Fluglinie macht nur negative Schlagzeilen
Swiss leidet unter Pannenserie

Ein edler Stern am Flughimmel sollte sie werden - doch Pech und Pannen sind derzeit eher das Markenzeichen der Swissair-Nachfolgerin Swiss. Die mit Milliardenaufwand als Premiummarke konzipierte neue Schweizer Fluglinie hat neben vielen technischen auch mit Imageproblemen zu kämpfen.

HB/dpa GENF. Mit der Berufung eines international anerkannten Sicherheitsexperten hält Swiss-Chef André Dosé nun dagegen. Wenn die bisherige Auslastungsbilanz der seit März operierenden Fluggesellschaft auch weitgehend positiv ist, so machen doch anhaltende Negativberichte der Swiss das Überleben schwer.

Schlagzeilen machten etwa Rauch im Cockpit oder 50 Piloten, denen vorläufig die Fluglizenz entzogen wurde. Auch über die fliegerischen Fähigkeiten eines Piloten, der im Januar 2000 bei Zürich einen Absturz mit zehn Toten verursacht hatte, wurde vernichtend berichtet.

Die Luftlinie, aus dem Zusammenschluss der Regionaltochter Crossair und der insolventen Swissair entstanden, leidet unter Altlasten und dem schmerzhaften Zusammenwachsen von zwei Flieger- Welten: Hier die von der Swissair oft belächelten europäischen Regionalflieger der Crossair, deren Chef Dosé jetzt bei Swiss den Ton angibt, und dort die hoch bezahlten und international erfahrenen Swissair-Crews.

Swiss-Führung wehrt sich gegen Diskriminierung

"Bei einer MD-11 oder einem Airbus steige ich ein, bei den anderen Swiss-Maschinen nicht - dort sitzen Crossair-Piloten am Steuerknüppel", zitiert das Schweizer Nachrichtenmagazin "Facts" einen Fluglehrer einer Linienpilotenschule. Natürlich wehren sich die ehemaligen Crossair-Piloten und die Swiss-Führung gegen eine solche Diskriminierung. Die Ausbildungsstandards seien für Piloten der Crossair oder Swissair gleich, heißt es aus der Konzernzentrale in Basel. Insgesamt sind bei Swiss etwa 1 050 Ex-Crossair- und 850 frühere Swissair-Piloten beschäftigt. Auch die technischen Voraussetzungen und Wartungsmaßnahmen seien untadelig.

Dennoch sprechen die Zahlen eine andere Sprache. 240 Flugausfälle in einem Monat musste Swiss-Sprecher Manfred Winkler einräumen, die meisten wegen technischer Probleme. Die Pannen habe es vor allem bei den Maschinen der ehemaligen Crossair-Flotte gegeben, die auf Regionalstrecken eingesetzt würden. Ein Muster sei bei den Mängeln nicht erkennbar. Hinzu kommt ein monatelanger Streit zwischen Swiss und dem Verband Swiss Pilots. Für Unmut sorgen unterschiedliche Ferien, Lohn und Bonuszahlungen für die Piloten.

Edellounge für Vielflieger steht meist leer

Da nutzt es Dosé nicht viel, wenn er darauf verweist, dass die Sitzauslastung in Europa mit mehr als 60 Prozent unerwartet gut ist. Dies sei zwar immer noch rund acht Prozentpunkte weniger als bei Teilen der Konkurrenz, es hebe den Swiss-Ertrag aber über die Planungen. Swiss leidet neben den Begehrlichkeiten von Swissair- Gläubigern, der terrorbedingten allgemeinen schweren Luftfahrt-Flaute sowie dem Druck der Billiganbieter auch unter dem hohen Frankenkurs. Bei Angeboten großer Reiseveranstalter kann Swiss heute mit Angeboten der EU-Konkurrenz kaum mithalten.

Hohe Kosten verursacht noch ein weiteres Überbleibsel aus Crossair-Zeiten: Der Euro-Airport Basel sollte nach dem Willen des ehemaligen Crossair-Chefs Moritz Suter der größte Umsteigebahnhof des europäischen Regionalflugverkehrs werden, wie die "Basler Zeitung" berichtete. Nun steht die allein 20 Mill. Franken (fast 14 Mill. Euro) teure, mit feinsten Hölzern und Designermöbeln errichtete Edellounge für Vielflieger meist leer. Die Bar ist schon geschlossen.

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