd Euro steigen, und Finanzvorstand Edgar Ernst betonte, trotz einer saisonal bedingt zu erwartenden Abschwächung im zweiten Halbjahr werde das Ergebnis wesentlich besser ausfallen als 1999, als ein EBITA von 1,01 Mrd. und ein Überschuss von 1,12 Mrd Euro anfielen.

Globalisierung hat höchste Priorität



"Die Halbjahreszahlen zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind zum führenden internationalen Logistikkonzern", sagte Ernst. In diesem Kurs dahin hat die Globalisierung nach Zumwinkels Worten weiter höchste Priorität. Als jüngsten Baustein in der Internationalisierung gab er den Erwerb der hundertprozentigen Mehrheit an den beiden vornehmlich in der Luft- und Seefracht tätigen Logistikunternehmen AEI Iberfreight SA aus Spanien und AEI Korea Ltd aus Südkorea bekannt, die zusammen auf gut 82 Mill. Euro Umsatz kommen.

Bei einem Eigenkapital von 3,5 (2,3) Mrd Euro habe die Post ein sattes Polster für weitere Zukäufe. Allerdings stammt ein dreistelliger Millionenbetrag hierbei aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens.

"Wir sind fit für den Börsengang", betonte Zumwinkel. Entscheidungen in den laufenden Streitfällen mit Brüssel erwartet er nicht vor der geplanten Handelsaufnahme der "Aktie Gelb" am 20. November. Privatanleger, die außer in Deutschland noch in sechs anderen Staaten Europas angesprochen sind, können das Papier vom 30. Oktober bis 16. November zeichnen. Für die institutionellen Investoren rund um den Globus dauert die Orderfrist einen Tag länger, hier richtet sich das Angebot nun auch an den japanischen Markt. Am Wochenende des 18. und 19. November sollen Preis und Zuteilung der Aktien bestimmt werden.

Zumwinkel bekräftigte, dass der Bund zwischen 25 und 33 % der 1,1 Mrd. Post-Stückaktien ausgeben wird. Voraussichtlich Ende Oktober würden auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Eigentümer weitere Details bekannt gegeben. Über mögliche Anreize für Privatanleger werde in Kürze informiert. Kunden der Tochter Postbank können, sofern sie ein Depot bei deren Ableger, dem Directbroker Easytrade, haben und sich bis 19. Oktober anmelden, "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" mit einer bevorrechtigten Zuteilung "in der einen oder anderen Form" rechnen, wie der Vorsitzende des Kreditinstituts, Wulf von Schimmelmann, präzisierte.

Ein ursprünglich angedachter Börsengang der Postbank selbst steht zumindest mittelfristig nicht an. Die Aktionäre des Mutterkonzerns sollen ab 2001 mindestens ein Viertel des Gewinns als Dividendesumme erhalten. Gedacht werde an eine Ausschüttungsquote von 25 bis 30 %, kündigte Finanzvorstand Ernst an.

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