Fluggesellshaften streichen Sitzplätze auf Kurzstreckenflügen
Amerikaner wechseln von der Luft auf die Straße

Lange Schlangen an den Sicherheitschecks und Verspätungen nehmen den Amerikanern die Lust am Fliegen. Sie steigen aufs Auto um. Auch Luxus-Busse haben immer mehr Zulauf.

NEW YORK. Die US-Fluggesellschaften haben einen neuen Gegner: den Highway. Wegen der Zeit raubenden Sicherheitsvorkehrungen und engen Reisebudgets der Unternehmen steigen viele Kunden vom Flugzeug auf das Auto um. Ford und General Motors gegen American und United Airlines.

"Strecken, für die ich weniger als fünf Stunden brauche, fahre ich mit dem Auto", sagt Renee Davis, Vertreterin des Biotech-Unternehmens Stratagem. Die zierliche junge Frau wohnt im New Yorker Stadtteil Manhattan, ist aber ständig mit ihrem Geländewagen zu Kunden unterwegs.

Davis ist nicht allein auf der Straße: In einer Umfrage der National Business Travel Association gaben 38 % von 200 befragten Reise-Managern aus Unternehmen an, dass sie auf kürzeren Strecken mehr Mietwagen buchen, um die Flugverspätungen zu umgehen, die durch höhere Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen stark zugenommen haben. 21 % sagten, dass sie auch stärker Privatautos für kurze Geschäftsreisen einsetzen.

Die Airlines haben das zu spüren bekommen: Auf Strecken unter 400 Kilometer ist die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um 26 % gesunken. Der Rückgang ist fast doppelt so groß wie bei den Langstrecken-Flügen. Die Fluggesellschaften reagierten, indem sie die Zahl der Plätze für Kurzstrecken um 15 % strichen. US Airways, die in diesem Monat Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Konkursrechts beantragt hat, war besonders von dem Einbruch betroffen: US Airways ist die Fluggesellschaft mit den meisten Kurzstreckenflügen.

"Sicherlich spielt auch der Ticketpreis eine Rolle. Aber gerade bei hochrangigen Geschäftsreisen geht es vor allem um die Zeit, die sie verlieren", erläutert Andrew Watterson, Airline-Spezialist der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting. Wenn Fliegen nicht mehr schneller ist, verliere es seinen Sinn, sagt Watterson.

Mittlerweile sind die Schlangen an den Flughäfen zwar kürzer geworden. Aber Regeln, dass etwa Passagiere zwei Stunden vor Abflug am Flughafen erscheinen sollen, verwandeln Kurztrips immer noch in aufwendige Reisen.

An der Ostküste der Vereinigten Staaten, wo die Bahn gut funktioniert, bietet zudem der Zug eine Alternative: Statt etwa den Shuttle-Dienst von US Airways oder Delta zwischen New York und Washington zu nutzen, können Reisende die geräumigen Züge der Bahngesellschaft Amtrak wählen und in weniger als drei Stunden am Ziel sein. Und weil die Bahnhöfe im Zentrum der Stadt liegen, entfällt die Anfahrt zum oder vom Flughafen.

"In Neu-England benutze ich gern den Zug, sagt Biotech-Vertreterin Davis. "Da kann ich während der Reise auch arbeiten." Die Bahngesellschaft Amtrak kämpft allerdings seit langem mit finanziellen Schwierigkeiten. In den Monaten nach den Terror-Anschlägen registrierte sie zwar einen deutlichen Anstieg der Zahl der Reisenden, mittlerweile liegen die Zahlen jedoch wieder unter denen des Vorjahres.

Favorit der US-Bürger bleibt das Auto: Nach einer Umfrage der Travel Industry Association wird das Auto für Geschäftsreisen immer noch stärker genutzt als vor einem Jahr. Autovermietungen versuchen, von dem Trend zu profitieren: Enterprise Rent-A-Car hat eine Werbekampagne gestartet, die fliegende Autos zeigt, mit dem Slogan: "Ein anderer Weg, zu fliegen."

Und auch die Luxus-Busgesellschaft Exec Connect America wittert ihre Chance: Seit Juli fahren viermal täglich Busse mit 27 Ledersitzen aus der Ersten Klasse von Flugzeugen und gratis Internetanschluss zwischen Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania und Cleveland hin und her. Während der 2 Stunden und 40 Minuten langen, 79 $ teuren Fahrt bedienen zwei Busbegleiter die Reisenden mit Getränken und Essen - ganz wie im Flieger. Vielfahrermeilen gibt es allerdings noch nicht.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%