Folgen der neuen Europäischen Investmentrichtlinie für Anleger
Fondsprospekte werden verständlich

Endlich ist die Einführung eines vereinfachten und damit verständlichen Fondsprospektes beschlossene Sache, loben Experten in einer Handelsblatt-Gesprächsrunde. Die Einführung bisher unbekannter Investmentfonds-Gattungen wird dagegen durchaus kontrovers diskutiert.

HB Frankfurt/M. Die Europäische Investmentrichtlinie (siehe Kasten) wird den Anlegern viele Neuerungen bescheren. Wichtigste Punkte sind die Einführung des vereinfachten Fondsprospektes und eines "Super-Fonds", der praktisch ohne Einschränkung in alle Anlageklassen investieren kann - ein völlig neues Konzept in Deutschland. Darüber hinaus erlaubt die Richtlinie die Auflage von hier zu Lande bisher ebenfalls unbekannten Derivatefonds. Inwieweit der Markt durch die neuen Super-Fonds und die Derivatefonds an Übersichtlichkeit verliert bzw. die Anlagerisiken steigen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Das zeigte ein Handelsblatt-Gespräch mit Fachleuten.

Wolfgang Mansfeld, Vorstand der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörigen Union Fonds Holding, reizt der Gedanke des Super-Fonds. Er kann sich interessante Produkte vorstellen: "Die Gesellschaft managt beispielsweise den europäischen Aktienteil, für den sie eigene Expertise hat, und deckt alle anderen wichtigen Segmente über den Zukauf von speziellen Fonds ab." Es könnten zudem andere Fonds angeboten werden, die Aktien, Anleihen, Geldmarkttitel und Fonds enthielten. "Das wäre möglicherweise eine Alternative zur direkten Vermögensverwaltung, eventuell sogar kostengünstiger", meint Investmentrechtler Thomas Paul, Partner bei der Anwaltssozietät Hengeler Mueller.

Volckmar Bartels, Leiter der Abteilung Investmentaufsicht beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred), skizziert die neue Lage: "Diese Super-Fonds werden neben die bisherigen, dann aber möglicherweise nicht mehr gesetzlich geregelten Fondsgattungen wie beispielsweise Aktien- und Rentenfonds treten." Er schränkt jedoch ein, dass die Investmentgesellschaften eher Interesse daran hätten, die bisherigen Produktbezeichnungen beizubehalten. "Schon aus Transparenzgründen, damit der Anleger weiß, was im Produkt ist", meint Bartels.

Mansfeld sieht beim Stichwort Transparenz einen großen Fortschritt durch den vereinfachten Prospekt. "Es wurde ein Muster erarbeitet, das auf wenigen Seiten und in allgemeinverständlicher Form die wichtigsten Infos zu Anlagepolitik, Risiko, Kosten enthält", erläutert der Union-Mann. Das sei im Sinne des Verbrauchers, dem mit den bisherigen umfangreichen und wenig verständlichen Prospekten kaum gedient sei. Nach Ansicht von Bartels wird es auch Aufgabe des Aufsichtsamtes sein müssen, die Allgemeinverständlichkeit zu überprüfen.

Carsten Majer, Marketingchef bei der Deutschland-Niederlassung der britisch-amerikanischen Investmentgesellschaft Invesco, bewertet den Nutzen aus seiner Sicht: "Der Druck eines 90-Seiten-Dokumentes bei unseren Investmentgesellschaften in Luxemburg oder Dublin kostet bis zu zwei Euro; wir drucken bis zu 15 000 Prospekte im Monat, da kommen größere Summen zusammen." Besonders kleinere Gesellschaften würden dadurch benachteiligt bzw. im neuen rechtlichen Umfeld entlastet. Rainer Krütten, Geschäftsführer der Luxemburger Investmentgesellschaft der Activest, ergänzt:"Die Einführung des vereinfachten Prospektes ist für mich ein großer Wurf der Reform."

Bei der Diskussion zu den neuen Regeln für einzelne Fondstypen wie Index- und Geldmarktfonds stellen die Experten ein Thema in den Mittelpunkt: Die Richtlinie erlaubt die bisher unbekannten Derivatefonds. "Wir bekommen EU-konforme Fonds mit einem bisher unbekannten Risikograd; das kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals gehen", glaubt Mansfeld. Paul von Hengeler Mueller dagegen bezweifelt diese Einschätzung: "Wie hoch das eingegangene Risiko, das heißt die Hebelwirkung, tatsächlich sein darf, scheint nicht klar zu sein; die Mitgliedsländer haben dazu noch unterschiedliche Auffassungen."

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