Flexible Finanzinstrumente für den Mittelstand
Abschied von der Hausbank

Neue Bilanzierungsvorschriften, der Euro und das Gespenst Basel II - nicht nur die Finanzabteilungen von Großunternehmen sehen sich durch diese zeitgleichen Veränderungen einer großen Herausforderung gegenüber.

vwd FRANKFURT. Auch und vor allem der traditionell eigenkapitalschwachen mittelständischen Wirtschaft in Deutschland wird vorausgesagt, sich an veränderte Finanzierungsbedingungen anpassen zu müssen.

"Die Geschäftsbanken ziehen sich aus der Mittelstandsfinanzierung zurück" war ein Klageruf der Unternehmen. Tatsächlich scheint sich das Verhältnis von Unternehmen zu Banken im Zuge der neuen Rahmenbedingungen zu verändern, wie auch die Studie "Die stille Revolution" von Siemens Financial Services zeigt.

Eine größere Zahl von Unternehmen stelle die traditionelle Beziehung zur Hausbank in Frage, so ein Ergebnis der Untersuchung. Das Überraschende dabei: Es sind über Größe, Branche und Rechtsform hinweg keine nennenswerten Unterschiede festzustellen.

Leasing als alternatives Finanzierungsinstrument

In der Tat ist vor dem Hintergrund der rückläufigen Kreditbereitschaft der Banken der Willen des Mittelstands zum Einsatz alternativer Finanzinstrumente gestiegen. Vor allem das Leasing wird nach Ansicht von Experten massiv an Bedeutung gewinnen. Bereits 2001 stand Leasing bei den außenfinanzierten Investitionen der deutschen Unternehmen mit einem Anteil von rund 50 Prozent an erster Stelle, wie der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) unterstreicht. Leasing sei damit bedeutendste Alternative zum klassischen Investitionskredit der Banken.

Und: Leasing unterliegt als Mietgeschäft nicht den Regularien von Basel II, wodurch sich nach Ansicht der Leasinggesellschaften eine Besserstellung gegenüber dem Kredit ergibt. Für 2002 geht der BDL daher davon aus, dass sich die Leasing-Konjunktur mit einem Volumenzuwachs von vier bis fünf Prozent positiv von der allgemeinen Lage wird absetzen können.

Flexibler Umgang mit Forderungen

In die Bresche springen wollen auch die Kreditversicherungen. So bietet die Allgemeine Kredit ein ABS-Programm speziell für den Mittelstand an. Asset Backed Securities (ABS) für den Mittelstand? Was vor einigen Jahren noch als unvorstellbar galt, könnte nun durchaus Bedeutung gewinnen.

Worum geht es hier? Bei ABS werden ganze Forderungsbestände von Unternehmen über den Finanzmarkt kapitalisiert. Zweckgesellschaften übernehmen die Forderungen auf eigenes Risiko, verbriefen das Portfolio und platzieren entsprechende Papiere am Kapitalmarkt. Der ursrüngliche Forderungseigentümer erhält den Emmissionserlös abzüglich Kosten. Das forderungsabtretende Unternehmen kann dadurch seine Liquidität und seine Bilanz verbessern sowie nicht zuletzt die Höhe notwendiger Bankkredite verringern.

Zwar gibt es ABS schon länger, bislang war diese Möglichkeit der Liquiditätsbeschaffung dem Mittelstand auf Grund des zu hohen Mindestforderungsvolumens verschlossen. Die Allgemeine Kredit bietet hier nun an, Forderungen ab fünf Millionen Euro zu übernehmen.

Der Vorteil für die abtretenden Unternehmen: Der Schuldner erfährt im Gegensatz zum Factoring nichts von der Abtretung. Allerdings müssen sich Unternehmen, die an diesen ABS-Transaktionen teilnehmen wollen, nach Angaben der Allgemeinen Kredit einer intensiven Prüfung unterziehen. Die Kreditversicherung bietet hier über die Coface-Gruppe zudem ein Basel-II-fähiges Rating an. Derzeit gibt es hier zwar noch keine riesigen Geschäfte mit dem Mittelstand, dennoch wird sich diese Form nach Ansicht der Kreditversicher mittelfristig als Alternative am Markt etablieren.

Näher scheint dem Mittelstand indes das so genannte Factoring zu liegen. Bereits jetzt verzeichnet diese Form auf dem deutschen Markt starke Zuwächse: Bei der Allgemeinen Kredit hat sich der Factoring-Umsatz 2001 mehr als verdreifacht. Der einfache Forderungsverkauf an ein Factoring-Institut (also ohne Verbriefung und Kapitalmarktplatzierung wie bei ABS) bietet neben dem Liquiditätszufluss ebenfalls noch den Vorteil einer Bilanzverkürzung. In der Folge steigt wie bei ABS auch die Eigenkapitalquote. Allerdings stehen hier Einzelforderungen bzw-bonitäten im Vordergrund. Zudem kann das Unternehmen nicht von dem im Vergleich zum Unternehmensrating üblicherweise besseren ABS-Rating profitieren.

Auch angestaubtes attraktiv

Bei allen modernen Finanzinstrumenten, die dem Mittelstand nun auf Grund von Basel II schmackhaft gemacht werden sollen, scheint dieser zunächst auf eher "angestaubtes" zu setzen. Nach der Siemens-Studie nimmt der Lieferanten-Kredit als Bestandteil des kurzfristigen Betriebsmittel-Kredits eine überraschend wichtige Stellung ein.

Dennoch wird sich der Mittelstand künftig bei der Wahl seiner Finanzierungsinstrumente flexibler als bisher zeigen müssen. Dazu gehört auch, nicht nur den Banken, sondern auch anderen potenziellen Geldgebern mehr Transparenz einzuräumen. Ratings sind nach Ansicht von Experten dazu ein wichtiger, aber nicht der alleinige Weg.

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