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Flaue Nachrichtenlage drückt Stimmung

Die Märkte haben die Verluste am Vormittag ausgebaut. Mangels großer Nachrichten agieren die Anleger zurückhaltend. Erst im Wochenverlauf ist mit der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten zu rechnen. Bis dahin werfen die Anleger einen besorgten Blick nach Japan. Im Land des Lächelns ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal unerwartet stark zurückgegangen.

Vor allem rückläufige Unternehmensinvestitionen und ein schwächeres Exportgeschäft haben zu der unerwartet schlechten Entwicklung beigetragen. Denn wenn Wirtschaftsweltmacht Nr. 2 das Lächeln vergeht, ist es nicht verwunderlich, dass auch die größte Weltmacht die Stirn in Falten legt. Denn gerade vor dem Hintergrund der anlaufenden Gewinnwarnungssaison macht sich auch Anleger in den USA erneut Sorgen um die wirtschaftliche Erholung.

Und dass sich die US-Konjunktur noch nicht in dem Maße erholt wie erwartet, dokumentiert zum Wochenauftakt Bear Stearns Chef-Volkswirt Wayne Angell. Denn die für Mai gemeldeten Wirtschaftsdaten deuten auf ein weiterhin schwaches Wirtschaftsumfeld, so der Experte. Bereits den zweiten Monat in Folge gingen Arbeitplätze verloren, im verarbeitenden Gewerbe allein 124.000 Stellen. Das Umfeld der verarbeitenden Industrie scheint mit einem noch schnelleren Tempo nachzulassen, als erwartet. Der nationale Einkäufer-Index ging im Mai von 43,2 auf 42,1 zurück. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass das BIP im zweiten Quartal mit einem leichten Minus enden wird", meint Angell weiter. Angell geht davon aus, dass sich das Wirtschaftsumfeld ab dem vierten Quartal und bis ins Jahr 2002 erholen wird. Unsicher ist weiterhin, wie lange die Konjunktur braucht, um die Überinvestitionen in Technologie zu verdauen - einer der Hauptauslöser für die Konjunkturerholung.

Und genau der Sektor gerät zum Wochenauftakt erneut unter Beschuss. Neben Chipaktien büßen vor allem Netzwerkausrüster an Wert ein. Netzwerkausrüster Juniper Networks ist zur Mittagsstunde der größte Nasdaq-Verlierer und verliert bereits am zweiten Tag in Folge an Wert. Der Netzwerkausrüster hatte am Freitag vor enttäuschenden Quartalszahlen gewarnt. Der Umsatz dürfte im laufenden Quartal rund 100 Millionen Dollar geringer ausfallen als bisher prognostiziert. Zahlreiche Brokerhäuser, darunter auch Credit Suisse First Boston, stufen die Aktie herab. Negativ äußern sich die Analysten von UBS Warburg zu Nortel Networks und Tellabs. Netzwerkkonzern Nortel werde die Umsatzprognosen im zweiten und dritten Quartal voraussichtlich nicht erfüllen, so die Befürchtung der Experten. Auch Lucent, Cisco und Ciena notierten schwächer. Stärker notiert dagegen Sun Microsystems. Der Serverhersteller hatte die Anleger vor kurzem auch auf schwächer als erwartete Quartalszahlen vorbereitet. Hier scheint die Nachricht jedoch von den Anlegern bereits verdaut zu sein.

Chipwerte wie Intel und Alliance geraten unter Abgabedruck. Schuld ist unter anderem die Gewinnwarnung bei Alliance. Der Chiphersteller rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden Quartal im Vergleich zum Vorquartal um bis zu 55 Prozent geringer ausfallen könnte. Nachdem das Unternehmen im vergangenen Quartal noch einen Umsatz von 33 Millionen Dollar erwirtschaftete, hatte die Unternehmensleitung in diesem Quartal ursprünglich mit Einnahmen in Höhe von 24 Millionen Dollar gerechnet.

Wenig erfreut zeigen sich die Anleger am Morgen auch über die Akquisitionspläne von Peregrine Systems. Der Softwarehersteller will Konkurrenten Remey für 1,08 Milliarden Dollar in bar und Aktien übernehmen. Während die Aktie von Remey an Wert gewinnt, büßt Peregrine Prozente ein. Auch Microsoft notiert schwächer.

Zu den größten Dow Jones Gewinnern gehört zur Mittagsstunde die Aktie von American Express. Laut Anlegermagazin Barron´s stehe der Kreditkartenanbieter in Fusionsgesprächen mit Brokerhaus Morgan Stanley Dean Witter. Der Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley, Philip Purcell, erklärte jedoch, eine Transaktion stehe nicht zur Debatte. Eine Firmensprecherin von American Express wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. American Express verwaltet Vermögenswerte in Höhe von 230 Milliarden Dollar. Laut Barron´s dürfte das Kreditkartengeschäft für Morgan Stanley jedoch von großem Interesse sein. Und beliebt scheint American Express als potenzieller Übernahmekandidat allemal. Ende März kursierten bereits Gerüchte, dass die Citigroup American Express ein Kaufangebot unterbreiten könnte.

Über frischen Wind freut sich AOL Time Warner. Der Onlinegigant und Medienkonzern geht eine Allianz mit dem größten chinesischen Computerhersteller, Legend Holdings, ein. Zusammen wollen die beiden Unternehmen interaktive Angebote für den chinesischen Markt entwickeln. Legend Holdings wird mit 51 Prozent die Mehrheit halten. AOL möchte mit seinem Online-Dienst vom Internet-Boom im bevölkerungsreichsten Land der Welt profitieren. Beide Unternehmen werden je 100 Millionen Dollar in das Joint Venture einzahlen.

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