Flaues Konjunkturklima in der Euro-Zone
Die Industrie in der Euro-Zone befindet sich im Tief

Daran dürfte sich nach Analysteneinschätzungen im Jahresverlauf erst ganz langsam etwas ändern. Die Arbeitslosigkeit ist zwar zunächst konstant geblieben, dürfte aber demnächst wieder nach oben gehen. In Deutschland und Frankreich steigt die Arbeitslosenquote bereits.

wmu DÜSSELDORF. Eine rasche konjunkturelle Erholung in der Euro-Zone ist nicht in Sicht. Die gestern bekannt gewordenen Daten deuten vielmehr darauf hin, dass sich die Wachstumsschwäche in den Euro-Staaten in den kommenden Monaten fortsetzt. In der Industrie lässt der weiter rückläufige Reuters-Einkaufsmanagerindex keine schnelle Trendumkehr erwarten. Der Einzelhandel meldet zudem schwache Umsätze. Analysten werten es da schon als Erfolg, dass die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone konstant geblieben ist. Von der Beschäftigungsentwicklung dürfte nämlich maßgeblich abhängen, ob der Konsum stabil bleibt und damit seine Funktion als Konjunkturstütze erfüllen kann.

Einkaufsmanagerindex für die Industrie schwächt sich weiter ab

Der Reuters-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank im Juli von 47,9 auf 47,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember 1998 (Grafik Mitte). Dies entsprach den Erwartungen der Analysten. Mit einem Wert unter 50 Punkten verweist der Index auf einen Geschäftsrückgang in der Industrie der Euro-Zone. Besonders deutlich hat sich der Frühindikator in Italien verschlechtert, wo er von 48,4 auf 46,4 Punkte rutschte. In Deutschland registrierte Reuters einen Rückgang von 46,6 auf 46,3 Punkte.

Sorgen bereiten den befragten Einkaufsmanagern vor allem die Auftragseingänge, deren Volumen zum vierten Mal in Folge abnahm. In Reaktion auf weniger Aufträge sei auch die Produktion erneut heruntergefahren worden, hieß es. Analysten erwarten für die kommenden Monate noch einen weiteren Rückgang des Index. Nach Auffassung von Christoph Hausen von der Commerzbank muss sich der Trend indes spätestens im September umkehren. Sonst müsse man die Erwartung "überdenken", dass sich die Konjunktur im vierten Quartal des Jahres wieder belebt. Nach Berechnungen von Salomon Smith Barney lässt die derzeitige Indexentwicklung noch ein Wachstum in der Euro-Zone von eineinhalb Prozent erwarten. Die Prognosen der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für 2001 belaufen sich dagegen noch auf etwa zwei Prozent.

Angesichts der Schwäche in der Industrie richten sich die Hoffnungen der Konjunkturbeobachter unverändert auf den privaten Verbrauch. Die jüngsten Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel stimmen indes - soweit sie denn die Konsumentwicklung abbilden können - nicht sehr optimistisch. Die Umsätze stiegen im Mai arbeitstäglich bereinigt zum Vorjahresmonat um 0,5 %, nachdem der Zuwachs im April noch 1,5 % betragen hatte. Damit lag der Umsatzanstieg deutlich unter den Analystenerwartungen.

Arbeitslosenquote stagniert

Vergleichsweise positiv bewerten die Bankvolkswirte vor diesem Hintergrund die Entwicklung der Arbeitslosenquote in der Euro-Zone. Sie blieb im Juni trotz eines Anstiegs in Deutschland und Frankreich zum dritten Mal in Folge stabil. Nach dem Berechnungsverfahren der internationalen Arbeitsorganisation ILO betrug die Quote in der Euro-Zone wie in den Vormonaten 8,3 %. Im Juni 2000 hatte sie noch 8,9 % betragen. In Frankreich stieg die Arbeitslosigkeit erstmals seit drei Jahren, und zwar auf 8,8 %. Deutschlands Quote stieg gar zum sechsten Mal in Folge auf 8,9 %. Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete unverändert Spanien mit 12,8 %.

Laut Andreas Scheuerle von der DGZ-Deka-Bank ist es "schon fast ein Erfolg", dass die Arbeitslosenquote nicht gestiegen ist. Eine einigermaßen stabile Beschäftigungsentwicklung sei - zusammen mit einer sich abflachenden Inflationsrate - die Voraussetzung dafür, dass der Konsum die Konjunktur weiter stütze. Mit höherer Arbeitslosigkeit werde nicht nur der Ausgabenspielraum der privaten Haushalte eingeschränkt, eine steigende Arbeitslosenquote verunsichere die Haushalte zudem mit Blick auf ihre künftige Einkommenssituation und beeinträchtige so die Konsumlaune.

Die Analysten erwarten für die kommenden Monate ein Ansteigen der Arbeitslosenquote. Dafür spricht auch, dass im Rahmen des Reuters-Index der Teilindex für die Beschäftigung gesunken ist (von 49,5 auf 49,1 Punkte).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%