Folgen der Börsenturbulenzen
Eurex droht Klage wegen schweren Betrugs

Die Turbulenzen an der Terminbörse Eurex werden rechtliche Folgen haben. Die GAM AG German Asset Managers AG will bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Vorstand der Eurex stellen. Durch im Nachhinein stornierte Geschäfte seien gestern hohe Verluste entstanden.

vwd/HB FRANKFURT. Am Dienstagmorgen gegen 9.22 Uhr war der Dax-Future an der Eurex um mehr als 800 Punkte eingebrochen. Auch der Dax stürzte daraufhin kurzzeitig um knapp 200 Punkte ab. Angeblich hatte ein Händler an der Terminbörse ein Simulationsprogramm mit dem richtigen Handelsprogramm verwechselt und dadurch eine große Anzahl von Terminkontrakten ohne Beschränkung verkauft. Börsianer lesen am Kurs der Kontrakte die Erwartungen an den Indexstand in der Zukunft ab, deshalb fielen auch der Dax und im weiteren Verlauf auch der Neue Markt. Die Deutsche Börse hob im Nachhinein die im Zusammenhang mit der Fehleingabe abgeschlossenen Geschäfte an der Terminbörse auf. Die Kassageschäfte blieben davon aber unberührt. Schätzungen zufolge könnte der Vorgang alle Beteiligten bis zu 30 Millionen Euro kosten.

Europas Aktienhändler sprachen von "Schlamperei" und einer weiteren Blamage für den Finanzplatz Deutschland. Sie sei auch für den Abschwung speziell in Frankreich und Grossbritannien mitverantwortlich. Hinzu komme die mangelnde Entscheidungsfreude und das "Hängenlassen für mehrere Stunden". Man frage sich, wie unprofessionell die Leitung der Börse reagiert habe. Dies habe hoffentlich endlich mal ein Nachspiel für "die Beamten", wetterten Händler heute.

Strafbestand des schweren Betruges

Die GAM AG German Asset Managers AG kündigte heute bereits konkrete Schritte an. Auf Grund der hohen Verluste durch die Stornierungen will sie bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Vorstand der Eurex stellen. Die Deutsche Börse AG, Frankfurt, als Mutterkonzern wollte sich zu diesen Vorwürfen nicht äußern. "Wir kommentieren Pressemitteilungen von anderen Unternehmen nicht", sagte ein Sprecher.

Der Versuch der Eurex, mit der Behauptung eines "Mistrades" eine ganze Serie von Transaktionen zu stornieren, erfüllt nach Ansicht von GAM AG. den Strafbestand des schweren Betruges und der Vortäuschung eines definitiv nicht gegebenen Tatbestandes. Die GAM AG selbst hatte am Dienstagmorgen eigenen Angaben zufolge in den fallenden Markt hinein gekauft. "Wir bestehen auf Lieferung der von uns zu 4 548,50 erworbenen Futures, die für unsere Investoren eine zweiprozentige Monatsrendite im Vola+Value-Programm bedeuten, und werden diesen Anspruch durch alle Instanzen zivilrechtlich durchsetzen", heißt es.

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