Fördermengen auf dem Prüfstand
Experten warnen bereits vor Rohöl-Mangel

Die Ölminister der Opec treffen sich heute in Wien. Auf dem Prüfstand stehen erneut die Förderziele der Kartellmitglieder. Diese wurden von den Mitgliedern zuletzt außerordentlich lasch gehandhabt. Die Saudis fordern daher eine Verringerung der Produktion. Experten warnen allerdings bereits vor einer zu starken Verknappung am Markt.

DÜSSELDORF. Der Generalsekretär der Opec, Alvaro Silva Calderon, schätzt den Überhang des Weltölangebots gegenüber der globalen Nachfrage derzeit auf 1 bis 1,5 Mill. Barrel pro Tag (b/d). Im Gegensatz zu den Mitgliedern der Organization of the Petroleum Exporting Countries (Opec) sieht die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris keine Überversorgung der Weltölmärkte. In ihrem gestern veröffentlichten "Oil Market Report" warnen die IEA-Experten sogar davor, dass durch einen Rückgang der Rohölproduktion der Opec zumindest auf kurze Sicht prekäre Mangellagen entstehen könnten.

Die Ölminister der Opec treffen sich heute in Wien, um über ein neues Produktionsabkommen zu beraten. Am angestrebten Preiskorridor von 22 bis 28 $ je Barrel (159 Liter) will das Kartell festhalten. Der saudische Ölminister Ali al-Naimi ist mit den aktuellen Rohölnotierungen im Bereich der 25-Dollar-Marke "sehr zufrieden". In der vergangenen Woche lag der Korbpreis für sieben von der Opec ausgewählte Referenzöle bei 25,72 $/b. Im dritten Quartal dieses Jahres wurden durchschnittlich 26,15 $/b registriert, während im ersten Quartal 2002 ein Korbpreis von 19,92 $/b erreicht wurde.

Im Lagebericht der Pariser Agentur - der energiepolitischen Informations- und Koordinationszentrale der Industrieländer - wird festgestellt, dass die Quotendisziplin im Kartelllager bisher lasch bleibt. Dies habe jedoch keineswegs zu Ungleichgewichten geführt, sondern vielmehr geholfen, die Weltölmärkte zu stabilisieren, heißt es bei der IEA. Das offizielle Rohölförderlimit der Opec-10 - das elfte Kartellmitglied Irak ist auf Grund der Uno-Auflagen von Quotenfesseln befreit - beläuft sich auf 21,7 Mill. b/d. Tatsächlich förderten die im Produktionsabkommen integrierten Kartellmitglieder im November 24,08 Mill. b/d an Rohöl. Die Förderkapazitäten der Opec-10 belaufen sich laut IEA auf 27,48 Mill. b/d. Der Produktionsbeitrag des Iraks betrug im November 2,39 Mill. b/d. Unter Berücksichtigung der "Natural Gas Liquids (NGL)" erreichte das Opec-Ölaufkommen im letzten Monat 30,10 Mill. b/d. Der Anteil am gesamten Ölaufkommen der Welt belief sich damit auf 38,3 %. Mitte der 70er-Jahre lag dieser Wert noch bei beinahe 55 %.

Die IEA-Experten weisen darauf hin, dass die Bevorratung in den Industrieländern für diese Jahreszeit relativ niedrig ausfallen würde. Ein besonders strenger Winter, eine Fortdauer des Ölstreiks in Venezuela - viertgrößter Ölexporteur der Welt - oder ein Totalausfall der irakischen Ausfuhren könnten die Weltölmärkte zu einer auch von der Opec ungewünschten starken Preishausse bewegen, stellt der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt gegenüber dem Handelsblatt heraus.

Die IEA empfiehlt daher in Richtung Opec, dass die Ölminister in Wien bei ihrem Treffen den Gesichtspunkt einer ausreichenden Weltölversorgung unter Berücksichtigung eines saisonal steigenden Verbrauchs, geringer Lagervorräte und kurzfristiger Lieferstörungen in wichtigen Exportländern nicht klein schreiben sollten. Die aktuellen Quotenüberschüsse seien von der Marktlage her gerechtfertigt. Erst wenn die winterliche Heizsaison vorüber sei, könnten bei einer geopolitischen Beruhigung im Nahen Osten preisdrückende Angebotsüberschüsse drohen, meint auch der Energieanalyst von RWE Rheinbraun, Hans W. Schiffer.

In Paris wird zudem darauf hingewiesen, dass die Opec verloren gegangene Marktanteile kurzfristig nur schwer zurückerobern kann. Nach der Hochrechnung der IEA beträgt das Ölaufkommen der Non-Opec-Gruppe im laufenden Jahr 48,0 Mill. b/d; 2001 waren es 46,6 Mill. b/d, und 2003 könnten es immerhin 49,3 Mill. b/d werden. Gleichzeitig steigt der Weltölverbrauch im Vergleich zur Vergangenheit nur moderat. 2001 waren es laut IEA 76,5 Mill. b/d; im laufenden Jahr könnten es 76,8 und im nächsten Jahr 77,8 Mill. b/d werden.

In Wien zeichnet sich ab, dass zumindest der aus saudischer Sicht "ruinöse Wettlauf" um Marktanteile beendet werden muss. Al-Naimi fordert eine Kappung des derzeitigen Ölangebots der Opec um 1,5 bis 2 Mill. b/d. Gleichzeitig wünschen die Saudis eine Förderquote, die den tatsächlichen Produktionsmengen gerecht wird. Dies würde auf ein offizielles Angebotslimit der Opec von 22,0 bis 22,5 Mill. b/d hinauslaufen. Der Opec-Generalsekretär stützt diese Vorschläge - nicht zuletzt weil er das aktuelle Preisniveau weniger durch Marktfaktoren als durch politische Faktoren stabilisiert sieht. Silva Calderon diagnostiziert immerhin einen Aufschlag durch die Irak-Krise in der Größenordnung von 3 bis 5 $/b. In der Spitze dieses Jahres betrug dieser Aufschlag sogar 8 bis 9 $/b.

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