Förderung des Breitensports
Ex-Sportstars im Wahlkampf-Stress

Wenig Urlaub, viel Stress: Der Bundestagswahlkampf nimmt in diesem Sommer auch Sport-Stars vergangener Tage in die Pflicht. Während die SPD in ihrem Wahlkampf allein auf die verbale Unterstützung von Sportgrößen wie Jürgen Klinsmann setzt, schicken CDU und PDS Sport-Promis direkt in den Kampf um Mandate.

HB BERLIN. CDU/CSU - Kanzlerkandidat Edmund Stoiber setzt auf Turn-Weltmeister Eberhard Gienger und FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann, für die PDS kämpfen Rad-Idol Gustav-Adolf "Täve" Schur und Speerwurf-Olympiasiegerin Ruth Fuchs um das Mandat und den Sprung ihrer Partei über die Fünf- Prozent-Hürde. Gienger, der Reck-Weltmeister von 1974, hat sich zum Ziel gesetzt, in seinem Wahlkreis 267 Neckar/Zaba dem SPD-Kandidaten Hans-Martin Bury das Direktmandat abzujagen. "Es droht in meinem Wahlkreis die große Gefahr, dass Schwimmbäder geschlossen werden müssen, die Entwicklung des Sports stagniert. Ich will mich dafür einsetzen, dass sich die Bedingungen für die Sporttreibenden weiter entwickeln können", sagt Gienger, der sich selbst mit Radfahren und spektakulären Fallschirmsprüngen fit hält. In zwei Jahren will Gienger auch den Sprung in die Exekutive des Internationalen Turnverbandes FIG schaffen.

Die Entwicklung des Breitensports hat sich der Magdeburger Stadtrat Bernd Heynemann auf die Fahnen geschrieben, der wie Gienger seit Jahren im Bundesfachausschuss Sport der CDU mitarbeitet. Vor allem für die weiterhin unentgeltliche Nutzung der Sportstätten durch die Vereine will sich der frühere Bundesliga-Schiedsrichter und WM- Referee von 1998 stark machen. "Die Sportstätten-Situation hat sich schon sehr gebessert, doch es besteht im Osten nach wie vor großer Nachholbedarf", meint der CDU-Kandidat für den Wahlkreis 69 in Magdeburg, wo die Leistungssport-Szene durch jüngste Insolvenzen der Fußballer, Basketballer und Amateur-Boxer erheblich geschwächt ist. Die Förderung des Schulsports war für den 71-jährigen "Täve" Schur nicht nur Steckenpferd, sondern auch Arbeitsmittelpunkt in den zurückliegenden vier Jahren als Mandatsträger im Sportausschuss des Bundestages. "Mit der PISA-Studie werden wir endlich in die Pflicht genommen.

Über die Bildung wird jetzt viel geredet, aber der Sport bleibt dabei ausgeklammert. Ich betrachte mindestens drei Sportstunden wöchentlich als unabdingbar für die Entwicklung unserer Kinder", betont der Rad-Weltmeister von 1958 und 1959 aus Heyrothsberge in Sachsen-Anhalt. Er will versuchen, sein Wahl- Ergebnis von rund 23 Prozent vor vier Jahren im Wahlkreis 154 (Leipzig-Süd) möglichst noch zu toppen. "Aber wenn ich das wieder erreiche, wäre das schon toll", sagt "Täve", der über die sächsische Landesliste den Einzug in den Bundestag geschafft hatte. Bereits seit zwölf Jahren gehört Ruth Fuchs dem Parlament an, vor vier Jahren zog sie wieder über die Landesliste Thüringen in den Bundestag ein. Die frühere Weltrekordlerin gilt noch heute als erfolgreichste Speerwerferin der Welt, gewann Olympia-Gold 1972 und 1976 und erkämpfte EM-Titel 1974 und 1978. In ihrer Partei machte sich die promovierte Sportwissenschaftlerin in den zurückliegenden Jahren einen Namen als Expertin für Gesundheitspolitik. Am 22. September wird sie erneut im Wahlkreis Erfurt für die PDS antreten.

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