Folgen der Börsen-Krise
Lebensversicherer unter kritischer Beobachtung

Die Lebensversicherer werden nach der massiven Talfahrt an den Aktienbörsen jetzt stärker unter die Lupe genommen. Jede zweite Versicherung leidet laut einer aktuellen Umfrage massiv unter den Kurseinbrüchen.

dpa KÖLN/BONN. Die Lebensversicherer werden nach der massiven Talfahrt an den Aktienbörsen jetzt stärker unter die Lupe genommen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) habe einen Fragebogen verschickt, der die finanzielle Situation der einzelnen Firmen beleuchten solle, teilte ein Unternehmen der Branche am Donnerstag auf Anfrage mit und bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Ein BAFin-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Angesichts des Kursverfalls verlangt die Aufsichtsbehörde nach Angaben des Blatts bis Freitag detaillierte Auskunft über mögliche Auswirkungen auf die Ergebnisse der Versicherer im Jahr 2002. Damit wolle sich die Behörde einen Überblick über die "Problemfälle" verschaffen. Die Befragung unterstreiche die schwierige Lage vieler Versicherer, da die negativen Entwicklungen am Kapitalmarkt ihre Renditen gefährlich abschmelzen ließen. Eine "zusätzliche Erschwerung" könne hinzukommen, wenn Versicherer 2001 die neu geschaffene Regelung nutzten, Aktien in das Anlagevermögen zu verschieben, wird Wolfgang Vogel, BAFin- Abteilungsleiter für Lebensversicherung, in einem vertraulichen Brief an die Vorstände von dem Blatt zitiert. In dem Fall müssten sie Wertverluste nicht sofort aufdecken.

Nach einer Umfrage unter 100 Managern der Versicherungsbranche in Deutschland für die Studie "Branchenkompass Versicherungen" zählen für etwa jeden zweiten Lebensversicherer Kapitalanlagen und die Situation an den Börsen zu den derzeit größten Problemen. Das ist das Ergebnis der Studie, die gemeinsam vom F.A.Z. -Institut und vom "manager magazin" herausgegeben wird und am Donnerstag vorgelegt wurde. Die Branche arbeitet bereits an Auffanglösungen für in Not geratene Versicherungen, um den guten Ruf der Lebensversicherung beim Verbraucher zu schützen, hieß es.

"Wir greifen immer dann ein, wenn es zur Wahrung der Belange der Versicherten erforderlich erscheint", sagte BAFin-Sprecher Michael Trommeshauser. Es müsse aber immer im Einzelfall entschieden werden, wann das Aufsichtsamt reagiere. Dabei könne es sich um eine Aufforderung an die Unternehmen handeln, bestimmte Dinge zu überprüfen. "In sehr seltenen Fällen kann auch ein Sonderbeauftragter eingesetzt werden, der den Vorstand ersetzt", sagte Trommeshauser.

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