Florian Homm ist ein umstrittener Finanzjongleur: Kurs-Killer unter Beschuss

Florian Homm ist ein umstrittener Finanzjongleur
Kurs-Killer unter Beschuss

Mit umstrittenen Studien greift der Finanzjongleur Homm intransparente Unternehmen an und verdient am Kurssturz. Jetzt ermittelt die Finanzaufsicht gegen den Spekulanten.

Eigentlich hat Florian Homm keinen Grund zu klagen. Wer wie der 43-jährige stets elegant gekleidete Zwei-Meter-Mann in einer Villa auf Mallorca samt Orangenhain, Tennisplatz und Swimmingpool logiert, der könnte das Leben unbeschwert genießen.

Doch am Mittwoch war für den umstrittenen Finanzjongleur kein guter Tag: Erst flattert ihm ein Fax ins Haus, in dem ihm die Anwälte des Autovermieters Sixt eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf Kursbetrug androhen, dann teilt ihm das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit, dass es wegen des Verdachts auf Kursmanipulation ermittelt.

Grund für die harten Vorwürfe ist das zumindest ungewöhnliche Geschäftsmodell von Homm. Weitab von allen Finanzmetropolen aus einem idyllischen Vorort der Inselhauptstadt Palma de Mallorca heraus greift der Spekulant Unternehmen an, deren Bilanzen er nicht traut und die im Ruf stehen, intransparent zu sein. Jüngstes Opfer: der Autovermieter Sixt. "Zu gut, um wahr zu sein, Abwärtspotenzial mindestens 50 Prozent", steht über dem Entwurf einer Analystenstudie, die in der vergangenen Woche an die Öffentlichkeit geriet. Der Rat der von Homm kontrollierten Vermögensverwaltung United Zurich Finance (UZF): "strong sell" - sofort verkaufen.

Doch Homm rät nicht nur, er handelt auch. Über einen so genannten Hedge-Fund mit Sitz auf den Cayman Islands leiht sich der burschikose Finanzjongleur Aktien der betroffenen Unternehmen und verkauft sie an der Börse. Fällt der Kurs der angegriffenen Gesellschaft, kann Homm die Aktien günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Der Aufbau einer solchen Short-Position ist für einen Hedge-Fund nichts ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist aber, dass gleichzeitig negative Studien lanciert werden. Homm räumt offen ein, dass er Anteile der angegriffenen Unternehmen verkauft hat: "Natürlich gehen wir short, aber das ist kein Geheimnis. Unsere Positionen veröffentlichen wir auf unserer Web-Site."

Ganz so natürlich scheint die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht seine Strategie nicht zu finden. Die Aufseher haben eine förmliche Untersuchung gegen UZF eingeleitet wegen des Verdachts der Kursmanipulation bei der Beteiligungs- und Immobiliengesellschaft WCM. Nach Veröffentlichung einer Strong-sell-Studie von UZF am 18. Juni war der WCM-Kurs an einem einzigen Tag um rund ein Drittel eingebrochen. WCM-Chef Roland Flach wehrte sich vehement gegen den Verdacht, sein Unternehmen verstecke Verluste in der Bilanz. Zehn Tage später zogen die Schweizer ihre Studie plötzlich zurück, um sie zu überarbeiten. Statt "strong sell" lautet das Anlage-Urteil jetzt "akkumulieren".

Homm fühlt sich von Sixt und der BaFin völlig zu Unrecht angegriffen. "Man stellt mich an den Pranger wie einen Schwerverbrecher, nur weil wir wagen, womit sich andere Analysten nicht die Finger schmutzig machen wollen", verkündet der Harvard-Absolvent gewohnt selbstbewusst.

Sinn für lukrative Geschäfte hatte der Finanzjongleur schon immer. 1993 gründet er die auf Nebenwerte spezialisierte Value Management & Research AG (VMR), mit der er während des Börsenbooms ein großes Rad dreht. Zu ihren besten Zeiten war die Firma an der Börse 500 Millionen Euro wert, jetzt sind es nur noch zwölf Millionen. Nach dem Ausstieg von Homm legt der VMR-Vorstand Wert auf Distanz zum Gründer: "Mit dem Beteiligungsgeschäft, für das Herr Homm stand, haben wir heute nichts mehr zu tun." Homm will erst mal in Ski-Urlaub fahren, bevor er sich gegen die Sixt-Anzeige zur Wehr setzt. Dann will er alle Hebel in Bewegung setzen: "Ich bin ein extrem guter Freund, aber auch ein extrem guter Feind, wenn es sein muss."

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