Flüge ab 19,99 Euro inklusive Steuern und Gebühren
Tui-Billigflieger greift über den Preis an

Die Tui AG wird mit ihrer neuen Billigfluggesellschaft Hapag Express-Lloyd zunächst lediglich sieben Ziele im In- und Ausland ansteuern - deutlich weniger als geplant. Der Wettbewerb am Standort Köln/Bonn wird dennoch hart. Allein die Strecke nach Berlin wird künftig von drei Billiganbietern insgesamt 15 Mal täglich bedient.

KÖLN. Mit einem Kampfpreis von 19,99 Euro inklusive aller Steuern und Gebühren steigt Europas größter Reisekonzern Tui in den wachsenden Markt der Billigflieger ein. Die neue Fluggesellschaft Hapag Express-Lloyd will damit bei den Kunden "zur beliebtesten Niedrigpreis-Fluglinie Europas werden", kündigte ihr Geschäftsführer Wolfgang Kurth gestern auf einer Pressekonferenz am Flughafen Köln/Bonn an. Allerdings startet die 100-prozentige Tui-Tochter ihre Operation am 3. Dezember nur mit vier Flugzeugen und nicht, wie Ende August angekündigt, mit acht Jets. Innerdeutsch werden die Ziele Berlin und Hamburg angeflogen, im Ausland London-Luton sowie die italienischen Städte Bergamo, Venedig, Pisa und Neapel.

Branchenbeobachter sehen den teilweisen Rückzug des Tui-Ablegers vor dem Hintergrund starker Konkurrenz, die sich vor allem am Standort Köln/Bonn versammelt. Von dort aus startet auch der Wettbewerber Germanwings an diesem Sonntag eine Billig-Linie mit zunächst sechs Airbus-Flugzeugen. Die Strecke von Köln/Bonn nach Berlin bedient mit der Deutschen BA sogar eine dritte deutsche Billigfluggesellschaft. Ab Dezember wird diese Route dann 15-mal täglich angeboten - ein Überangebot, bei dem Analysten den schnellen Ausstieg eines Wettbewerbers prophezeien. "Es ist nur die Frage, wer länger durchhält", sagte Thomas Tomkos, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Cell Consulting.

Auch auf den Köln-Verbindungen nach London und Mailand/Bergamo kommen sich Hapag Express-Lloyd und Germanwings in die Quere. Die beiden Anbieter setzen auf ihre finanzkräftigen Partner im Hintergrund. Die Tui AG werde ihrer neuen Tochter 100 Mill. Euro an Barmitteln zur Verfügung stellen, bekräftigte der Geschäftsführer von Hapag-Lloyd-Express gestern. Hinter Germanwings indes steht die Deutsche Lufthansa, die am Billigflugkonzept der Germanwings fleißig mitgebastelt hat und an deren Muttergesellschaft Eurowings AG die Lufthansa 25 % der Anteile hält.

Beide Großkonzerne verfolgen eine Abwehrstrategie, weil erfolgreiche Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder Easyjet zusehends im touristischen Geschäft von Tui und Lufthansa wildern. Während Pauschalreisen bei Neckermann und Co. derzeit Rückgänge verzeichnen, erfreuen sich Billig-Flugangebote sowie Hotelbuchungen ohne Veranstalterbindung wachsender Beliebtheit. "Wir wollen das bisherige Stammgeschäft ergänzen und reagieren auf das veränderte Verhalten der Konsumenten", sagte Kurth. Im Billigflugsegment werde auch künftig mehr als 20 % Wachstum erwartet.

Hapag Express-Lloyd unterbietet bei den Einstiegspreisen mit 19,99 Euro den Konkurrenten Germanwings. Dessen Werbe-Angebot beginnt bei 29 Euro, ebenfalls einschließlich Steuern und Gebühren. Pro Flug will die Tui-Linie zehn Plätze für 19,99 Euro anbieten. Weitere 20 Sitze sollen laut Kurth unter 25 Euro kosten. Mit steigender Nachfrage steige auch der Preis auf maximal 200 Euro für einen einfachen Flug innerhalb Europas.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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