Fluggesellschaft erwartet massive Behinderungen
Lufthansa-Piloten wollen ab Mitternacht streiken

Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Sturm. Fast einstimmig votierten die Piloten gestern für einen Streik. Bereits am Freitag ist mit umfangreichen Flugausfällen zu rechnen.

dc/ek/huh/HB DÜSSELDORF. Mit dem ersten groß angelegten Arbeitskampf in der Konzerngeschichte wollen die Piloten der Deutschen Lufthansa AG ihrer Forderung nach kräftigen Gehaltserhöhungen Nachdruck verleihen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat nach einem beinahe einstimmigen Votum ihrer Mitglieder die rund 4 200 Piloten und Copiloten bei der Lufthansa, der Condor und der Lufthansa Cargo zum Streik aufgerufen - auf allen deutschen Flughäfen zunächst seit Mitternacht bis Freitagmittag, 12 Uhr. Sofern es im Tarifkonflikt mit der Fluggesellschaft keine Annäherung gibt, sollen in den kommenden vier Wochen jeden Donnerstag für 24 Stunden weitere "Maßnahmen" ergriffen werden, teilte VC am Donnerstag in Neu-Isenburg mit.

Der Ausstand werde den Lufthansa-Flugplan voraussichtlich ab 5.30 Uhr "voll treffen", sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Den Passagieren wird empfohlen, bei innerdeutschen Reisen auf die Bahn auszuweichen. Es sei mit massiven Problemen zu rechnen. Gleichwohl will die Kranich-Airline am Vormittag zumindest einen reduzierten Flugplan anbieten. Die gleichfalls vom Streik betroffene Ferienflug-Tochter Condor habe Vorkehrungen getroffen, um am Freitagmorgen ihre Jets in die Urlaubsgebiete starten zu lassen. Lufthansa-Interkontinentalflüge sollen ab etwa 13 Uhr wieder nach Flugplan abgewickelt werden.

Nach eigener Darstellung hat Lufthansa vor der Bekanntgabe des Urabstimmungsergebnisses der Vereinigung Cockpit einen neuen Verhandlungstermin am kommenden Mittwoch vorgeschlagen. Die Gespräche sollten dort auf der Basis des bisherigen Gehaltsangebots fortgeführt werden.

98 % der Gewerkschaftsmitglieder haben abgestimmt

Donnerstagmittag war die Anfang April eingeleitete Urabstimmung der Pilotengewerkschaft abgeschlossen worden. In vier Wochen beteiligten sich nach VC-Angaben 98 % der Gewerkschaftsmitglieder an der Abstimmung. 96,2 % von ihnen hätten für einen Arbeitskampf votiert. Damit hat die VC-Führung nun das Mandat, zu groß angelegten Streikaktionen aufzurufen. Am 28. März hatte die VC den Lufthansa-Flugverkehr bereits durch einen kurzen Warnstreik für mehrere Stunden lahm gelegt. 112 von 207 Flügen fielen damals aus.

Die Cockpit-Tarifpolitiker hatten die Verhandlungen mit der Lufthansa für gescheitert erklärt, als diese nach dem Warnstreik in einem ersten Verhandlungsangebot Gehaltserhöhungen für die Piloten von 10 bis 16,7 % vorgeschlagen hatte. Die Piloten fordern im Durchschnitt rund 35 % höhere Gehälter. Sie begründen dies mit deutlichem Nachholbedarf im internationalen Vergleich und Gehaltszugeständnissen, die sie in den frühen 90er-Jahren gemacht hatten, um zur Sanierung der damals krisengeschüttelten Lufthansa beizutragen. Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa gemeinsam mit der Pilotenvereinigung einen internationalen Gehaltsvergleich für Piloten angestellt.

Auch die Piloten großer US-Fluggesellschaften kämpfen derzeit um kräftige Gehaltszuschläge. Erst am Dienstag wurde bei Delta Airlines ein Streik offenbar abgewendet, nachdem die dortige Gewerkschaft einem auf fünf Jahre angelegten Gehaltspaket vorläufig zugestimmt hatte. Delta will die Gehälter bis 2006 um bis zu 34 % anheben.

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