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Flugzeug-Kollision: Gegenseitige Schuldzuweisungen

China und die USA haben sich am Montag gegenseitig die Schuld an der Kollision zwischen einem chinesischen Kampfjet und einem amerikanischen Aufklärungsflugzeug über dem Südchinesischen Meer gegeben.

dpa PEKING. Der Jet stürzte nach dem Zusammenstoß ins Meer. Sein Pilot wurde am Montag noch vermisst. Die US-Maschine musste mit 24 Besatzungsmitgliedern auf der Insel Hainan notlanden. Washington befürchtet nun, dass das mit geheimer Elektronik voll gestopfte Spionageflugzeug von den Chinesen beschlagnahmt werden könnte.

Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums warf der Besatzung vor, den chinesischen Luftraum verletzt zu haben. Die US-Maschine flog nach Darstellung amtlicher chinesischer Medien in das Kampfflugzeug hinein und beschädigte es. Das US-Pazifik-Kommando in Honolulu auf Hawaii betonte dagegen, die Maschine habe sich im internationalen Luftraum befunden. Der schnellere und wendigere Jet habe die Propellermaschine des Typs EP-3 gerammt. Deren Pilot habe dann einen Notruf gesendet und sei auf der Insel Hainan rund 650 Kilometer südwestlich von Hongkong gelandet.

Nach einem Bericht der Internetzeitung ETtoday auf Taiwan hatten zwei chinesische Kampfflugzeuge versucht, das US-Flugzeug abzufangen. Als der US-Pilot nicht reagierte, hätten sie die EP-3 zwischen sich genommen, um es zur Landung zu zwingen. Dabei sei es zu der Kollision gekommen. ETtoday berief sich auf die vom taiwanesischen Verteidigungsministerium abgehörte Unterhaltung zwischen den Besatzungen der Jets und des US-Spionageflugzeug.

Admiral Dennis Blair vom Pazifikkommando unterstützte diese Version. Er warf den Chinesen vor, in der Luft "Autoskooter" gespielt zu haben. Dass chinesische Jets amerikanische Maschinen beschatteten und begleiteten, sei "Routine".

Die US-Botschaft in Peking entsandte am Montag ein Team von Diplomaten und Militärs nach Hainan, um die Situation zu klären. Eine Kontaktaufnahme mit der Besatzung sei aber noch nicht möglich gewesen, sagte US- Botschafter Joseph Prüher in Peking. Das sei "unerklärlich und unannehmbar". Alle 24 Besatzungsmitglieder waren unverletzt geblieben. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington warnte die Chinesen davor, den Aufklärer zu besetzen oder zu beschlagnahmen. Er sei "souveräner US-Besitz."

In Washington bezeichneten Senatoren beider großen amerikanischen Parteien die Haltung Pekings in diesem Fall als Test für die weiteren Beziehungen. "Es ist eine Sache, die das Verhältnis für viele Jahre beeinträchtigen kann", sagte der Republikaner Chuck Hagel. Das Weiße Haus gab zunächst keine Stellungnahme ab. Präsident George W. Bush wurde während eines Wochenendaufenthaltes auf dem Landsitz Camp David über den Vorfall unterrichtet.

Geplante US-Waffenlieferungen an Taiwan und die Inhaftierung von drei ausländischen Akademikern chinesischer Herkunft in China haben bereits für Konfliktstoff in den Beziehungen gesorgt. Einer der Akademiker ist US-Bürger, ein anderer ein Einwohner Hongkongs. Die Spannungen begannen mit der Festnahme der in Washington lehrenden Akademikerin Gao Zhan unter Spiongevorwurf am 11. Februar.

Die US-Regierung will in den kommenden zwei Wochen darüber entscheiden, ob sie Taiwans Wunsch nach modernen Waffen erfüllen wird. Es geht um Zerstörer der Arleigh Burke-Klasse, die mit dem modernen Aegis-Radar ausgerüstet sind, um das PAC-3- Raketenabwehrsystem und U-Boote mit Dieselantrieb. Die Lieferung wird von der Volksrepublik China entschieden abgelehnt und als "Militarisierung" der Taiwan-Frage gesehen. Die Insel gilt in Peking als abtrünniges Territorium.

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