Fluggesellschaften abgestraft
Airlines stehen vor anhaltenden Turbulenzen

Die Terrorattentate am 11. September haben einen ganzen Industriezweig arg gebeutelt: Zwar sehen Analysten renommierte europäische Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa langfristig als Gewinner eines Konzentrationsprozesses. Einen Einstieg in die Aktie halten viele Experten aber für noch zu früh.

DÜSSELDORF. Seit den Terroranschlägen gegen die USA wird die Luftfahrtbranche Tag für Tag von neuen Hiobsbotschaften aufgeschreckt. Umsatzeinbrüche hier, Stellenstreichungen dort - die Attentate am 11. September haben die Branche in große Schwierigkeiten gebracht.

Auch Flugzeugbauer stehen unter Druck

Erwarten konnte das in dieser Form keiner: Noch im August 2001 wurden etwa die Papiere des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS von so manchem Analystenhaus als "konservative Langfristanlage" empfohlen. Keine zwei Monate sind seitdem vergangen, und die Aktie notiert nahezu 50 % tiefer. Weil das EADS-Geschäft entscheidend von der bisher so erfolgreichen Flugzeugbau-Tochter Airbus abhängt, ist die Aktie angesichts der weltweiten Luftfahrtkrise in heftige Turbulenzen geraten. An Airbus hält EADS 80 %, die restlichen Anteile liegen beim britischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern BAE Systems. Auch auf dem aktuellen Niveau empfiehlt Analystin Martina Jung vom Bankhaus Metzler: "Verkaufen!" Sie erwartet weitere negative Nachrichten für den Flugzeugbauer, weil Fluggesellschaften bald beginnen würden, Neubestellungen zu stornieren.

Die Airlines selbst wurden an der Börse noch mehr abgestraft, weil sie die Flugangst der Kundschaft seit den Terroranschlägen unmittelbar zu spüren bekommen. Die US-Investmentbank Lehman Brothers rät Anlegern deshalb zu einer "defensiven Haltung" in der gesamten Luftfahrtbranche. Entspannung ist noch nicht in Sicht, die September-Zahlen amerikanischer Fluggesellschaften zeigten einen Rückgang der Passagierzahlen von rund 30 %. Überhaupt erwarten Analysten, dass die Verkehrsströme über den Wolken frühestens im Sommer 2002 das Niveau vor jenem schwarzen 11. September wieder erreichen.

Bei den europäischen Fluggesellschaften ist der Einbruch zwar nicht ganz so dramatisch, doch wegen des ohnehin bestehenden Überangebots hat die sich verschärfende Krise ausgereicht, um die einst so stolze Swissair Group in die Pleite zu führen. Deren Aktie ist an der Börse inzwischen zum Zockerpapier verkommen.

Während weitere Airlines wie die belgische Sabena, Air Portugal, Olympic Airways (Griechenland) oder Aer Lingus (Irland) ebenfalls vor großen Problemen stehen, fliegen renommierte Gesellschaften wie Lufthansa oder Air France zwar unter Schmerzen, aber ohne heftigere Turbulenzen durch die Krise. Analysten sind deshalb überzeugt, dass die Deutsche Lufthansa langfristig zu den Gewinnern dieses Ausleseprozesses gehören wird: "Die Kleinen werden scheitern, und Airlines wie Lufthansa werden Passagiere übernehmen oder das Geschäft über Kooperationspartner abwickeln", meint Mathias Christmann von Delbrück Asset Management. In einen Einstieg zur Lufthansa-Aktie rät er aber noch nicht: "Zu risikoreich", sagt er im Hinblick auf die Militäraktionen in Afghanistan.

Ausleseprozess bei den Fluglinien erwartet

Auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält das Papier aktuell für "uninteressant". Dafür sei die Lage der gesamten Branche noch zu schlecht. Andere Analysten sehen die Aktie inzwischen als deutlich unterbewertet an, selbst wenn Lufthansa am Ende des Geschäftsjahrs einen Verlust ausweisen sollte. So haben die Finanzexperten von Lehman Brothers Lufthansa in der vergangenen Woche auf "Buy" hochgestuft - trotz ihrer defensiven Haltung im Luftfahrtsektor.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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