Flugzeugentführung endet unblutig
Luftpirat gibt in Athen auf

Die Entführung eines türkischen Passagierflugzeugs mit 194 Passagieren an Bord ist in der Nacht zum Samstag auf dem Flughafen von Athen glimpflich zu Ende gegangen. Ein als psychisch gestört beschriebener Türke hatte den Airbus A310 auf einem Inlandsflug von Istanbul nach Ankara in seine Gewalt gebracht und den Piloten zur Kursänderung gezwungen.

HB/dpa ISTANBUL/ATHEN. Angeblich wollte der 20- Jährige zu seinem in Deutschland arbeitenden Vater nach Berlin. Drei Stunden nach der Landung in Athen, wo die Maschine für den Weiterflug aufgetankt werden sollte, ließ der Luftpirat die Passagiere frei.

Der Entführer, der dem Piloten eine Rasierklinge an den Hals gedrückt und damit gedroht haben soll, das Flugzeug in die Luft zu sprengen, wurde wenig später von der griechischen Polizei festgenommen. Dabei soll er keinen Widerstand geleistet haben. Das, was der 20-Jährige dem Piloten als Plastik-Sprengstoff präsentierte, war nach türkischen und griechischen Medienberichten Kerzenwachs.

Die türkische Zeitung "Hürriyet" sprach am Samstag von einer "unglaublichen Nachlässigkeit", weil die Tür zum Cockpit gegen die Vorschriften nicht verschlossen gewesen sei. Die Türkei hat nach Angaben von Verkehrsminister Binali Yildirim die Auslieferung des Luftpiraten beantragt.

Der Pilot der Maschine mit insgesamt 203 Insassen hatte etwa 20 Minuten nach dem Start über dem Luftraum der westtürkischen Stadt Eskisehir das Signal "Entführung" abgesetzt. Nach Erreichen des griechischen Luftraums stiegen zwei Kampfflugzeuge auf und begleiteten die türkische Maschine zum Athener Flughafen. Das Flugzeug wurde auf eine abgelegene Landebahn geleitet und sofort von Sicherheitskräften umstellt.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach Medienberichten über das Handy eines türkischen Abgeordneten an Bord mit dem Entführer verhandelt und ihn zur Freilassung der Passagiere bewegt. In dem Gespräch, das vom griechischen Fernsehen gesendet wurde, antwortete der 20-Jährige auf das Hilfsangebot griechischer Fluglotsen: "Nein. Wir führen Verhandlungen. Die Verhandlungen führt unser Ministerpräsident. Stören Sie uns nicht."

An Bord des Flugzeuges sei zu keiner Zeit Panik ausgebrochen, berichteten zahlreiche Passagiere, die sich über Handys mit ihren Angehörigen und türkischen und griechischen Fernsehsendern unterhielten. Sie hätten sich frei bewegen können. Zeitweilig war im Hintergrund der Gespräche sogar gelöstes Lachen zu hören. "Den Luftpiraten hat so gut wie keiner zu sehen bekommen", sagte einer der Fluggäste am Samstag bei der Ankunft der Passagiere am ursprünglichen Zielort Ankara. "Alles hat sich im Cockpit abgespielt."

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