Flugpassagiere sollen gegen Entführer kämpfen
Einsatz am Himmel: "Fight to kill"

Falls sein Flugzeug entführt werde, sei es seine "patriotische Pflicht, zu handeln und den Tätern in den Hintern zu treten", warnt der Kalifornier Don Detrich mögliche Entführer. Der 50-jährige Geschäftsmann aus Sacramento hat nicht nur Drohungen, sondern gleich ein ganzes Aktions-Programm parat, wie sich Passagiere im Ernstfall verhalten sollen.

dpa SAN FRANCISCO. Der Gründer von "Flight Watch America" fordert Flugreisende dazu auf, Entführungen zu vereiteln und die Täter anzugreifen - notfalls mit Kugelschreibern und Aktentaschen.

Sein Ziel ist es, eine ganze "Armee" von Vielfliegern auszubilden, die Piloten und Flugbegleitern in Notsituationen zur Seite stehen und Katastrophen, wie die vier Todesflüge vom 11. September, verhindern können. 30 Vielflieger, zumeist Geschäftsleute, haben sich bereits für die ersten Seminare im Februar und März angemeldet. In einer ausrangierten Boing 747 in einem Flugzeugmuseum bei San Francisco sollen sie praktische Handgriffe üben, wie etwa das Öffnen der Notausstiege. Sicherheitsexperten werden über mögliche Bedrohungen und das richtige Verhalten in Gefahrensituationen informieren.

Kugelschreiber, Aktenkoffer, Getränkewagen und Tabletts können als Waffen oder Schutzschild dienen, empfiehlt Detrich. Sofortiger und massiver Widerstand sei entscheidend. Kämpfe, um zu töten, so die Devise. Dabei betont der Kalifornier immer wieder, dass die Passagiere zunächst den Anweisungen der Flugbegleiter und Piloten folgen sollen. Mit einem Kurs-Zertifikat sollen sich die Reisenden ausweisen und die Crew im Ernstfall unterstützen.

Detrich ist selbst kein Sicherheitsexperte, sondern ein vielfliegender Geschäftsmann, der auf einem Flug von San Francisco nach Florida mit seinem Sitz-Nachbarn über Techniken zur Gegenwehr diskutierte. Er würde sich wehren und notfalls töten, meint Detrich entschlossen. Er wolle "Helden" wie die Passagiere von Flug 93 ausbilden.

Sie hatten die Entführer ihrer Maschine am 11. September offenbar überwältigt, die Boing 757 vom Todes-Kurs auf Washington abgelenkt und auf einem Kornfeld bei Pittsburgh zum Absturz gebracht. Alle 45 Menschen an Bord kamen ums Leben, aber die Pläne der Terroristen, ein ausgewähltes Ziel zu treffen, wurden vereitelt.

Bei Dawn Deeks, Mitarbeiterin des Flugbegleiter-Verbandes, findet der Plan wenig Anklang. Dem "San Francisco Chronicle" zufolge hält sie den Vorschlag, Passagiere auszubilden, für riskant. Stattdessen fordert sie Kurse für die Crew, die nach dem 11. September noch keine speziellen Anweisungen für Terror-Situationen erhalten hätten.

Die Flugbehörde in Washington hat sich noch nicht konkret zu dem Plan geäußert, doch Detrich setzt auf eine enge Zusammenarbeit und auf neue Gesetze, die den kampfbereiten Fluggästen den Rücken stärken. So müsse gewährleistet sein, dass sie im Falle einer Verletzung oder Tötung nicht strafrechtlich verfolgt werden, fordert Detrich. Außerdem hält er eine Belohnung für mutige Passagiere nach vollbrachter Tat in Höhe von 50 000 $ für angemessen. Für Detrich beginnen möglicherweise lukrative Zeiten, falls das Geschäft mit der Terrorangst weiter anhält.

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