Fluggesellschaft dankt Krise
Aerolíneas Argentininas im Aufwind

Im vergangenen Jahr schien die Fluggesellschaft Aerolíneas Argentinas schon fast am Ende. Kaum noch Flugzeuge im Einsatz, drückende Schulden, beschlagnahmte Maschinen und verschreckte Passagiere bestimmten das Bild.

HB/dpa BUENOS AIRES. Inzwischen ist das Unternehmen eines der wenigen des südamerikanischen Landes, das von der drastischen Abwertung des Peso profitieren konnte. Die gesunkenen Kosten ermöglichen sogar erstmals seit Jahren wieder die Schaffung von High-Tech-Arbeitsplätzen in der Flugzeugwartung.

Im Rahmen der Privatisierungswelle war die frühere Staatslinie Anfang der 90er Jahre von der spanischen Iberia übernommen worden. Nur wenige Jahre später befand sich die einst wichtigste Fluglinie Südamerikas in Turbulenzen. Dann stieg im Oktober 2001 die spanische Marsans-Gruppe ein und übernahm 92,5 Prozent der Aktien. Weitere fünf Prozent hält der argentinische Staat und die restlichen 2,5 Prozent die Mitarbeiter des Unternehmens.

Inzwischen liege die Auslastung der Maschinen wieder bei 75 Prozent und Aerolíneas sei "auf dem Weg zu einem profitablen Unternehmen", sagte der Präsident des Unternehmens, Antonio Mata, bei der Eröffnung einer neuen Luftwerft für die Wartung von Boeing 747 Jumbos in Buenos Aires. Das erste Flugzeug wird gerade einer Inspektion vom Typ "D" unterzogen. Sie ist alle 21 000 Flugstunden vorgeschrieben. Dabei werden die Maschinen fast völlig auseinandergebaut und zehntausende Verschleißteile ersetzt.

Die Investitionen von umgerechnet zehn Millionen Euro sollen sich bald armortisiert haben, denn durch die Abwertung kostet die gesamte Prozedur in Argentinien nur noch knapp 3,0 Millionen Euro. In den USA oder in Europa werden dafür je nach Zustand einer Maschine mehr als sechs Millionen Dollar verlangt, sagt Omar Buono, der Vizedirektor der Wartungswerft. Es ist das erste Mal in der 52-jährigen Geschichte von Aerolíneas, dass derart komplizierte Arbeiten selbst vorgenommen werden.

In den kommenden 18 Monaten sollen zunächst die eigenen fünf Jumbos auf Vordermann gebracht werden. Dann aber wollen die Argentinier mit ihren Niedrigpreisen auch ausländische Linien zur Wartung ihrer Maschinen nach Buenos Aires locken. Insgesamt 264 neue Arbeitsplätze hat das Projekt geschaffen. Dafür wurden Techniker mit Erfahrung in der Wartung von Boeing-Flugzeugen eingestellt. Darunter befindet sich auch der Russe Nikolai Kudinow, der zuletzt Boeing-Maschinen für Aeroflot in seiner sibirischen Heimatstadt Irkutsk gewartet hat. Er war dafür in Seattle bei Boeing ausgebildet worden. Inzwischen ist Kudinow nach Argentinien ausgewandert und wendet sein Wissen jetzt am Rio de la Plata an.

Zurzeit verfügt die Fluggesellschaft über 51 Maschinen, von denen 14 geleast sind. In den vergangenen zwölf Monaten seien damit fast 2,8 Millionen Gäste transportiert worden. "Aerolíneas wird in den kommenden Jahren spektakulär wachsen", hofft Mata. "Und wenn das Aerolíneas kann, dann wird das auch Argentinien gelingen", macht der Manager sich und seinen Leuten Mut.

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