Flugzeugkäufe sollen verschoben werden
Luftfahrtkrise könnte ein Jahr andauern

Die internationale Luftfahrtbranche erwartet nach den Terroranschlägen in den USA für das Jahr 2001 Einbußen von bis zu 12 Mrd. $ (13 Mrd. Euro).

HB/ebe DÜSSELDORF. Wie der Verband International Air Transport Association (IATA) gestern in Hongkong mitteilte, belaufen sich allein die Verluste im internationalen Geschäft auf voraussichtlich 7 Mrd. $. Werden auch die Einbußen auf dem US-Inlandsmarkt berücksichtigt, müssten weitere 3 bis 5 Mrd. $ hinzugerechnet werden. Zusätzliche Einbußen durch die seit dem Wochenende laufenden Luftangriffe in Afghanistan schloss die Organisation nicht aus. Sie seien aber in ihrer Höhe noch nicht zu beziffern.

Bereits vor den Anschlägen vom 11. September hatte der Luftfahrtverband angesichts des Konjunktureinbruchs mit Einbußen von 2,5 Mrd. $ in diesem Jahr gerechnet, wie IATA-Generaldirektor Pierre Jeanniot vor Journalisten betonte. Ein Szenario der Organisation gehe nun von durchschnittlichen Verkehrs- und Kapazitätseinschnitten im internationalen Luftverkehr von 15 % in den Monaten September bis Dezember 2001 aus. Dies werde aufs Jahr umgerechnet mit einem Minus von 5 % zu Buche schlagen.

Ähnliche Probleme zu Beginn des Golfkrieges

Jeanniot sagte voraus, dass die Luftfahrtbranche mindestens ein Jahr brauchen werde, um sich von der durch die Anschläge in den USA verursachten Krise zu erholen. Es sei aber noch zu früh einzuschätzen, inwieweit diese durch die laufenden US-Vergeltungsangriffe in Afghanistan nochmals verschärft werde. Der IATA-Präsident erinnerte daran, dass der Luftverkehr zum Beginn des Golfkrieges 1991 anfangs zwischen 30 % und 35 % eingebrochen sei. In den folgenden Monaten habe sich das Minus dann bei 15 % eingependelt.

Anzeichen für die sich verschärfende Krise lieferte am Dienstag der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Der Co-Vorstandsvorsitzende Rainer Hertrich sagte vor Journalisten in Paris, derzeit verhandele man mit einer Reihe von Fluggesellschaften über eine Verschiebung von Airbus-Flugzeuglieferungen. An Airbus hält EADS einen Anteil von 80 %, die restlichen 20 % liegen beim britischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern BAE Systems. "Es gibt einige Fluggesellschaften, die die Auslieferungen gerne um sechs bis zwölf Monate verschieben wollen und wir sprechen mit ihnen derzeit", erklärte Hertrich. Weltweit haben fast alle Airlines seit den Terroranschlägen wegen ausbleibender Kundschaft ihre Kapazitäten gekürzt und Flugzeuge vorübergehend stillgelegt.

Forderung nach Unterstützung bekräftigt

Die IATA, in der weltweit 275 Fluggesellschaften zusammengeschlossen sind, bekräftigte ihre Forderungen zur Unterstützung in Bedrängnis geratener Airlines. Dabei verwies Jeanniot unter anderem auf eine Lockerung der nationalen Bestimmungen zu Beteiligungsverhältnissen und die Erleichterung von Fusionen zwischen Gesellschaften. Zudem verlangte der IATA-Präsident eine Verlängerung staatlicher Absicherungsprogramme. Nach den Terroranschlägen hatten die Versicherungen den Airlines weltweit die Policen gegen Drittschäden bei Terror und Krieg gekündigt. EU-weit wird derzeit über eine Verlängerung der Staatshaftung auf ein halbes Jahr verhandelt. Vorerst übernehmen die EU-Regierungen die Risiken bis zum 25. Oktober.

In Europa, wo die Pleite der Swissair Group derzeit alles überschattet, rechnet die Airline-Branche mit einem Anstieg der Verluste bis Dezember auf 3,7 Mrd. Euro. Bei Swissair ging der Überlebenskampf am Dienstag hektisch weiter. Swissair verfüge momentan noch über Liquidität, um den Flugbetrieb weiter durchzuführen, betonte ein Sprecher. Am Montag hatte die Swissair jedoch bereits gut 70 % des Bundeskredits in Höhe von 450 Mill. sfr (303 Mill. Euro) beansprucht.

Bei der belgischen Sabena zeichnet sich unterdessen eine Lösung ähnlich des Schweizer Crossair-Modells ab. Die regionale Billigfluglinie DAT könnte aus der Sabena-Gruppe herausgelöst werden, um rentable innereuropäische Flüge anzubieten. Für die übrigen Teile der Sabena-Gruppe solle Gläubigerschutz angefragt werden, der in den Konkurs münden dürfte, schrieb die gewöhnlich gut informierte belgische Zeitung "De Standaard".

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