Fluggesellschaft funktioniert als Marketing-Instrument für die Zeit nach dem Öl
Emirates Airline bereitet Sprung in Weltklasse vor

Die staatliche Fluglinie Dubais expandiert, als ob es keinen 11. September und keine Irak-Krise gegeben hätte. Emirates profitiert dabei von der aggressiven Investitionspolitik der Herrscherfamilie sowie von günstigen Krediten und niedrigen Personalkosten.

DUBAI. "Emirates Airline ist ein Marketing-Instrument. Ob sie unter europäischen Bedingungen profitabel wäre, ist fraglich", sagt Uwe Müller, Büroleiter der Deutschen Lufthansa in Dubai über den Konkurrenten. Während die Luftfahrt in der Krise steckt, hat die staatliche Fluggesellschaft des Emirats Dubai im vorigen Geschäftsjahr ein Gewinnplus von 11 % erwirtschaftet. Der Höhenflug der Airline ist dabei eng mit der aggressiven Investitionspolitik von Dubais herrschender Familie Maktoum verknüpft.

Denn dem Emirat geht das Öl aus, etwa 2010 werden die letzten Quellen versiegen. Bis dahin soll nach den Plänen des Kronprinzen, Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, die Glitzerstadt am Golf zur wichtigsten Drehscheibe zwischen Europa und Asien werden. "Emirates Airline ist Mittel zum Zweck, wie ein Staubsauger, der überall Passagiere einsaugt, sie zum Zwischenstopp nach Dubai fliegt und dann weiterverteilt", sagt Martin Koehler von der Unternehmensberatung Boston Consulting.

"Unsere Strategie ist es, die lokale Industrie in Dubai zu unterstützen, sowohl seitens der Airline, als auch der Hotels", sagt Sheikh Ahmed Bin Rashid Al Maktoum, Chairman der Emirates-Gruppe. Derzeit sind etwa 50 % der Emirates-Kunden Stopover-Passagiere, die, von Europa oder Asien kommend, mit subventionierten Hotelpreisen idealerweise zwei Tage in Dubai gehalten werden. Damit setzt sich Emirates immer stärker gegen British Airways durch, die die Routen nach Asien und Australien meist mit Zwischenstopp in Singapur bedienen.

Mit dem Sprung über den großen Teich soll das Stopover-Geschäft weiter wachsen. Ab 2004 will Emirates mit New York und San Francisco US-Ziele anfliegen, bis 2010 wird die Emirates-Flotte zudem von derzeit rund 40 auf mehr als 100 Flugzeuge erweitert. Mindestens 22 Flugzeuge vom Typ A-380 sind bei der 15 Mrd. $ schweren Investition eingeplant, Emirates ist somit der derzeit wichtigste Kunde für den neuen Riesen-Airbus. Die Ausbau der Fluglinie, so Luftfahrtexperte Martin Koehler, sei Teil eines durchdachten, 100 Mrd. $ schweren Investitionsplanes, den Dubais Regierung für den wirtschaftlichen Umbau des Landes gestartet hat. Direkt oder indirekt komme ein Teil des Geldes auch der Fluglinie zugute.

Vorteilhaft für Emirates Airline ist vor allem die enge Kooperation aller relevanten Stellen in Dubai - und fast immer ist die Herrscherfamilie mit dabei. So ist der Emirates-Chairman, Sheikh Ahmed, auch der Bruder des Kronprinzen Mohammed und ebenfalls Chef der Luftfahrtbehörde und des Flughafens. Dieser wird derzeit um einen Terminal erweitert - exklusiv für Emirates Airline und den neuen A-380. Auch die Start- und Landegebühren, mutmaßt Luftfahrtexperte Koehler, dürften für Emirates unter Normaltarif liegen. Und den kostenintensiven Boden-Service übernimmt ein weiterer Arm der Emirates-Gruppe. "Hier spielen die niedrigen Personalkosten eine große Rolle", sagt Peter Morrell, Professor für Luftfahrtökonomie an der britischen Cranfield University.

Dubais Niedriglohnsektor funktioniert, es gibt keine Gewerkschaften. Gastarbeiter aus dem ärmsten Ländern im Nahen und Fernen Osten übernehmen für wenige hundert Dollar im Monat Dienstleistungsjobs. So kann Emirates seine Kosten nach eigenen Angaben schon mit 65 % Auslastung der Jets decken, im Schnitt sind aber 85 % der Plätze gebucht.

Da bleibt Spielraum für Investitionen. Zumal sie, wie ein lokaler Banker erklärt, mit zinsgünstigen Krediten finanziert werden. "Wenn jetzt noch der Sprung in den US-Markt klappt", folgert Luftfahrt-Professor Morrell, "dann stößt Emirates Airline in die Liga der ganz großen Gesellschaften vor."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%