Archiv
Flatrate-Anbieter hoffen auf Unterstützung

jgo DÜSSELDORF. "Wir haben das Sterben der Flatrate-Anbieter immer befürchtet", sagt Philipp Sudholt, Initiator der Initiative "Internet ohne Taktung". "Es kann natürlich nicht die Lösung sein, dass ein Anbieter die Telefonrechnung der Nutzer zahlt. Das hält keiner lange durch." Dennoch habe die Pleitewelle auch eine gute Seite. "Jetzt ist das Bewusstsein dafür da, dass die Politik das Thema angehen muss", hofft Sudholt. Um in Deutschland dem Internet zum Festpreis zum Durchbruch zu verhelfen, seien anstelle minutenabhängiger Durchleitungsgebühren pauschale Entgelte erforderlich.

Auch Anya Elis vom Flatrate-Anbieter Sonne setzt auf einen Stimmungswandel. "Wenn jetzt immer mehr Unternehmen mit der Flatrate scheitern, dann ist es höchste Zeit für die Politik und für die Regulierungsbehörde, aktiv zu werden."

Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), in dem sich 50 Telekom-Konkurrenten zusammen geschlossen haben, sagte Handelsblatt.com, es sei "dringend erforderlich, dass pauschale Entgelte eingeführt werden". Grützner sieht eine "reale Chance", dass die Regulierungsbehörde jetzt von ihrer Position abrückt. "Es kann schließlich nicht angehen, dass der Regulierer erst dann eingreift, wenn alle Spieler mit gebrochenen Beinen auf dem Platz liegen."

Billiganbieter schaffen Fakten

Grützner zufolge haben einige kleine Anbieter der Telekom mit ihren Angeboten die Bälle zugespielt. Solange es Unternehmen gebe, die - unter dem Druck, schnell in den Markt zu kommen - fragwürdige Verträge mit der Telekom abgeschlossen hätten, habe nämlich die Spruchpraxis gegolten, dass derartige Bedingungen "marktüblich" seien. Große Unternehmen hätten sich wegen der Businesspläne zwar die Haare gerauft, seien aber gezwungen gewesen, auch bei inakzeptablen Ausgangsbedingungen mitzuziehen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Da die deutsche Regulierungspraxis eine klare Linie vermissen lasse und sich eher an Fall-zu-Fall-Entscheidungen orientiere, litten viele Unternehmen außerdem unter geringer Planungssicherheit.

Besondere Sorge bereitet dem Verband derzeit der XXL-Tarif der Telekom, der an Sonntagen kostenlose Telefonate und Internetnutzung erlaubt. Die Telekom argumentiere zwar, nicht wenige Kunden würden sich den kostenpflichtigen Service zulegen, ohne ihn wirklich zu nutzen, aber eine derartige Mischkalkulation sei wenig plausibel. "So blöd sind die Kunden natürlich nicht", meint Grützner.

Zumindest auf lange Sicht ist der VATM-Geschäftsführer indes zuversichtlich, dass sich im Markt kapazitätsorientierte Abrechnungsmodelle mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen durchsetzen werden. Für Flatrate-Befürworter Sudholt ist eine Änderung schon in Sicht. "Wir sind einer Lösung sehr viel näher gekommen", sagt er und verweist auf prominente Unterstützung. Dass ein Unternehmen wie AOL die Initiative vereinnahmen könne, glaubt er nicht. Die Argumente seien schließlich vernünftig, findet Sudholt. Zudem sei es nach wie vor ein Kampf wie zwischen David und Goliath, bei dem der Staat als Telekom-Großaktionär zugleich die Spielregeln mit bestimme. Mut machen sich derzeit auch die verbliebenen Flatrate-Anbieter, auch wenn Elis von Sonnet sagt: "Über T-Online traut sich keiner zu schimpfen, auch wir nicht." Elis hofft darauf, dass sich außer FDP-Chef Wolfgang Gerhard noch mehr Politiker des Themas annehmen.

Jobmaschine Flatrate

Im Februar hatte AOL der Politik immerhin schon eine Argumentationshilfe an die Hand gegeben. Im Auftrag des Onlinedienstes hatte das Europäische Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Universität Potsdam ermittelt, dass allein die Einführung einer Flatrate das Brutto-Inlandsprodukt um 0,5 % steigen lassen würde. Die Forscher rechneten in ihrem Gutachten zudem mit bis zu 400 000 neuen Arbeitsplätzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%