Flugzeuge stillgelegt - Flüge gestrichen
Streichkonzert bei der Lufthansa

Die Lufthansa reagiert mit Stilllegung von weiteren Flugzeugen und Arbeitszeitverkürzung auf die anhaltende Nachfrageschwäche in Folge des Irakkrieges sowie der Lungenkrankheit SARS. Im Passagiergeschäft erwartet die Fluggesellschaft im April einen deutlichen Umsatzrückgang.

Reuters FRANKFURT. Im Kontinentalverkehr würden weitere 15 Flugzeuge stillgelegt, teilte die Fluggesellschaft am Dienstag in Frankfurt mit. Insgesamt würden die Lufthansa und ihre Regionalpartner nun 70 von insgesamt 420 Flugzeugen außer Dienst stellen. Außerdem würde die Wochenarbeitszeit für das Bodenpersonal in Deutschland auf 35 Stunden bei entsprechender Reduzierung der Vergütung zurückgefahren, hieß es weiter. "Auch diese Maßnahmen sind nicht ausreichend", erklärte Vorstandschef Jürgen Weber. Es müsse an Lösungen gearbeitet werden, um langfristig die Kosten senken zu können. Der Vorstand rechne für April 2003 im Passagiergeschäft mit einem Umsatzrückgang von rund 20 %. Analysten erklärten in einer ersten Einschätzung, die Lage sehe ernst aus. Aber immerhin gehe die Lufthansa das Problem aktiv an.

Die Lufthansa-Aktien gab in Reaktion auf die Nachricht große Teile ihrer Kursgewinne ab und notierte am frühen Abend noch 0,45 % im Plus bei 9,00 ?. In der Spitze waren die Papiere am Dienstag mit 9,45 ? gehandelt worden.

Schwerste Krise der Lufthansa

"Es ist die schwerste Krise für die Lufthansa überhaupt", sagte ein Lufthansa-Sprecherin. Die Probleme seien durch die schlechte Konjunktur, die Auswirkungen des Irakkrieges sowie die Verunsicherung der Asienreisenden wegen der dort grassierenden lebensbedrohlichen Lungenkrankheit SARS hervorgerufen worden. So sei die Nachfrage auf einigen Asien-Strecken dramatisch um bis zu 85 % eingebrochen. Daher werde zum Beispiel auf der Strecke nach Hongkong das Angebot auf drei von bislang 13 wöchentlichen Flügen verringert. Die Lungenkrankheit SARS, an der bereits zahlreiche Menschen starben, war zunächst in Südchina aufgetreten. Vor dort aus hatte sich die Krankheit in mehrere asiatische Länder und über Flugreisende inzwischen auch weltweit ausgebreitet. Asien gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Lufthansa.

Weitere Maßnahmen möglich

Aus Sicht des Unternehmen müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. "Wir müssen weitere Maßnahmen einleiten, oberstes Ziel bleibt es aber, die Mitarbeiter an Bord zu halten", sagte die Sprecherin. Das Unternehmen hatte bereits früher angekündigt, es werde alles tun, um ohne Entlassung aus der Krise zu kommen. Mit Blick auf die Verhandlungen der Lufthansa mit den Piloten über einen Beitrag zur Kostensenkung sagte die Lufthansa-Sprecherin:"Die Gespräche haben noch keine Ergebnisse gebracht".

"Gemessen an dem, was sie sagen scheinen die Dinge wirklich unglaublich schlecht zu sein", sagte Rebecca Langley, Analystin bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Aber sie reagieren sehr schnell", fügte sie hinzu.

Die internationale Luftfahrt leidet seit Monaten unter schwacher Nachfrage. Bereits Anfang April hatte die Lufthansa mitgeteilt, sie habe wegen des Nachfrageeinbruchs im ersten Quartal einen unerwartet hohen Verlust verbucht. Zur Höhe äußerte sich die Fluggesellschaft bislang nicht. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass sich der Fehlbetrag auf 300 bis 350 Mill. ? belaufen wird. Die Lufthansa will ihre Zahlen für das erste Quartal Mitte Mai vorlegen.

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