Flucht in den Trotz
Tränen statt Medaillen

Hannah Stockbauer scheitert im Vorlauf, die Staffel wird Vierte - nun steigt der Druck auf die deutschen Schwimmer.

ATHEN. Sie kämpfte mit sich, das zeigten die zuckenden Gesichtsmuskeln. Aber Hannah Stockbauer ist keine Maschine. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Ich habe keine Begründung", stammelte sie. Sie hatte nur Zahlen, niederschmettertende Zahlen. 4:10,46 Minuten und den zwölften Platz. Hinter den Zahlen steckt ein Drama. Hannah Stockbauer hatte das Finale über 400 Meter Freistil verpasst. Mit einer Zeit, die fast vier Sekunden über ihrer persönlichen Bestzeit liegt. Raus, die 400-mFreistil-Weltmeisterin von 2003 musste das Finale als Zuschauerin beobachten. Ausgerechnet Stockbauer, die große Medaillenhoffnung der Deutschen. Die fünfmalige Weltmeisterin. Die Frau, die bei der WM 2003 über 400, 800 und 1500 Meter gewonnen hatte.

Ralf Beckmann, der Chef-Bundestrainer der deutschen Schwimmer sagte: "Es gibt keine sportlichen Gründe für dieses Ergebnis." Auch Roland Böller, der Heimtrainer, war ratlos: "Im Training ist sie eine Bestzeit nach der anderen geschwommen." Und Hannah Stockbauer selbst sagte: "Es ist bedrückend, wenn man seinen ersten Start so in den Sand setzt. Für mich bricht eine kleine Welt zusammen."

Als sie aus dem Wasser stieg, war sie erschüttert. Die ersten 200 Meter war Stockbauer langsam geschwommen. Sie folgte dabei keiner kühlen Taktik, wie Franziska van Almsick 1994 bei der Weltmeisterschaft in Rom. Die wollte Achte im Vorlauf werden, damit sie auf der Außenbahn schwimmen durfte. Ein Poker, der schief ging. Stockbauer konnte nicht groß taktieren. 4:09 Minuten, das war klar, musste sie bieten, sonst wäre der Finalplatz in Gefahr. Aber 4:09 Minuten sind eigentlich kein Problem für die 22-Jährige, auch nicht bei brütender Hitze. Bei den Deutschen Meisterschaften 2004 in Berlin schwamm sie 4:09 Minuten, obwohl sie leichtes Übergewicht hatte. In Athen hätte sie schneller als 4:09,10 Minuten schwimmen müssen. Mit dieser Zeit rückte die Japanerin Sachiko Yamada als Achte ins Finale.

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