Folge der Konjunkturflaute
Nachfragesorgen: Ölpreis fällt wieder unter 20 Dollar

Aussichten auf eine weiter schwache Nachfrage angesichts düsterer konjunktureller Perspektiven in den wichtigsten Industrienationen hat am Montag den Ölpreis unter die Marke von 20 Dollar fallen lassen. Händlern zufolge belastete auch die wieder mildere Witterung in Europa und im Nordwesten der USA die Preise. Zudem hegten die Marktteilnehmer Zweifel, ob Russland die zugesagte Drosselung der Ölexporte um 150 000 Barrel pro Tag (bpd) einhält.

Reuters LONDON. Viele Händler seien besorgt, dass die privatisierten russischen Ölkonzerne zwar ihre Ausfuhren von Rohöl verringerten, stattdessen aber die Exporte von Ölprodukten, wie Heizöl, Diesel und Benzin steigern könnten.

Für das Barrel (159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Februar wurden am Abend in London 19,78 Dollar bezahlt und damit 1,08 Dollar weniger als am Freitag. Brent-Öl werde derzeit um rund neun Prozent unter dem in der vergangenen Woche erreichten Höchstpreis gehandelt und sei um 30 % billiger als vor den Anschlägen in den USA am 11. September, sagten Händler.

Angesichts der nachlassenden wirtschaftlichen Aktivität seien die Marktteilnehmer pessimistisch in Bezug auf die weitere Entwicklung der Ölnachfrage, sagten Händler. "Viele Leute hatten mit lebhafterer Nachfrage gerechnet, aber jetzt macht sich das Gefühl breit, dass das nicht der Fall sein wird", sagte ein Händler an der Londoner International Petroleum Exchange (IPE). In den USA als weltweit größtem Ölverbraucher liege die Nachfrage derzeit um rund vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Zugleich seien die von den privaten Ölfirmen gehaltenen Vorräte mit 1,0 Mrd. Barrel um 9,5 % oder 88 Mill. Barrel höher als vor einem Jahr.

Händlern zufolge ist erst bei einer Belebung der Konjunktur mit wachsender Nachfrage nach Öl zu rechnen. Erst am Freitag hatte US-Notenbankchef Alan Greenspan trotz erster Anzeichen einer Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft vor weiter bestehenden Risiken gewarnt. Auch in der Euro-Zone rechnen Experten nicht vor der zweiten Jahreshälfte mit einer wirtschaftlichen Erholung.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und eine Reihe nicht dem Kartell angehörender Ölförderländer, darunter Russland, hatten am 28. Dezember eine Drosselung ihrer Ölexporte ab 1. Januar um zusammen 2,0 Mill. bpd vereinbart, um eine befürchtete Ölschwemme in diesem Jahr zu verhindern. Die Opec selbst hatte im Dezember aber ihre vereinbarte Förderobergrenze von 23,2 Mill. bpd um 600 000 bpd überschritten.

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