Flughafenbetreiber will mit Führungswechsel sein wichtigstes Projekt retten – Dubiose Beraterverträge aufgetaucht
Fraport fängt in Manila von vorne an

Fraport-Chef Bender schickt seinen Vize Manfred Schölch zum Aufräumen nach Manila. Er soll dort das größte Auslandsprojekt des Unternehmens retten. Die philippinische Regierung hat viele unangenehme Fragen an ihn.

MANILA. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG hat mit seinem Manila-Projekt größere Probleme als bisher zugegeben. Vorstandschef Wilhelm Bender zog jetzt erste Konsequenzen aus dem Debakel beim Bau des neuen Passagierterminals 3 auf dem Ninoy Aquino International Airport Manila: Er nahm Finanzchef Johannes Endler und Bereichsvorstand Bernd L. Struck das größte Auslandsprojekt des Unternehmens aus der Hand und sandte seinen Vize Manfred Schölch auf die Philippinen. Er soll nun mit einem neuen Team die 350 Mill. $ retten, die Fraport in Manila schon verbuddelt hat.

Schölch findet in Manila einen Scherbenhaufen vor. Das Hauptproblem: Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo erkennt wesentliche Passagen des Konzessionsvertrags für den Betrieb des neuen Terminals nicht an. Diese hatte Fraport zusammen mit dem lokalen Partner, der Unternehmerfamilie Cheng, mit Arroyos Vorgänger Joseph Estrada ausgehandelt. In Arroyos Auftrag prüft nun die Sonderbevollmächtigte Gloria Tan Climaco die sehr günstigen Konditionen, die die Flughafenbetreiber mit Estrada vereinbart haben.

In einem vierseitigen Schreiben vom 13. März 2002, das dem Handelsblatt vorliegt, macht Climaco Struck und seinem Partner Cheng klar, dass die Regierung grundlegende Änderungen verlangt (siehe Ausriss). Unter anderem will sie die Verdoppelung der Flughafengebühr auf 20 Dollar je Passagier nicht hinnehmen. Arroyo, angetreten, um das unter Estrada gewucherte Korruptionsgeschwür auszumerzen, stärkt Climaco öffentlich den Rücken.

Doch das ist längst nicht alles: Climaco will auch exakt wissen, wofür Piatco - das Joint Venture von Fraport und Cheng zum Betrieb des neuen Terminals - 23 Mill. $ an den eigenen Gesellschafter Pags Terminals Inc. (PTI) gezahlt hat. Bisher habe sie nur Stückwerk erhalten, kritisiert sie in dem Brief. An Piatco hält Fraport formal nur 30 %, indirekt aber 70 %.

Um Piatco und die Chengs ranken sich seit langem Korruptionsverdächtigungen. So beschäftigt Piatco-Präsident Cheng Yong den in Manilas Geschäftswelt völlig unbekannten Alfonso S. Liongson als hoch bezahlten Berater. Der Vertrag zwischen Piatco und Liongson, der dem Handelsblatt vorliegt, sichert dem Berater äußerst großzügige Honorare für Hilfe bei behördlichen Genehmigungen. Der gelernte Land- und Betriebswirt erhält monatlich 200 000 $ Honorar, zum Start zusätzliche 200 000 $. Der von Cheng und Struck am 21. Juni 2001 unterzeichnete Vertrag erteilt Liongson zudem neun Aufgaben, für deren Erfüllung er insgesamt 2,2 Mill. $ zusätzliche Prämien erhält - so etwa 600 000 $ dafür, dass er beim Verkehrsministerium eine Genehmigung für die Betreibergesellschaft des Terminals erwirkt. Schon am 2. Juli 2001 stellte Liongson Piatco eine Million Dollar in Rechnung - ein sehr üppiges Honorar.

Solche Vorgänge muss Schölch nun in Manila aufklären und zugleich das Vertrauen der Regierung zurückgewinnen. Climaco hat weitere Gespräche mit Endler und Struck abgelehnt. Nicht nur wegen inhaltlicher Differenzen: Die "Fraport Brothers" (Manila-Spott) haben offenbar an ihr vorbei beim Büro-Minister der Präsidentin, Alberto G. Romulo, antichambriert. Doch der habe sie abblitzen lassen.

Was immer Schölch noch retten kann - Fraports ursprünglicher Geschäftsplan, der fette Renditen versprach, ist obsolet. Müsste Fraport die geleistete Zwischenfinanzierung in den Wind schreiben, wäre das ein Desaster für die Bilanz. Die wird Fraport am Dienstag präsentieren.

Analysten beurteilen die Lage des Unternehmens höchst unterschiedlich: Während die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter die Bedenken wegen des Manila-Projekts als übertrieben bezeichnet und die Fraport-Aktie unverändert zum "Übergewichten" empfiehlt, hat die Helaba das Papier wegen des Streits mit der philippinischen Regierung gerade auf "Neutral" herabgestuft.

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