Flugzeughersteller will zuvor neues schnelles Flugzeug mittlerer Größe entwickeln
Boeing nimmt zunächst Abstand von Bau des Super-Jumbos

Schwere Schlappe für Boeing: Keine Airline weltweit will das aus der B 747 weiter entwickelte Großraumflugzeug kaufen. Jetzt überlassen die Amerikaner dem Airbus A 380 aus Europa das Feld.

hus/mwb/ek NEW YORK/MÜNCHEN. Im Wettlauf um die nächste Generation von Großraumflugzeugen hat der geplante europäische Airbus die Nase vorn. Während für den neuen Großraumflieger A 380 bereits 66 Bestellungen vorliegen, hat es Konkurrent Boeing nicht geschafft, auch nur einen Kaufauftrag für seine ´B 747 X zu erhalten. Der neue Typ wäre eine Verlängerung und Modernisierung des seit fast drei Jahrzehnten eingesetzten "Jumbo"-Erfolgsmodells. Der weltgrößte Hersteller von Zivilflugzeugen in Seattle teilte gestern Abend mit, dass die Pläne für die 747 X erst einmal auf Eis gelegt würden.

Statt dessen konzentriert sich der amerikanische Luftfahrtkonzern auf die Entwicklung kleinerer Flugzeug-Typen. Vergangene Woche hatte sich der Boeing-Vorsitzende Phil Condit begeistert über die Möglichkeiten mittelgroßer Zivil-Flugzeuge geäußert, die eine Höchstgeschwindigkeit von 750 Meilen pro Stunde erreichen und damit 95 % der Schallgeschwindigkeit fliegen. Mit Ausnahme des Überschall-Flugzeugs Concorde erreichen Zivilflugzeuge derzeit nur etwa 80 bis 85% der Schallgeschwindigkeit.

Das Boeing-Management glaubt seit langem, dass die Nachfrage für Flugzeuge in einer Größe mit etwa 250 Sitzen künftig den Markt dominieren wird. Die Amerikaner erwarten einen weltweiten Bedarf für Großraumjets lediglich von etwa 500 Stück. Bei Airbus hält man den Markt für etwa doppelt so groß.

Das Modell 747 X sollte früher am Markt sein als der Konkurrent

Das von Boeing geplante Modell 747 X hätte längere Strecken fliegen können als die bisherigen Jumbos und mit 520 Sitzen die Zahl der Plätze um etwa 100 vergrößert. Als Kosten der Weiterentwicklung hatte der Konzern 4 Mrd. $ veranschlagt. Das neue Flugzeug sollte für etwa 200 Mill. $ verkauft werden. Es hätte im Jahr 2005 auf den Markt kommen sollen, ein Jahr früher als das Konkurrenz-Modell von Airbus. Das Airbus-Konsortium hat für die A 380 mit 555 Sitzen einen Preis von 230 Mill. $ genannt und will für die Entwicklung des bisher größten Passagierflugzeugs 10,7 Mrd. $ ausgeben. Angeblich hat das europäische Konsortium aber bereits kräftige Rabatte gewährt und damit die Preise des US-Konkurrenten kräftig unterboten.

Der Boeing-Konzern hatte sich vor allem bei seinem Stammkunden Japan Airlines um den Verkauf des neuen 747 X bemüht, hat aber bisher keinen Erfolg gehabt. Der Chef-Stratege von Japan Airlines, Masaru Onishi, hatte kürzlich erklärt, sein Unternehmen brauche derzeit noch keine Super-Jumbos. Er könne sich aber vorstellen, dass sie angesichts der Engpässe auf den Flughäfen ein guter Weg seien, um mit wenig Maschinen viele Passagiere auf den Weg zu bringen.

Boeing hatte sich ursprünglich eine Frist bis August gesetzt, um das erweiterte Jumbo-Modell rechtzeitig liefern zu können. Der Konzern aus Seattle stand bis jetzt zu seiner Entscheidung, seine Maschinen zu Gewinn bringenden Preisen zu verkaufen und sich nicht auf etwaige Dumping-Preisrunden einzulassen.

Nun wird in Seattle die Entwicklung eines einflügligen Flugzeugs mit dem so genannten "delta wing" diskutiert. Es soll etwa 250 Passagiere transportieren und dank seiner höheren Geschwindigkeit den Transatlantikflug um etwa 90 Minuten verkürzen. Die Amerikaner wollen mit dem kleineren Gerät den Wünschen der Flugreisenden nach zusätzlichen Direktverbindungen vorbei an den großen Umsteige-Flughäfen entsprechen. In der mittleren Flugzeug-Klasse hat Boeing im vergangenen Jahr mit 117 Stück seine B 777 besonders gut verkauft - ein 300 sitziges Flugzeug, das 10 200 Meilen nonstop fliegen kann.

Beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, zu dem auch Airbus gehört, wollte man sich zu dem Rückzug von Boeing aus der Super-Jumbo-Klasse nicht äußern.

Bereits bei früheren Anlässen hatte das Management des europäischen Flugzeugbauers aber immer wieder seine Überzeugung ausgedrückt, dass der Markt für Großraumflugzeuge ein völlig neu konzipiertes Modell wie die A 380 und nicht ein technische Weiterentwicklung wie die B 747 X fordere.

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