Flucht nach vorne
WestLB-Starbankerin droht ihrem Arbeitgeber

Robin Saunders, die Londoner Star-Bankerin der Landesbank, spielt ihr altes Spiel: Setzt ihr Arbeitgeber sie intern unter Druck, droht sie mit Abwanderung. Dieses Mal kündigt sie an, das Geschäft notfalls allein weiter zu machen.

fs LONDON. In einem Interview mit einer britischen Zeitung führt die 40-Jährige Texanerin jetzt einen bemerkenswerten Angriff gegen die West-LB-Spitze. Sollte diese sie nicht als Leiterin der Eigenkapitalfinanzierung unterstützen, wolle sie das gesamte Geschäft aus der WestLB herauskaufen. Auch wehrte sie sich gegen Vorwürfe, dass die durch das Engagement beim TV-Vermieter Boxclever aufgelaufenen Risikoprovisionen in Höhe von 500 Mill. Euro (gut 350 Mill. Pfund) ihre Schuld seien. Die strategischen Entscheidungen gingen auf Nomura und Granada zurück, die Eigentümer der Gesellschaft. Konkret verlangt Saunders von WestLB-Chef Jürgen Sengera, eine Kreditlinie von drei Mrd. Pfund für zukünftige Geschäfte zuzusagen. Ansonsten wolle sie das Portfolio selbst erwerben.

Schon einmal hatte Saunders die Flucht nach vorn angetreten. Im vergangenen Herbst versuchten ihre Chefs, der illustren Mitarbeiterin in der Öffentlichkeit einen Maulkorb zu verpassen, weil einige ihrer Deals nicht in die Tat umgesetzt wurden. Auch damals spekulierte sie, sich selbstständig zu machen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Während die WestLB-Spitze sie damals zum Bleiben überreden konnte, reagiert sie heute mit beredtem Schweigen. Selbst Saunders direkte Vorgesetzte, die ihr damals öffentlich beitraten, geben keine Stellungnahme ab. Zudem wurde mittlerweile bekannt, dass der Konzern einen Senior-Partner für Saunders sucht, der ihre Zukäufe gleich nach den jeweiligen Transaktionen betreuen soll.

Auch geschäftlich drohen Saunders schwere Zeiten. Das jüngste Projekt, den Kauf des Wasserversorgers AWG, wird es nicht geben, wenn die Zentrale kein Geld bewilligt. Zudem scheinen die Käufer für Mid Kent Water abgesprungen zu sein. Diese Firma aus dem WestLB-Portfolio muss Saunders aus regulatorischen Gründen vor einem AWG-Kauf abstoßen.

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