Flut schlechter Quartalsergebnisse belastet die Branche
Anleger strafen Filmfirmen ab

Peter Völkel verstand die Welt nicht mehr. Da legte der Chef des Münchener Kinderfilmproduzenten TV Loonland AG am vergangenen Donnerstag glänzende Zahlen vor. Doch die Börse quittierte das Ergebnis zeitweise mit einem Abschlag von 5 % für die Aktie. Selbst Analysten konnten sich nicht recht erklären, warum die Anleger ein Gewinnplus von fast 100 % derart massiv bestraften.

HB MÜNCHEN. Egal, ob gut oder schlecht, Filmfirmen haben momentan einen schweren Stand an der Börse. Eine Flut miserabler Quartalszahlen hat die Anleger schockiert. Mit der Insolvenz der Kinowelt Medien AG am vergangenen Freitag hat die negative Entwicklung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Auch die bislang als vergleichsweise solide geltende Senator Film AG musste zum Wochenschluss ihre Prognosen für das laufende Jahr nach unten korrigieren und erwartet jetzt unterm Strich für 2001 rote Zahlen. Cinemedia, Advanced Medien und sogar die renommierte Constantin Film hatten zuvor schon für Enttäuschung unter den Aktionären gesorgt.

"Eine grundsätzlich verständliche Skepsis gegenüber Medienunternehmen" stellt deshalb Thomas Grillenberger von der Bayerischen Landesbank fest. Die Zahlen sprechen für sich: Der 38 Werte umfassende Medien-Index des Neuen Marktes ist seit Jahresbeginn von knapp 36 auf momentan rund 12 Punkte gefallen.

TV Loonland verspricht eine deutliche Steigerung des Gewinns

Doch TV Loonland zeigt: Es gibt noch Stars in der deutschen Filmwirtschaft. "Wenige Wettbewerber sind international so breit aufgestellt wie wir", ist Loonland-Chef Völkle vom weiteren Erfolg seines Unternehmens überzeugt. Für das kommende Jahr verspricht er deshalb, den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) kräftig von 23 auf 39 Mill. Euro zu steigern. Der Jahresüberschuss soll von 13 auf 23 Mill. Euro klettern.

Ein weiterer Grund für den Optimismus: In den vergangenen Jahren hätten viele Konkurrenten "den Markt verstopft". Jetzt gehe zahlreichen dieser Firmen das Geld aus. Völkle sieht deshalb für das Trickfilmhaus "sehr gute Marktchancen".

Tatsächlich sind mit der RTV AG und der EM.TV & Merchandising AG zwei der großen Wettbewerber von Loonland in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. So meldete EM.TV am Freitag einen Verlust von 250 Mill. DM für den Zeitraum von Januar bis September bei einem Umsatz von 1,24 Mrd. DM. Immerhin sind die Unterföhringer auf dem Weg der Besserung: Im dritten Quartal lief nur noch ein Minus von rund 10 Mill. DM auf.

Viele Firmen kämpfen ums nackte Überleben

Auch außerhalb der Kinderfilm-Sparte kämpfen viele Firmen ums nackte Überleben. So häufte der Filmrechte-Händler Advanced Medien AG von Januar bis September mit 10,3 Mill. Euro einen Verlust auf, der nur um rund 2 Mill. Euro unter dem Umsatz lag.

Mit der In AG-Motion und der Internationalmedia AG hält der Münchener Analyst Grillenberger aber zumindest zwei der am Neuen Markt notierten deutschen Filmproduzenten für gut gerüstet, im Wettbewerb mit den internationalen Wettbewerbern bestehen zu können. Hypo-Vereinsbank-Analyst Peter Thilo Hasler sieht neben TV Loonland vor allem die Constantin Film von Star-Produzent Bernd Eichinger als eines der soliden Medien-Unternehmen. Für den großen Rest der börsennotierten Filmfirmen erkennt der Medien-Experte aber keine großen Wachstumschancen.

Eines der verlässlichsten und profitabelsten Unternehmen der deutschen Filmwirtschaft tritt nur selten ins Licht der Öffentlichkeit, weil die Bayern gar nicht auf dem Parkett sind: Mit einer halben Milliarde DM Umsatz ist die Bavaria Film GmbH einer der wichtigsten Wettbewerber auf dem Markt. Bei durchweg schwarzen Zahlen während der vergangenen Jahre beglücken die Münchener allerdings keine privaten Aktionäre, sondern unter anderem die Anteilseigner Westdeutscher Rundfunk und Südwestrundfunk.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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