Fließender Übergang
Pötsch wird neuer VW-Finanzvorstand

Beim VW-Konzern zeichnet sich ein langsamer Generationenwechsel im Vorstand ab. Nach dem Wachwechsel an der Spitze ist auch die Nachfolge des Ende 2003 ausscheidenden Finanzchefs Bruno Ardelt geregelt. Sein Nachfolger wird der Chef des Automobilzulieferers Dürr, Hans Dieter Pötsch. Dies bestätigte die Volkswagen AG am Freitag in Wolfsburg.

HB WOLFSBURG. Der Aufsichtsrat habe Pötsch mit Wirkung zum 1. Januar 2003 zum ordentlichen Vorstandsmitglied zunächst ohne Geschäftsbereich berufen. Pötsch werde nach seiner Einarbeitung den Geschäftsbereich Controlling und Rechnungwesen von Bruno Adelt übernehmen, dessen Vertrag Ende Dezember 2003 auslaufe. Für den Rest von Adelts Amtszeit soll der VW-Finanzbereich von der Doppelspitze geleitet werden. So soll ein fließender Übergang gewährleistet werden.

Der Aufsichtsrat der Dürr AG bestellte unterdessen den Ingenieur Stephan Rojahn zum Nachfolger von Pötsch. Rojahn, der zuletzt als Geschäftsführer bei der Bosch Gruppe gearbeitet habe, solle bereits zum 1. Oktober Vorstandsmitglied bei Dürr werden, teilte das Unternehmen mit. Am 1. Januar 2003 soll er dann sein neues Amt als Dürr-Vorstandsvorsitzender antreten.

Pötsch ist seit 1995 Vorstandschef der Dürr AG.Der Stuttgarter Konzern ist einer der großen internationalen Zulieferer der Automobilindustrie mit einem Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro (2001) und einem Jahresüberschuss von mehr als 24 Millionen Euro. Der Konzern ist spezialisiert auf den Aufbau von Lackiererein, schlüsselfertigen Montageanlagen für den Automobilbau und Steuerungstechnik. Weltweit beschäftigte Dürr 2001 rund 12 500 Mitarbeiter.

Der seit dem Frühjahr amtierende Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder beginnt mit der Berufung Pötsch mit dem langsamen Umbau des Unternehmensvorstandes. Als Vorbild gilt beim Vorgehen beim Wechsel des Finanzchefs gilt der Wachwechsel an der Spitze des Volkswagen-Konzerns. Pischetsrieder selbst war ebenfalls mehr als ein Jahr vor seiner Berufung auf den Chefposten zu VW nach Wolfsburg gekommen, um sich an der Seite des damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch einzuarbeiten.

Über den Nachfolger von Finanzchef Adelt hat sich Volkswagen bis zum Schluss bedeckt gehalten. Im Unternehmen hatte es immer geheißen, dass der künftige VW-Finanzvorstand wahrscheinlich nicht aus der Autoindustrie kommen wird, aber auf jeden Fall ausgewiesene Kenntnisse aus dem Finanzbereich besitzt. Der neue Finanzvorstand soll dafür sorgen, dass sich der Ruf des niedersächsischen Unternehmens an den internationalen Finanzmärkten verbessert. Der 63-jährige Adelt arbeitet mehrere Jahrzehnte für VW.

Über lange Jahre besaß das Unternehmen wegen seiner Verschlossenheit eine schlechte Reputation in Börsen- und Finanzkreisen. Doch Adelt leitete bereits eine deutliche Veränderung ein. "Es hat sich sehr, sehr viel zum Positiven gewendet", sagte Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst der WestLB in Düsseldorf. Defizite besitzt Volkswagen auch heute noch im angelsächsischen Raum, vor allem dort soll der Adelt-Nachfolger für ein besseres Ansehen sorgen.

Adelt - sein Vertrag läuft noch bis Ende kommenden Jahres - ist das erste der älteren Vorstandsmitglieder, die beim Wolfsburger Konzern ausscheiden werden. Außer Adelt haben auch Robert Büchelhofer (Vertrieb) und Peter Hartz (Personal) die Altersgrenze von 60 Jahren überschritten. In Unternehmenskreisen hieß es dazu, dass Konzernchef Pischetsrieder nicht auf einen schnellen Umbau des Vorstandes setzen werde. Wie im Finanzbereich soll es einen kontinuierlichen Übergang geben.

Pischetsrieder-Vorgänger Ferdinand Piëch hatte nach seinem Amtsantritt vor zehn Jahren eine gegensätzliche Politik verfolgt. Innerhalb kurzer Zeit wurde damals der Großteil der Vorstandsmitglieder ausgetauscht. Piëch verfolgte das Ziel, Schlüsselpositionen schnell mit Verbündeten zu besetzen.

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