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Flüchtlingsdrama der «Cap Anamur» noch nicht zu EndeDPA-Datum: 2004-07-11 19:42:28

Porto Empedocle/Köln (dpa) - Das Flüchtlingsdrama der «Cap Anamur» mit 37 afrikanischen Flüchtlingen an Bord hat noch immer kein Ende gefunden. Das Schiff konnte am Sonntag zwar in italienische Gewässer einlaufen, die Küstenwache stoppte es aber 200 Meter vor dem sizilianischen Hafen Porto Empedocle. Zunächst sollen Ärzte an Bord gehen. Auch «die rechtlichen Aspekte des Verhaltens des Kapitäns» seien zu prüfen, teilte das Innenministerium in Rom an.

Porto Empedocle/Köln (dpa) - Das Flüchtlingsdrama der «Cap Anamur» mit 37 afrikanischen Flüchtlingen an Bord hat noch immer kein Ende gefunden. Das Schiff konnte am Sonntag zwar in italienische Gewässer einlaufen, die Küstenwache stoppte es aber 200 Meter vor dem sizilianischen Hafen Porto Empedocle. Zunächst sollen Ärzte an Bord gehen. Auch «die rechtlichen Aspekte des Verhaltens des Kapitäns» seien zu prüfen, teilte das Innenministerium in Rom an.

Nur Stunden zuvor hatte sich die Lage dramatisch zugespitzt: Kapitän Stefan Schmidt setzte einen Notruf ab, dass die Lage außer Kontrolle zu geraten drohe. Die Sudanesen hätten gedroht, sich über Bord zu stürzen. Der Chef der Hilfsorganisation, Elias Bierdel, warf den italienischen Behörden vor, «weiterhin mit den Flüchtlingen ihre Spiele zu machen». Die Menschen aus dem sudanesischen Bürgerkriegsgebiet Darfur sind seit drei Wochen an Bord. «Sie sind vor allem psychisch am Ende und brauchen dringend Hilfe.»

Zeitweise hieß es, die italienische Regierung habe die Erlaubnis zur Einfahrt in den Hafen bereits gegeben und die Afrikaner würden in ein Transitlager kommen. Nach Angaben der Kölner Hilfsorganisation stellten die Sudanesen bereits auf dem Schiff Asylantrag für einen Aufenthalt in Deutschland. Der Kapitän habe die handschriftlichen Asylanträge entgegen genommen. Sie sollen an das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Nürnberg geschickt werden.

Die italienische Regierung hatte sich wochenlang strikt geweigert, die Afrikaner an Land zu lassen. Sie müssten in Malta von Bord, weil die «Cap Anamur» sie in der Nähe der Mittelmeerinsel aufgenommen habe. Dagegen sagte der Kapitän, man habe die Männer von einem Schlauchboot in der Region der italienischen Insel Lampedusa gerettet.

Der Kapitän hatte nach Angaben der Organisation folgenden Notruf abgesetzt: «Ich als Kapitän dieses Schiffes habe die Situation an Bord nicht mehr vollständig unter Kontrolle und bitte deshalb um die Erlaubnis, den Hafen Porto Empedocle noch heute anzulaufen». Sollte er keine Genehmigung erhalten, sehe er «keine andere Möglichkeit mehr, als den Hafen umgehend anzulaufen». Dies sei im Fall einer unmittelbaren Notlage durch internationale Gesetze erlaubt.

Zugleich warf «Cap Anamur»-Chef Bierdel den deutschen Behörden Untätigkeit vor. «Es ist eine bittere Erfahrung, wie die Menschen in diesem Fall im Stich gelassen werden.» Die deutsche Regierung habe in drei Wochen keinerlei Hilfe angeboten.

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