Flughafensicherung als Hauptaufgabe
Erste französische Soldaten im Kongo

Im Unruhegebiet der Demokratischen Republik Kongo sind am Freitag die ersten französischen Soldaten der internationalen Eingreiftruppe eingetroffen.

Reuters BUNIA/BERLIN. Die Soldaten seien nach Tagesanbruch mit zwei Flugzeugen in der Stadt Bunia im Nordosten des afrikanischen Landes gelandet, sagte der Befehlshaber der dort unabhängig von der Eingreiftruppe operierenden Uno-Soldaten, Oberst Daniel Vollot. Es handele sich um ein Vorauskommando von rund 100 Soldaten, verlautete aus Truppenkreisen. Die französischen Soldaten sollen nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen gemeinsam mit den Uno-Soldaten den Flughafen sichern und ihre Stationierung abschließen. Die Bundesregierung warb unterdessen im Bundestag in Berlin um die Zustimmung der Opposition für ihr Angebot, den Einsatz durch logistische und medizinische Beteiligung zu unterstützen.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte der Entsendung einer 1400 Mann starken Truppe mit dem Auftrag zugestimmt, die Kämpfe zwischen zwei verfeindeten Volksgruppen zu stoppen. Frankreich wird rund 1000 Soldaten der neuen Truppe stellen, den Rest steuern andere Staaten der Europäischen Union und Länder wie Kanada und Südafrika bei. Es handelt sich um den ersten EU-Einsatz außerhalb Europas. Am Freitag trafen einem Uno-Sprecher zufolge auch einige britische Soldaten im Kongo ein. Sie seien Teil einer Aufklärungseinheit, die die eventuelle Verlegung weiterer Soldaten vorbereiten solle.

Hunderte Einwohner von Bunia brachen in Jubel aus, als die französischen Soldaten im Uno-Hauptquartier im Zentrum der Stadt ankamen. "Befreit uns!", riefen einige von ihnen. "Darauf haben wir gewartet", sagte ein Lehrer. "Jetzt können die Menschen ihre Verstecke wieder verlassen."

Im Gegensatz zur neuen Eingreiftruppe hat das bestehende 700 Mann starke Uno-Kontingent in Bunia nur ein begrenztes Mandat. Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden trotz der Anwesenheit der Uno-Soldaten bei Kämpfen von Milizen der Volksgruppen der Hema und der Lendu in der Region Ituri 500 Zivilisten getötet. Die Milizen beider Seiten haben - oft unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen - Häuser geplündert und Frauen vergewaltigt. Tausende Zivilisten sind aus Angst aus Bunia geflüchtet. Seit Beginn des Bürgerkriegs 1999 kamen 50 000 Menschen bei Gewalttaten ums Leben.

Deutschland hat als Unterstützung für den Einsatz der internationalen Truppe ein fliegendes Lazarett, Stabsoffiziere für das Hauptquartier in Paris sowie Hilfe beim Lufttransport angeboten. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), begründete den Einsatz und die deutsche Beteiligung mit der dramatischen Lage im Kongo: "Die internationale Gemeinschaft kann diesem Morden nicht länger zusehen." Müller war kurz zuvor von einer mehrtägigen Reise in die Region zurückgekehrt.

Die Union kündigte an, sie werde sich ihrer Verantwortung in dieser Frage nicht verweigern, legte sich aber noch nicht auf ein Votum bei der Abstimmung über ein Bundestagsmandat fest. Der außenpolitische Experte Friedbert Pflüger (CDU) kritisierte, dass die gegenwärtige Planung des Einsatzes zentrale Fragen offen lasse.

Für die deutsche Beteiligung wäre ein Bundestagsmandat erforderlich, das das Parlament möglicherweise in einer Sondersitzung in einer der beiden kommenden sitzungsfreien Wochen erteilen müsste.

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