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Fluggesellschaft Swiss setzt radikal den Rotstift an

Das Schweizer Unternehmen streicht 3 000 Stellen und legt weitere 34 Flugzeuge still.

hz/oli/ebe ZÜRICH. Mit radikalen Einschnitten bei Personal und Flotte sucht die angeschlagene Fluggesellschaft Swiss einen Weg aus ihrer existenzbedrohenden Lage: Swiss-Chef André Dosé will mit den Kürzungen die Chancen für neue Bankkredite und für einen Beitritt in eine große Luftfahrtallianz erhöhen. "Wir brauchen jetzt dringend das Vertrauen des Kapitalmarkts", sagte Dosé. Die erst vor knapp 15 Monaten gestartete Schweizer Fluglinie streicht deshalb 3 000 ihrer rund 9 800 Stellen und kappt ab Herbst die Kapazitäten um etwa ein Drittel von 109 auf 75 Maschinen. Dosé: "In neun Monaten wird die Swiss ein anderes Gesicht haben." Die Fluglinie räumt damit ein, dass ihre bisherige Strategie bereits nach gut einem Jahr gescheitert ist. Luftfahrtexperten hatten von Beginn an kritisiert, die Nachfolgerin der bankrotten Swissair sei für ihren überschaubaren Heimatmarkt viel zu groß.

Die Rücklagen der im Herbst 2001 mit Milliardenhilfe an den Start geschobenen Airline schwinden bedenklich. Nach einem Minus von rund 1 Mrd. sfr. im Vorjahr flog die Airline auch im ersten Quartal 2003 einen operativen Verlust von 199 Mill. sfr (130 Mill. Euro) ein. Der nunmehr dritte und radikalste Einschnitt seit dem Start soll jetzt die Kosten um weitere 1,6 Mrd. sfr reduzieren. Mit den geplanten massiven Kürzungen will Swiss-Chef Dosé die Schweizer Banken zu neuen Krediten bewegen. Die Liquidität der Gesellschaft reicht nach Swiss-Angaben in der bisherigen Konstellation gerade noch bis Anfang 2004.

Der Schweizer Staat hat bereits weiteres Geld verweigert. "Swiss hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht", sagte Klaus Breil von Adig Investments in Frankfurt, "doch die Schnitte hätten früher kommen müssen." Der neue Sanierungsplan sieht eine Reduktion der Langstreckenflotte auf 18 Maschinen, in der Mittelstrecke auf 21 und im Regionalbereich auf 35 Flugzeuge vor. Zudem sollen die Löhne aller verbliebenen Mitarbeiter nach Arbeitnehmerangaben um rund 10 % gekürzt werden. Die Gewerkschaften kündigten Widerstand gegen die Pläne an. Swiss-Chef Dosé sieht nach einem Schiedsgerichtsurteil das Überleben des Unternehmens gefährdet. Danach müssen die Piloten aus Langstrecke und Regionalflotte nach dem Reißverschlussprinzip und nicht nach Flugzeugmuster entlassen werden - ein Verfahren, das Swiss die Möglichkeit nimmt, die Flottenreduktion nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorzunehmen.

Der radikale Schrumpfkurs lässt nach Ansicht von Analysten immerhin die Chancen der Eidgenossen steigen, bald einem der Luftfahrtbündnisse beizutreten. Die Lufthansa mit ihrem Bündnis Star Alliance hat ebenso wie die konkurrierende Oneworld-Allianz um American Airlines eine Verkleinerung des Schweizer Langstreckennetzes zur Bedingung eines Beitritts gemacht. Nach Angaben aus Swiss-Unternehmenskreisen wird jetzt wieder intensiv mit der Lufthansa verhandelt. Die Bandbreite der Möglichkeiten bewege sich "vom Allianzbeitritt bis hin zu einem Merger", sagte Dosé gestern. Eine rasche Entscheidung sei aber nicht zu erwarten.

Der bisherige Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber hatte allerdings erst vergangene Woche bei seinem Abschied auf der Hauptversammlung in Köln einem Einstieg bei Swiss eine indirekte Absage erteilt. Unternehmenszukäufe kämen für die Lufthansa-Chefetage demnach nur in Frage, wenn sie den Wert der Lufthansa dauerhaft steigern. "Die Airlines werden sich sicher genau anschauen, welche Rolle Swiss künftig spielen kann", meinte Dominic Edridge, Luftfahrtanalyst der Commerzbank in London. "Aber vorher muss die Swiss erst einmal beweisen, was sie selbst kann."

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