Flugbereitschaft
Immer wenn das Bugrad klemmt ...

Regierende schlottern beim Flug in den maroden Maschinen der deutschen Flugbereitschaft. Vor dem Kauf neuer Regierungsflugzeuge scheut die große Koalition jedoch zurück. Zu groß ist die Angst vor Kommentaren wie: "Typisch, Arbeitslose müssen sparen, aber die Regierung genehmigt sich neue, tolle Flugzeuge".

BERLIN. Dienstagabend ist es wiedermal soweit: Bundesaußenminister Frank Steinmeier-Walter und sein slowenischer Kollege stehen auf dem Flughafen in Ljubljana und warten. Die "Challenger" der Flugbereitschaft, eines der kleinen Regierungsmaschinen, hat Probleme. Der Flug zum Fußballspiel Deutschland-Italien in Dortmund scheint zu platzen - und die deutsche Diplomatie um eine peinliche Episode reicher. Dann aber kommt die Entwarnung der Techniker: Beim Bugrad hakt es zwar, dennoch kann es losgehen. Doch schon beim Landeanflug gibt es erneut Probleme.

Defektes Bugrad, Probleme mit der Tür, auslaufendes Flugbenzin, Rauch in der Kabine - die Zahl der Zwischenfälle bei der betagten Flotte der Regierungsflugzeuge ist mittlerweile lang. Zwar garantiert der hohe technische Standard der Flugbereitschaft der Luftwaffe noch, dass Minister bei Flügen nicht vor Angst schlottern müssen - obwohl die kleinen "Challenger"-Maschinen mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel haben und die beiden VIP-Airbusse annähernd so alt sind. Aber die ständige Angst vor abgesagten Flügen beschäftigt mittlerweile das halbe Bundeskabinett.

Treffen die Minister aufeinander, erzählen sie sich ihre jüngsten Pannen-Anekdoten. Mitte März etwa saßen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück und Außenminister Steinmeier im Brüsseler "Hotel Amigo" zusammen. Am Rande des EU-Gipfels war man sich bei einem Glas Rotwein schnell einig, dass die Serie der Verzögerungen, abgesagten Flüge und Zwischenfälle ein Ende haben müsse. Steinbrück und Verteidigungsminister Franz Josef Jung haben dies ebenfalls schon besprochen. Und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos dringt schon deshalb auf Abhilfe, weil er als Außenförderer der deutschen Wirtschaft helfen soll, auch Airbusse zu verkaufen. Da macht es einen schlechten Eindruck, wenn er selbst in Maschinen anreist, die noch von der letzten DDR-Regierung angeschafft wurden. In den reichen Golfstaaten musste Steinmeier gar mit einem mausgrauen Truppentransporter der Bundeswehr anreisen.

Angst vor der Boulevard-Presse

Zwar hatte man sich schon auf der Kabinettsklausur zu Jahresbeginn in Genshagen überlegt, dass etwas geschehen müsse. Doch selbst in der großen Koalition sitzt die Angst vor der Boulevard-Presse tief. In Zeiten nötiger Haushaltskonsolidierung und Einschnitte ins Sozialsystem fürchtet man negative Schlagzeilen. "Da drohen dann Geschichten nach dem Motto: "Typisch, Arbeitslose müssen sparen, aber die Regierung genehmigt sich neue, tolle Flugzeuge", sieht ein hochrangiges Regierungsmitglied voraus.

Immerhin ist man nun einen kleinen Schritt vorangekommen. Die Regierung hat getan, was sie bei unangenehmen Themen immer tut - sie hat einen Prüfauftrag erteilt. Und so schwitzen zur Zeit Beamte des Bundesfinanzministeriums über der Frage, was die Anschaffung denn kosten - und aus welchen Etatposten sie bezahlt werden könnte.

Ganz billig wird dies nicht. Denn nach mehr als 20 Jahren müsste nicht nur die Flotte der 14sitzigen "Challenger"-Flugzeuge erneuert werden. Ministerien wie das Auswärtige Amt dringen auf eine mittlere Flugzeuggröße von 20 bis 30 Sitzen, mit Stückgrößen schnell über 20 Mill. Euro. Ins Auge gefasst werden muss aber wohl auch Ersatz für die beiden alternden Airbusse, deren beschränkte Reichweite immer wieder zeitraubende und teure Zwischenstopps nötig machen.

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