Flutkatastrophen erhöhen die Schadensbilanz der Versicherer
Hausbesitzer müssen höhere Versicherungsprämien zahlen

Nach der verheerenden Flutkatastrophe in diesem Sommer drohen Versicherten Preiserhöhungen für ihre Elementarschadenpolicen. Diese Ergänzung zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung deckt zum Beispiel Flutschäden ab.

ali/brb DÜSSELDORF/STUTTGART. Die SV Versicherungen, Stuttgart, kündigten eine Prämienerhöhung für ihre Gebäudeversicherung um acht Prozent zum 1. Januar 2003 an. "Mehr als 50 000 Gebäude in Baden-Württemberg sind in diesem Jahr von Sturm, Hagel und Hochwasser beschädigt worden", begründete Reinhard Schäfer, stellvertretender Vorstandschef der Versicherung, diesen Schritt. Bis August hätten sich die Schäden bereits auf 160 Mill. Euro summiert.

Laut Schäfer ist die SV-Versicherung die einzige Gesellschaft in Deutschland, die in ihren Gebäudeversicherungspolicen immer auch die Elementarschäden mit einschließt und diesen Schutz nicht getrennt anbietet. Noch fährt diese Gesellschaft mit dieser Kombination wegen ihrem großen Marktanteil gut und sieht darin einen Wettbewerbsvorteil. Die SV Gebäudeversicherung hat Anfang der 90er Jahre den Monopolversicherer in Baden-Württemberg übernommen und kommt deshalb dort mit 1,7 Millionen Verträgen auf knapp 80 Prozent Marktanteil. Durch die große Zahl der Versicherten beträgt die jetzt geplante Erhöhung im Schnitt pro Einfamilienhaus aber nur acht Euro. Es ist die erste Prämienerhöhung seit sechs Jahren.

In Ostdeutschland hat die Sparkassen-Versicherung Sachsen bereits zum 15. September für Neuverträge von Elementarschadenpolicen die Prämien um zehn Prozent angehoben. Versicherungschef Gerhard Müller begründet dies mit den um 500 Prozent gestiegenen Prämien für den eigenen Rückversicherungsschutz. "Nach der Flutkatastrophe mussten wir diesen Schutz neu einkaufen", sagt Müller. Ob auch die Prämien für bestehende Verträge erhöht werden, sei noch nicht entschieden. Der ostdeutsche öffentliche Versicherer muss selbst 50 Mill. Euro Flutschäden bezahlen.

Bei der öffentlichen Versicherung Provinzial Rheinland werden die Schäden noch ausgewertet. Danach werde entscheiden, ob die Elementarpolicen teurer werden, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Wann die Prüfung abgeschlossen sein wird, ließ er offen.

"Wir werden definitiv bis Mitte nächsten Jahres keine Preiserhöhungen in der Gebäude- und Elementarversicherung verlangen", versprach dagegen ein Sprecher der Provinzial Westfalen in Münster. Bei der Allianz ist noch unklar, ob es zu Preiserhöhungen kommen wird. "Wir prüfen derzeit, ob bei den Elementarschadenpolicen Anpassungsbedarf besteht", sagte ein Sprecher.

Die öffentlichen Versicherer haben traditionell eine starke Stellung in der Wohngebäudeversicherung. So sind bei der Provinzial Westfalen über 40 Prozent der Wohngebäude versichert. Auch die Allianz ist hier ein großer Anbieter und war entsprechend stark von den Flutschäden betroffen. 550 Mill. Euro kostet die Allianz die Flutkatastrophe. Der große Anteil an den Flutschäden bei der Allianz rührt daher, dass der deutsche Marktführer 1990 die Staatliche Versicherung der DDR übernommen hat. Immer noch haben rund drei Millionen Kunden in den neuen Ländern die alten Policen, die als Standard eine Flutdeckung enthalten.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben rund zehn Prozent aller Hausratversicherten eine Elementarschadendeckung; bei den Kunden mit Gebäudeversicherung sind es nur drei Prozent. Da die Flut weiten Teilen der Bevölkerung das Gefahrenpotenzial solcher Naturkatastrophen drastisch vor Augen geführt hat, dürfte die Nachfrage nach Elementarschadendeckung drastisch ansteigen.

Quelle: Handelsblatt

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