Flutfotos und Dankes-CDs
Hochwasser-Städte suchen Bagger im Web

In fast allen Orten entlang der Hochwasserregion haben sich die virtuellen Aushängeschild der Städte in ein elektronisches Anschlagbrett für Hilfesuchende verwandelt.

dpa/HB Leipzig. "Alle Bürger, die Hilfe zur Sicherung der Häuser benötigen, erhalten Kanthölzer und Stützen auf dem Marktplatz." Der Satz wie aus Nachkriegstagen steht auf der Internet-Seite der Gemeinde Grimma. Wo sich sonst die "Perle des Muldentales vorstellt und um Touristen wirbt", warnt die Stadt jetzt vor dem Verzehr von überflutetem Obst und Gemüse, stellt Formulare für Hilfszahlungen zum Herunterladen bereit oder informiert über den Anwalts-Notdienst.

Wo die Flut schon war, fehlt auch nie eine Kontonummer für Spenden. Dippoldiswalde, einer der am frühesten überfluteten Orte, bedankt sich für Spenden ab 9,50 Euro mit einer CD, die im September fertig sein soll und die Jahrhundertflut dokumentieren wird. Schon jetzt zeigen die Internet-Seiten zwischen tharandt.de und wittenberg.de zahllose Katastrophen-Bilder. Fotos von Straßenresten und weggespülten Brücken wie bei baerenfels.de lassen das flächendeckende Ausmaß der Zerstörung auch abseits der aus dem Fernsehen bekannten Orte ahnen.

Wo der Kampf um Deiche und Dämme noch lief, fanden freiwillige Helfer die Adressen von Sammelpunkten oder Informationen, was gerade gebraucht wird - ob Minibagger mit Besatzung oder Arbeitshandschuhe. dessau.de riet von weiteren Sachspenden ab, da der erste Bedarf gedeckt sei. Links zu Pegelständen und aktuellen Medienberichten ergänzen die Angebote.

Wo die Flut noch bevorstand, informierten Verwaltungen über Evakuierungspläne und Deichverstärkungen, stellten Flugblätter zu aktuellen Gerüchten ein und versuchten Risiken abzuschätzen. Bei lueneburg.de hieß es zum Beispiel: "Sollten elbaufwärts weitere Elbdämme auf Grund von Durchweichungen oder anderer Ursachen brechen, vermindert sich die Höhe der Flutwelle in unserem Bereich." Nicht überall reichen die Kräfte für aktuelle Informationen im Netz. torgau.de präsentierte sich völlig hochwasserfrei, und bei woerlitz-information.de wirbt die Stadt unter der Rubrik "Aktuelles" für Konzerte auf dem Wörlitzer See, inklusive des nun ungewollt bitter klingenden Angebots von Gondelfahrten über Kanäle und Seen.

Die Kommunikation ist aber meistens eine Einbahnstraße und ein Gästebuch wie bei bitterfeld.de die Ausnahme. Dort bot sich etwa ein arbeitslos gewordener Lkw-Fahrer als Helfer an, und zwischen den vielen anderen Spendern schreibt ein Hesse: "Respekt! Wir kommen helfen, wenn das Wasser weg ist und es dann ums richtige Aufräumen geht."

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