Flucht aus dem Dollar
Euro steigt rasant

Ausgerechnet in Russland hat der Euro die Parität zum Dollar schon erreicht: In einigen Moskauer Wechselstuben kostete ein Euro bereits mehr als einen US-Dollar. Im internationalen Devisenhandel kletterte der Euro in diesen Tagen zeitweise auf 0,9944 Dollar.

tmo/dpa/Reuters FRANKFURT/M. Im internationalen Devisenhandel kletterte der Euro in diesen Tagen zeitweise auf 0,9944 $. Damit rückt die Dollar-Parität jetzt in greifbare Nähe. In den vergangenen drei Monaten hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um fast 15 % zugelegt.

"Alle verkaufen momentan Dollar, einfach alle", berichtete Devisenhändler Andreas Zehnpfenning von der Commerzbank. Der Bilanzskandal beim US-Telekomkonzern Worldcom belastete die amerikanische Währung ebenso wie Aussagen von US-Präsident George W. Bush. Er hatte am Dienstag im Vorfeld des Treffens der G8-Industriestaaten in Kanada gesagt: "Der Dollar wird seinen Kurs auf Basis der Marktkräfte finden." Devisenanalysten werteten dies als Abkehr von der Politik eines starken Dollars.

"Bush scheint damit grünes Licht zu geben, Dollar zu verkaufen", sagte Russell Jones, Währungsstratege der Investmentbank Lehman Brothers. Später dementierte das US-Finanzministerium zwar eine Änderung der Dollarpolitik. "Aber es ist eine Schranke gefallen, die den Euro bisher festgehalten hat", sagte Devisenanalyst Gregor Beckmann von HSBC Trinkaus in Düsseldorf.

Auch gegenüber dem japanischen Yen fiel die US-Währung deutlich. Zeitweise kostete ein Dollar weniger als 120 Yen. Mehrere Interventionen der japanischen Notenbank verpufften dieser Tage wirkungslos. Laut Händlern kaufte die Zentralbank Dollar, um den Greenback zu stützen - jedoch ohne Erfolg. "Daran sieht man, dass die Investoren derzeit ohne jede Rücksicht den Dollar tiefer treiben", sagte Commerzbank-Händler Zehnpfenning.

Ein fallender Dollar verteuert japanische und europäische Produkte in den USA. Deshalb stemmen die Japaner sich gegen diesen Abwärtssog. Devisenexperten vermuten, dass auch europäische Währungshüter sich bereits Sorgen machen. "Das Tempo des Abstiegs beunruhigt Zentralbanker überall", sagte Neil Parker, Marktstratege bei RBS Financial Markets. Am Markt wird diskutiert, ab wann mit Interventionen von Seiten der Europäischen Zentralbank zu rechnen sei.

Ein Grund für die Dollarschwäche ist das Leistungsbilanzdefizit: Die Amerikaner importieren mehr, als sie ins Ausland ausführen. Sie brauchen daher ungeheure Kapitalzuflüsse, um ihr Defizit zu finanzieren. Nach Vorfällen wie bei Worldcom sinkt jedoch das Vertrauen der ausländischen Investoren. "Es gibt Anzeichen, dass die bisherigen Kapitalströme in die USA abebben oder sich sogar zu Gunsten der Euro-Zone umkehren", sagte Analyst Beckmann. Das würde den Dollar weiter belasten.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%