Förderquoten wieder eingeführt
Opec verwirrt die Märkte

Die Opec hat sich auf eine Erhöhung der offiziellen Ölförderquoten, zugleich aber auch auf eine Reduzierung der tatsächlichen Versorgung des Marktes geeinigt. Analysten sprachen von einer höchst irritierenden Entscheidung.

rtr/dpa WIEN. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat wieder Förderquoten eingeführt und diese Obergrenze überraschend angehoben. Das Kartell werde vom 1. Juni an täglich 25,4 Mill. Barrel (159 Liter) fördern, berichteten Opec-Erdölminister nach stundenlangen Beratungen am Donnerstagabend in Wien. Die alte Förderquote hatte um 900 000 Barrel am Tag niedriger gelegen und war zu Beginn des Irakkrieges vorübergehend ausgesetzt worden.

Die tatsächliche Opec-Produktion soll trotz der erhöhten Fördergrenze um zwei Millionen Barrel sinken, weil zehn der elf Mitgliedsländer bisher deutlich mehr als zwei Millionen Barrel am Tag über der alten Obergrenze produzierten. Der Irak war als elftes Mitglied in Wien nicht am Verhandlungstisch. Die geschätzte durchschnittliche Produktion im Februar und März lag bei 27,4 Millionen Barrel. Die Opec hatte im März vor Beginn des Irak-Krieges zusätzliche Ölexporte erlaubt, um einen Preisschock zu verhindern.

Nach den nun vorgelegten Zahlen beziffern die Mitglieder der Organisation ihre Überproduktion in den vergangenen Monaten auf knapp drei Mill. Barrel. Analysten nannten diese Schätzung aber zu hoch. Die geplante tatsächliche Reduzierung der Ölversorgung falle deutlich geringer aus als die angegebenen zwei Mill. Barrel. Ein Ölhändler schätzte die Drosselung auf allenfalls 800 000 Barrel.

"Das ist eine höchst verwirrende Entscheidung und sendet eine sehr verwirrende Botschaft an den Markt", kritisierte Raad Alkadiri von Washington's Petroleum Finance Corp. "Es sieht aus, als ob sie eine Rückkehr der Öl-Lieferungen aus dem Irak vor Juni ausgeschlossen haben und den Marktanteil des Irak gewissermaßen unter sich aufteilen."

Nach Ende der Kriegshandlungen wächst unter den elf Opec-Staaten die Furcht vor einem zunehmenden Druck auf die Ölpreise, wenn der Irak die Produktion wieder aufnimmt. Nach Bekanntgabe der Opec-Entscheidung ging der Ölpreis am Donnerstag deutlich zurück. Ein Barrel der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am späten Nachmittag 23,63 Dollar und damit 63 Cent weniger als am Vortag. US-Öl verbilligte sich um mehr als ein Dollar. Seitdem sich im Irak-Krieg ein rascher Erfolg der alliierten Truppen abzeichnete, ist der Rohölpreis um rund 30 % gesunken. Vor dem Krieg mussten in der Spitze noch etwa 35 Dollar bezahlt werden.

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