Fluggesellschaft von möglicher Pleite des US-Partners belastet
Anleger fliegen nicht auf Lufthansa

Die Freude währte nur kurz. Noch Anfang des Monats durfte sich Lufthansa-Chef Jürgen Weber dafür feiern lassen, dass seine Airline nur elf Monate nach den Terroranschlägen in den USA bereits wieder wie ein Phoenix aus der Asche da steht. Trotz der zunehmenden Konkurrenz durch Billigflieger zeigt die Erfolgskurve der Airline wieder steil nach oben: Ungeachtet aller Hiobsbotschaften hob die größte deutsche Airline überraschend ihre Gewinnerwartungen für das laufende Jahr an und gab damit der ganzen Branche Rückenwind.

FRANKFURT/M. Doch jetzt bringt ausgerechnet der Lufthansa-Partner United Airlines (UAL) die größte deutsche Airline wieder in die Bredouille. Denn viele Beobachter glauben nunmehr, dass nach der Pleite der siebtgrößten amerikanischen Fluggesellschaft US Airways auch der krisengeschüttelte Lufthansa-Partner seine strukturellen Probleme nur über Gläubigerschutz unter Chapter 11 lösen kann. Die Experten der Bank Credit Suisse First Boston beziffern die Gefahr eines Konkursantrages durch UAL inzwischen sogar auf 75 % bis 80 %.

Verwundern können diese Befürchtungen nicht. So verbuchten allein die acht größten US-Fluglinien im Geschäftsjahr 2001 einen Verlust von insgesamt mehr als sieben Milliarden Dollar. Auch im ersten Halbjahr 2002 verloren sie bereits mehr als die Hälfte dieser Summe. Eine Pleite des wichtigsten Partners im Luftfahrtbündnis Star Alliance wäre für Weber jedoch ein schwerer Rückschlag. Rund ein Siebtel ihres Umsatzes von rund 15 Milliarden Euro macht die Lufthansa in einem normalen Jahr auf der Nordatlantikroute - und dort sind die Amerikaner der wichtigste Partner.

Experten warnen allerdings davor, den Einfluss einer Pleite auf die Lufthansa zu dramatisieren. Denn auf den wichtigsten und lukrativsten Verbindungen in die USA - wie Washington, Los Angeles, Chicago und San Francisco - setzt Lufthansa weiter eigene Maschinen ein. Zahlreiche Verbindungsflüge in andere amerikanische Städte werden dagegen vom US-Partner unter LH-Flugnummer übernommen. Davon könnten einige Strecken im Falle einer United-Pleite wegfallen, glauben Analysten. Ebenso wie US Airways würde United nach einem Antrag auf Gläubigerschutz den Flugbetrieb aber zunächst eingeschränkt weiterführen. "Wirtschaftlich wäre der Effekt einer Pleite von United für die Lufthansa überschaubar", glaubt Uwe Weinreich, Luftfahrtanalyst der Hypo-Vereinsbank.

Dennoch fliegen die Anleger derzeit nicht gerade auf die Lufthansa, weil viele Aktionäre der ganzen Branchen nach mäßigen Zahlen von Wettbewerbern noch nicht trauen. Die Folgen des Terroranschlags vom 11. September verunsichern die Anleger noch immer. In dieser labilen Situation wird die Lufthansa auch noch durch die zahlreicher werdenden Billigfliegern bedrängt. Experten bezweifeln zwar, dass die neue Konkurrenz den Etablierten allzu viel Geschäft abnehmen wird. Doch auch der hohe Ölpreis drückt auf die Stimmung. Zudem sind die Fluggäste immer noch vorsichtig und buchen seltener und kurzfristiger als vor dem 11. September. Die Kundschaft reagiert weiter sofort auf jede Meldung über Terrorwarnungen, Kaschmir-Konflikt oder Angriffspläne der Amerikaner gegen den Irak.

So ist die Lufthansa-Aktie von neuen Höhenflügen noch weit entfernt. Niemand bezweifelt zwar, dass die Airline bei der anstehenden Konsolidierung unter den europäischen Fluglinien eine führende Rolle spielen kann. Doch jeder Kauf einer Luftfahrt-Aktie ist derzeit auch eine Wette gegen die Möglichkeit eines neuen Irak-Kriegs. Nach dem Golfkrieg dauerte es immerhin mehr als zwei Jahre, bis wieder so viele Fluggäste in den Maschinen saßen wie vor dem Konflikt.

Fazit: Die Lufthansa-Aktie zählt unter den großen europäischen Fluggesellschaften zu den besten Werten. Doch die Risiken sind nicht zu unterschätzen.

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