Förmliche Untersuchung eingeleitet
„Moorhuhn“-Aktionäre wegen Insiderhandels unter der Lupe

"Moorhuhn"-Aktionäre sind bei der Wertpapieraufsicht ins Zwielicht geraten. Wer mit dem Phenomedia-Papier vor Bekanntwerden von Bilanzfälschungen im April Insiderhandel getrieben hat, muss mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft rechnen.

dpa BOCHUM. Bevor das Unternehmen auf Druck seines Aufsichtsrates den Fall geschönter Bilanzen öffentlich gemacht hatte und Vorstände entlassen wurden, war das Papier der Bochumer Moorhuhn-Erfinder in großen Mengen auf den Markt geworfen worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) in Frankfurt setzte daraufhin Voranalysen an und gab am Freitag die Einleitung einer förmlichen Untersuchung bekannt.

Voranalysen hätten verdächtige Aktienbewegungen ans Tageslicht gebracht, hieß es. "Bei der Untersuchung steht jetzt im Vordergrund, welche Aktionäre gehandelt haben", sagte Sprecherin Sabine Reimer. Dazu würden Kreditinstitute befragt. Untersucht würden ausnahmslos alle Aktienbewegungen. An die Staatsanwaltschaft würden alle Fälle von Insiderhandel gemeldet, egal ob es sich um Klein- oder Großaktionäre handele.

Erst am Donnerstag hatte die angeschlagene Phenomedia AG nach Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter bekannt gegeben, dass das Unternehmen im Kernbereich erhalten bleiben soll. Über die Hälfte der ehemals 112 Beschäftigten wurde inzwischen entlassen. Das ins Bodenlose gestürzte Papier stieg nach der Nachricht am Donnerstag um zwei Drittel seines Wertes auf 63 Cent. Zum Jahreswechsel war es noch 14 Euro wert. Momentan ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den entlassenen Vorstandschef und den Finanzvorstand wegen Bilanzfälschung. Beide haben den Tatbestand zugegeben.

Sollte Aktionären Inderhandel nachgewiesen werden, droht ihnen eine Geldstrafe oder in schweren Fällen eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren. Im vergangenen Jahr wurde in 55 Fällen eine förmliche Untersuchung eingeleitet. In 25 Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Von Montag an muss sich zum Beispiel der Investment-Unternehmer Kim Schmitz wegen illegalen Insiderhandels vor dem Amtsgericht München verantworten. Der schillernde Drei-Zentner-Mann alias "Dr. Kimble" wird beschuldigt, sich durch verbotene Geschäfte mit Aktien des niederländischen Internet-Unternehmens Letsbuyit.com einen Gewinn von mehr als 1,1 Millionen Euro erschlichen zu haben.

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