Flughafenkonzern trennt sich von Bereichsvorstand Struck: Erster Rausschmiss nach Fraports Manila-Desaster

Flughafenkonzern trennt sich von Bereichsvorstand Struck
Erster Rausschmiss nach Fraports Manila-Desaster

Die Fraport AG hat aus dem Manila-Debakel personelle Konsequenzen gezogen: Ein Bereichsvorstand musste gehen. Der Stuhl des Konzernchefs wackelt dagegen nicht: Der Aufsichtsrat gibt Rückendeckung.

dp/hz/sur SINGAPUR/FRANKFURT/M. Fraport-Chef Wilhelm Bender steht vor einem schweren Gang. Wenige Wochen nach der Totalabschreibung des risikoreichen Manila-Projekts muss sich das Management des Flughafenkonzerns heute erstmals wieder dem Aufsichtsrat stellen. Das Kontrollgremium will sich neben den Bilanzzahlen vor allem mit den Folgen des Manila-Abenteuers beschäftigen. Von Politikern ist angesichts des millionenschweren Fehlschlags bereits der Ruf nach Konsequenzen im Vorstand laut geworden. Eine Arbeitsgruppe im Aufsichtsrat soll die Ursachen des verlustreichen Engagements klären. Bisher ergaben sich dabei keine nennenswerten Hinweise auf ein Fehlverhalten des Vorstands.

Mit dem Bereichsvorstand Bernd Struck hat das verlustreiche Projekt bereits ein erstes personelles Opfer gefordert: Der Flughafenkonzern trennte sich von dem Manager, der das Terminalprojekt in Manila betreute, bis die Alarmzeichen nicht mehr zu übersehen waren. Struck gehöre dem Unternehmen seit April nicht mehr an, bestätigte ein Fraport-Sprecher in Frankfurt. Bender hat dagegen persönliche Konsequenzen wegen des Debakels verneint. Im Aufsichtsrat ist ihm ein solcher Schritt bisher auch nicht nahe gelegt worden. Vorerst muss der Fraport-Chef nicht um seinen Job bangen. Der Arbeitnehmerflügel und die Politiker im Aufsichtsrat stehen hinter dem Vorstand. Das Gremium wird heute die Entlastung des Managements absegnen.

Der Unmut unter den Hauptaktionären, der Stadt Frankfurt, dem Land Hessen und dem Bund, ist zwar groß. Als Folge des Scheiterns in Manila müssen die Anteilseigner auf Millionen Euro Dividende verzichten. Die Stadt Frankfurt muss zudem Steuern abschreiben. Ein Wechsel an der Spitze des Vorstands ist jedoch im Aufsichtsrat kein Thema. "Das Unternehmen ist insgesamt in einer gesunden Situation", sagte ein Aufsichtsrat. Auch aus politischen Gründen droht kein Führungswechsel bei Fraport. Vorstandschef Bender gilt als SPD-nah. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist dagegen Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich seit der Landtagswahl auf eine absolute Mehrheit stützen kann. Dennoch will Koch Bender mit Blick auf den bevorstehenden Flughafenausbau nicht ablösen. Dieses auch in der Bevölkerung umstrittene Projekt, erklärte ein Mitglied des Aufsichtsrats, müsse politisch möglichst breit verankert bleiben: "Angesichts des Ausbaus muss man auf allen Kanälen spielen können."

Ende März hatte der Flughafenkonzern, der als erster deutscher Airport an der Börse notiert wird, das verfahrene Projekt in Manila nach monatelangen ergebnislosen Verhandlungen komplett abgeschrieben. Das im MDax notierte Unternehmen rutschte deswegen 2002 mit 120 Mill. Euro in die Verlustzone und strich die komplette Dividende. Fraport hatte knapp 400 Mill. $ in den Bau eines neuen Terminals in der philippinischen Hauptstadt investiert. Die heutige Regierung der Philippinen bestreitet jedoch die Gültigkeit der mit ihren Vorgängern getroffenen Vereinbarungen und will die Verträge nicht anerkennen.

Der Vorstand will künftig Lehren aus dem Engagement auf den Philippinen ziehen. So soll sich das Unternehmen wieder stärker auf den Basis-Standort Frankfurt konzentrieren und im Ausland nicht mehr als Finanzinvestor auftreten. Ihre Entschädigungsansprüche in Manila wollen die Frankfurter jetzt über den Rechtsweg einfordern. Fraport bereitet nach eigenen Angaben ein Schiedsgerichtsverfahren bei der Weltbank vor. Im Gegensatz zum Management glauben die Analysten von SES Research allerdings nicht, dass Fraport seine Investitionen zurückerhalten werde. Der Grund: Der Terminal-Vertrag steht unter dem Verdacht, mit Hilfe von Korruption zu Stande gekommen zu sein.

Sollte es jedoch keine Entschädigungszahlungen geben, könnte es eng für Bender werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Koch ist bereits vorsichtig auf Distanz zum Fraport-Management gegangen. Man werde den Vorstand daran messen, wie erfolgreich dieser die Schadensersatzregelung im Manila-Engagement bewältige, hieß es aus der Staatskanzlei.

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