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Flüchtiger Elf-Manager Sirven gefasst

Nach mehreren Jahren auf der Flucht ist am Freitag der frühere Top-Manager des ehemals staatseigenen französischen Ölkonzerns Elf-Aquitaine, Alfred Sirven, auf den Philippinen gefasst worden.

rtr MANILA. Sirven, der wegen einer Korruptionsaffäre um den Elf-Konzern weltweit gesucht wurde, sollte nach Frankreich ausgeliefert werden, sagte die Polizei in Manila. Der Einwanderungsbehörde zufolge bestieg der 74-Jährige gegen Mitternacht (Ortszeit) ein Lufthansa-Flugzeug in Richtung Frankfurt am Main. Von Deutschland aus sollte er nach Paris ausgeflogen werden. Sirven wird in Zusammenhang mit Schmiergeldvorwürfen gesucht. In Frankreich wird ihm derzeit in Abwesenheit der Prozess gemacht.

Sirven hatte die Philippinen ursprünglich erst am Samstag verlassen sollen. Die Behörden buchten ihn dann aber für Freitag auf Lufthansa-Flug 751, um einer möglichen Eingabe seiner Anwälte gegen die Auslieferung zuvor zu kommen. Aus französischen Gerichtskreisen verlautete, Sirven werde von Frankfurt aus mit einem französischen Luftwaffen-Flugzeug unverzüglich nach Paris gebracht. Dort solle er am Montag zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfe befragt werden.

Sirven, der ehemalige zweite Mann an der Spitze des Konzerns Elf-Aquitaine - jetzt Total Fina Elf - wurde in Zusammenhang mit Vorwürfen gesucht, über Schweizer Konten seien Elf-Schmiergelder in Millionenhöhe geflossen. Sirven sagte nach seiner Festnahme, die Medienberichte über ihn seien Unsinn und eine reine Erfindung französischer Journalisten. Er habe keinen Rechtsbruch begangen. Er habe drei Jahre auf den Philippinen verbracht und bedaure es sehr, das Land nun verlassen zu müssen. Sirven war seit 1997 auf der Flucht. Er hatte sich mit einem gefälschten Pass aus Frankreich abgesetzt. Nach Polizeiangaben lagen drei internationale Haftbefehle gegen Sirven vor.

Wegen der Korruptionsaffäre um den Elf-Konzern - einer der größten in der Geschichte Frankreichs - steht derzeit auch Ex-Außenminister Roland Dumas vor Gericht. Sirven soll die ehemalige Dumas-Geliebte, Christine Deviers-Joncour, auf die Elf-Gehaltsliste gesetzt haben. Deviers-Joncour soll im Gegenzug politische Entscheidungen Dumas' beeinflusst haben. Das ursprünglich für Ende kommender Woche vorgesehene Ende des Prozesses dürfte sich Justizkreisen zufolge durch die Festnahme Sirvens verzögern. Wenn der Prozess ausgesetzt werde, um Sirven Zeit für die Vorbereitung seiner Verteidigung zu geben, könne dies Wochen dauern, hieß es aus den Kreisen.

Vermutete Schmiergeldzahlungen des Elf-Konzerns spielen auch in der CDU-Spendenaffäre eine Rolle. Wiederholt war der Vorwurf erhoben worden, Elf habe beim Kauf der ostdeutschen Leuna-Werke in den 90er Jahren Bestechungsgelder gezahlt. Vertreter der früheren christlich-liberalen Regierung hatten diesen Vorwurf jedoch zurückgewiesen.

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