Flugzeugbau
Kommentar: Airbus spielt mit hohem Risiko

Wer als Flugzeugbauer mitten in der schwersten Luftfahrtkrise seit dem Zweiten Weltkrieg einen Auftrag über 240 Jets an Land zieht, hat zunächst einmal gewonnen. And the winner is: Airbus. Easyjet ist die erste Billigfluglinie, die mitten in ihrer Expansionsphase den Flugzeugbauer wechselt und von Boeing auf Airbus umsteigt.

Ein riskanter Deal, denn bisher gelten Einheitsflotten als eines der wichtigsten Erfolgsrezepte der Aldi-Flieger, die für ihre Preisattacken am Himmel einen radikal einfachen Flugbetrieb benötigen.

Satte 30 % Rabatt auf den Listenpreis haben Easyjet den Seitensprung schmackhaft gemacht, heißt es. Die Branche munkelt, Airbus werde darüber hinaus nahezu die gesamten Einführungskosten übernehmen, die durch den Einsatz des neuen Modells A 319 entstehen. Der Fachmann staunt, und Boeing wundert sich. "Damit kann Airbus kein Geld verdienen", ist man beim US-Hersteller überzeugt. Der wähnte sich bis zur Verkündung des Deals als Favorit, zumal seine Boeing 737 den Wettbewerb im Billigflugmarkt bisher beherrscht. Jetzt aber hat Airbus auch in diesem wachsenden Marktsegment den Fuß in der Tür.

Dass Airbus im zivilen Flugzeugbau rentabler arbeitet als der US-Riese Boeing, ist längst kein Geheimnis mehr. Doch mit der moderneren Produktion allein ist dieser Überraschungs-Deal nicht zu erklären. Die Europäer zahlen vielmehr einen teuren strategischen Preis, um Boeing im Billigflugsegment zu attackieren. Ob sich das Pokerspiel rechnet, kann erst die Zukunft zeigen. Branchenexperten befürchten nach dieser Vorlage ungesunde Preiskämpfe, wenn künftig Lufthansa, Air France oder andere Größen ihre Jets bestellen. Auch die Börse hält nicht viel vom riskanten Überholmanöver: Airbus-Aktien sackten nach Bekanntgabe des Deals um sieben Prozent in die Tiefe.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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