Fleisch wird schon im Schnellimbiss angeboten
Der Strauß prescht in die Marktlücke

Früher rissen sich die Menschen um seine Federn, später um seine Haut und mittlerweile reißen sie sich um sein Fleisch: Der Vogel Strauß gewinnt in Deutschland immer mehr an Popularität. Nicht nur auf Menükarten und hinter Fleischtheken ist er zu finden, sondern immer öfter auch grasend auf der Weide.

rtr DüSSELDORF. Bislang gibt es in Deutschland zehn größere Straußenfarmen mit insgesamt 2 000 Tieren und rund 150 kleine Farmen mit drei bis 30 der afrikanischen Laufvögel, berichtet der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Straußenzüchter, Christoph Kistner. In den nächsten fünf Jahren werde die Zahl der Straußfarmen voraussichtlich auf 300 steigen.

"Die Entwicklung geht natürlich nicht dahin, dass überall da, wo Rinder standen, Strauße stehen werden", sagt Kistner. Doch die BSE-Krise oder Skandale um Antibiotika in der Schweinezucht ließen die Nachfrage nach risikofreien Alternativen in die Höhe schnellen. Während andere exotische Fleischsorten wie Krokodil oder Känguru eher in Feinschmeckerrestaurants zu finden sind, gibt es Straußen-Steaks mittlerweile auch in Schnellimbissen. Die gestiegene Nachfrage nach dem Fleisch, das im Geschmack zwischen Rindfleisch und Wild liegt, läßt viele auf ein gutes Geschäft hoffen, sagt Kistner.

In den Zeiten vor BSE meldeten sich bei dem Bundesverband pro Jahr etwa 20 Interessierte für den Sachkundenachweis an, der nach einem dreitägigen Seminar und einer Prüfung erteilt wird und für die Genehmigung zum Halten von Straußen erforderlich ist. In diesem Jahr hätten schon 250 potenzielle zukünftige Züchter angefragt, berichtet Kistner. Doch bisher sind er und seine Frau nach eigener Aussage die Einzigen in Deutschland, die von ihrer Straußenfarm in der Nähe von Baden-Baden leben. Selbst die Universität München habe bei ihm Material über die Straußenzucht angefordert, da sie die Straußenhaltung in die Ausbildung für angehende Tierärzte einbeziehen wolle. "Das war völlig undenkbar vor BSE", sagt Kistner.

Die Landwirtin Maria Bell-Becher, die in der Nähe von Remagen eine der größten Straußenfarmen Deutschlands betreibt, will die Zahl ihrer Tiere von derzeit 250 in den nächsten Jahren verdoppeln. "Im Dezember haben wir geschlachtet, was wir nur konnten, weil wir dachten, das beruhigt sich schnell wieder - hat es aber nicht", berichtet die 50-Jährige. Auch heute, nachdem sich die BSE-Hysterie wieder etwas gelegt habe, könnte sie weit mehr Straußenfleisch verkaufen als sie züchten kann.

Auf ihrem Hof stehen den Steppenvögeln, die bis zu 70 Kilometer in der Stunde zurücklegen können, rund 25 Hektar zur Verfügung. Die Wiese ist unterteilt in verschiedene Gehege. Wenn die bis zu 2,50 Meter hohen und bis zu 150 Kilogramm schweren Tiere Unterschlupf suchen, haben sie Zugang zu einem Stall. Die feuchten und kühlen Temperaturen in Deutschland machten den flugunfähigen Vögeln nichts aus, sagt Bell-Becher. Etwa zwölf Monate brauchen die Tiere mit den nackten langen Hälsen bis zur Schlachtreife. Überwiegend fressen sie Gras. Im Winter bekommen sie die Futterpflanze Luzerne, Heu, Gerste oder Mais zugefüttert.

Der Vogel lässt sich in viele verwertbare Teile zerlegen

Im Hofladen von Bell-Becher gibt es nicht nur Fleisch und Wurst vom Strauß, sondern auch Handtaschen und Geldbeutel aus dem geschmeidigen Straußenleder, dekorierte Straußeneier und Staubwedel aus Straußenfedern. Fast alles von dem größten lebenden Vogel der Welt ist verwertbar. Doch es ist das fett- und cholesterinarme Fleisch, das mehr und mehr an Handelswert gewinnt und die Aufzucht lohnend erscheinen lässt. Die Handelspreise für ein Kilogramm Straußensteak sind auf rund 35 DM gestiegen, ein Kilo Filet vom Strauß kostet rund 45 DM und ist damit etwa zehn Mark billiger als ein Kilo Rinderfilet.

Im vergangenen Jahr wurden Schätzungen zufolge weltweit rund 5500 Tonnen Straußenfleisch produziert, davon etwa 20 Tonnen in Deutschland. Haupterzeuger sind Südafrika und Namibia, aber auch in Australien gibt es große Straußenfarmen. Ein Großteil der weltweiten Produktion sei nach Deutschland geliefert worden, sagt Kistner. "In Europa bekommen die das Straußenfleisch, die am meisten bezahlen, und das sind die Deutschen."

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