Fliegen in Deutschland wird billiger
Deutsche BA heizt neuen Preiskampf an

Die Deutsche BA senkt erneut ihre Ticketpreise im innerdeutschen Verkehr. Schon bevor die britische Easyjet den Konkurrenten der Lufthansa wie geplant übernimmt, verstärkt sich damit der Preiskampf im Metropolen-Verkehr. Die Deutsche Lufthansa macht mit - die Kundschaft freut sich.

HB/ebe DÜSSELDORF. Flugtickets im innerdeutschen Verkehr werden auch in den Metropolen immer preiswerter. Entsprechend ihrem neuen Konzept als Billigfluggesellschaft kündigte die Deutsche BA (DBA) gestern einen neuen Kampfpreis von 20 Euro pro einfacher Strecke an, um den Druck auf die Deutsche Lufthansa zu erhöhen. Der Marktführer indes hat bereits vor wenigen Tagen seinen bisher günstigsten innerdeutschen Tarif still und leise um weitere 30 Euro gesenkt: Statt 143 Euro zahlt so mancher Passagier künftig nur noch 111 Euro für einen Hin- und Rückflug mit Lufthansa.

Verglichen mit den Preisen des deutschen Konkurrenten, sieht sich die Lufthansa damit annähernd gleichauf. "Wenn sie den normalen Vertriebsweg über das Reisebüro gehen, kommen bei der Deutschen BA 15 Euro hinzu. Außerdem fehlen bei dem Angebot Steuern und Gebühren, die im Durchschnitt 40 Euro ausmachen", sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Die Preissenkung sei eine "ganz normale Reaktion auf den Wettbewerb", hieß es bei Lufthansa. Der Billig-Tarif wird nahezu ausschließlich auf Strecken angeboten, die Lufthansa in Konkurrenz zu Deutsche BA oder Germania bedient - etwa auf Routen wie München-Berlin, München-Düsseldorf oder Hamburg-München.

Deutsche BA bereitet sich auf die Übernahme vor

Die seit Jahren defizitäre Deutsche BA bereitet sich derzeit auf eine Übernahme durch Easyjet vor. Die britische Billigfluggesellschaft hatte im Mai eine Kaufoption vereinbart, nach der sie die langjährige Tochter von British Airways - je nach Kaufzeitpunkt - für einen Preis zwischen 30 und 46 Mill. Euro erwerben kann. Neben einer sofortigen Überweisung von 5 Mill. Euro zahlt Easyjet derzeit monatlich 600 000 Euro für das Optionsrecht. Die Frist läuft bis März 2003, kann aber um zwei Monate verlängert werden. Derzeit liefen bereits erste gemeinsame Gespräche mit Easyjet über die künftige Strategie, sagte eine Sprecherin der Deutschen BA. Die Münchener Fluggesellschaft geht fest davon aus, dass die Briten ihr Optionsrecht ausüben werden. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht klappt, ist sehr gering", sagte die Sprecherin.

Das britische Unternehmen sieht in Deutschland eine große Marktlücke, weil Billigfluggesellschaften dort bisher kaum zum Zuge kamen. Vor allem in den Metropolen wird Lufthansa bisher nur in geringem Maße von der Low-Cost-Konkurrenz attackiert. Mit einer Easyjet, die vor allem das Streckennetz der Deutschen BA interessiert, würde sich das grundlegend ändern: "Die Übereinkunft gibt uns die Möglichkeit, Easyjet mit einem Schlag als größte Billigfluggesellschaft in Deutschland zu etablieren und unsere Wachstumschancen zu verstärken", sagt Easyjet-Vorstandschef Ray Webster.

Bis es so weit ist, versucht sich der glücklose Lufthansa-Konkurrent mit einem Spagat in Richtung Low-Cost-Airline. Seit dem 1. April versucht die Airline mit einem neuen Tarifkonzept den deutschen Markt aufzumischen - Erfolg ungewiss. Zwar stiegen die Buchungszahlen seit Wochen "rapide an", wie es im Unternehmen heißt. Doch üppige Gewinne, wie sie derzeit andere Low-Cost-Carrier wie Ryanair, Easyjet oder Go ausweisen, sind bei der BA-Tochter nach wie vor in Ferne: Ziel sei es in diesem Geschäftsjahr die Verluste zu verringern, sagte die DBA-Sprecherin.

"Die Deutsche BA hat nie beweisen können, dass sie in Konkurrenz zur Lufthansa profitabel fliegen kann", sagt Ralf Hallmann, Luftfahrt-Analyst der Bankgesellschaft Berlin. Jetzt versucht das Unternehmen fleißig auf der Modewelle Billigflug zu reiten. Dazu gehört auch das Pauken und Trompeten: Im Hurra-Stil von Ryanair-Vorstandschef Michael O? Leary kündigte DBA-Geschäftsführer Adrian Hunt gestern an: "Wir sind Deutschlands größter Preisbrecher für Inlandsflüge." Mit dem neuen Konzept will der Lufthansa-Konkurrent bis Oktober 2003 die Gewinnschwelle erreicht haben. Bis dahin indes dürfte der Name Deutsche BA längst vom Himmel verschwunden und durch das grelle Orange der britischen Marke Easyjet ersetzt worden sein.

Quelle: Handelsblatt

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