Folgen der Terroranschläge noch nicht absehrbar
HB-Frühindikator: Die deutsche Konjunktur bleibt labil

Der Handelsblatt-Frühindikator hat im Oktober auf seinem niedrigen Vormonatsniveau von 1,0 % verharrt. Er profitierte dabei noch von den zeitweisen Stabilisierungstendenzen der Sommermonate, die sich aber in den jüngsten - weitgehend vor dem 11. September erhobenen - Konjunkturdaten nicht fortsetzten.

HB DÜSSELDORF. Insbesondere die "harten" Daten für die Industrie haben sich wieder merklich verschlechtert. Stabilisierend wirkte zuletzt vor allem der private Konsum, während die Investitionskonjunktur auf Talfahrt blieb.

Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die neuen Bundesländer erholte sich erstmals wieder von 1,4 % im Vormonat auf 1,7 %. Dabei spielte die aktuell etwas günstigere Entwicklung der Baunachfrage und eine leichte Erholung des Geschäftsklimas im Einzelhandel eine Rolle. Gleichwohl bleibt auch im Osten die Konjunktur weiterhin labil.

Konjunkturbarometer Ost:

>>Tabellen und Grafik

Die Auswirkungen der Terroranschläge in den USA sind aus den in den Indikator eingehenden Daten, die höchstens bis August reichen, noch nicht ablesbar. Darüber werden der Handelsblatt-Frühindikator und das Ostbarometer erst im November ersten Aufschluss geben. Völlig ungewiss sind zudem die Folgen der drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan. Jede Prognose der weiteren konjunkturellen Entwicklung steht derzeit unter diesen Vorbehalten.

Die Auftragseingänge in der Industrie sind im Juli erneut um 1,5 % gegenüber dem Vormonat abgebröckelt und haben damit ihren seit Jahresbeginn trendmäßigen Abwärtskurs weiter fortgesetzt. Die Nachfrage im Investitionsgütersektor blieb weiterhin abwärts gerichtet, ebenso wie der Vorleistungssektor. Dagegen haben die Konsumgüterproduzenten ihren seit dem Frühjahr zu beobachtenden Aufwärtstrend im Juli noch einmal bestätigt. Abzuwarten bleibt freilich, wie sich die Ereignisse in den USA auf die Konsumkonjunktur auswirken werden. Einerseits könnten die allgemeine Verunsicherung sowie die drastisch eingebrochenen Aktienkurse die Kauflust insgesamt deutlich schwächen. Andererseits mag die geringere Neigung der Menschen zu Auslandsreisen und Vergnügungsveranstaltungen den Herstellern klassischer Konsumgüter sogar zu Gute kommen.

Rückläufige Absatz von Kraftfahrzeugen

Dies würde allerdings wohl voraussetzen, dass die Investitionen und damit die Beschäftigungsaussichten nicht allzu zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Vor allem die Ausrüstungsinvestitionen hatten sich schon im zweiten Quartal, in dem das Bruttoinlandsprodukt stagnierte, als Schwachstelle der Konjunkturentwicklung erwiesen. Dagegen sah es bei den Bauinvestitionen der privaten Wirtschaft zwischenzeitlich gar nicht so schlecht aus. Die Baunachfrage war im zweiten Quartal erstmals wieder - um 6 % - deutlich angestiegen. Im Juli ist es dann aber wieder zu einem Rückschlag gekommen. Hier gab die Baunachfrage gegenüber Juni um knapp 10 % nach.  

Die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze verharrten im Juli saisonbereinigt praktisch auf ihrem Vormonatsniveau. Damit wurde auch das Durchschnittsniveau des recht gut verlaufenen zweiten Quartals wieder knapp verfehlt. Belastend wirkte vor allem der rückläufige Absatz von Kraftfahrzeugen und Einrichtungsgegenständen, während Güter des täglichen Bedarfs wie Bekleidung, Schuhe und Nahrungsmittel sogar etwas stärker als im Vormonat gefragt waren. Das Ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich zuletzt im Osten wie im Westen wieder etwas verbessert, wobei vor allem in den alten Bundesländern die Geschäftserwartungen deutlich optimistischer geworden sind. Diese Aussagen beruhen auf Umfragedaten, die zumindest zum Teil nach dem 11. September erhoben wurden. Laut Ifo unterschieden sich die Einschätzungen vor und nach den Anschlägen nicht signifikant. Es wäre jedoch leichtfertig, daraus bereits den Schluss zu ziehen, das Geschäftsklima habe psychologisch wenig Schaden genommen. Erst die September-Erhebung wird in dieser Hinsicht einigermaßen interpretationsfähig sein.

Frühindikator West:

>>Tabelle und Grafik

Das gilt auch für den Ifo-Konjunkturtest im verarbeitenden Gewerbe, der laut Ifo ebenfalls erst zu rund einem Viertel auf Antworten nach dem 11. September beruht. Das Geschäftsklima hat sich im August im Westen von-11,5 auf-13,1 Punkte und im Osten von-0,9 auf-2,5 Saldopunkte verschlechtert. Nachdem der Abwärtstrend im Juli zunächst gebrochen schien, verheißen die jüngsten Zahlen somit wenig Gutes. Auch die Beantwortung der Teilfrage nach den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate lässt nur sehr begrenzte Hoffnungen auf eine baldige Trendwende aufkommen. Im Osten ist das Übergewicht der eher negativen Zukunftserwartungen noch etwas größer geworden, im Westen hat es sich nur leicht verringert - dies jeweils wohlgemerkt, ohne dass die Auswirkungen der Terroranschläge dabei bereits in größerem Umfang berücksichtigt sein dürften.

An den Finanzmärkten hat sich im August der Trend zu sinkenden Zinsen zunächst weiter fortgesetzt. Der Dreimonatszins Euribor sank weiter von 4,47 % auf 4,35 %, und die durchschnittliche Umlaufsrendite für festverzinsliche Wertpapiere ermäßigte sich sogar von 5,0 % auf 4,8 %. Die in den Handelsblatt- Frühindikator eingehende Zinsdifferenz ist damit marginal geringer geworden, was konjunkturell kaum von Bedeutung ist. Wichtiger ist das zurzeit sehr niedrige und damit tendenziell investitionsfreundliche Zinsniveau. Die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank um 0,5 Prozentpunkte am 17. September hat auch sofort am Geldmarkt durchgeschlagen. Freilich bleibt abzuwarten, inwieweit die weiteren weltpolitischen Ereignisse Inflation und Zinsniveau möglicherweise wieder Auftrieb geben.

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