Folgen des 11. September
BA droht erstmals Ausschluss aus dem FTSE-100

Symbolträchtiger könnte das Datum kaum sein. Ausgerechnet morgen, am 11. September 2002, könnte die Fluggesellschaft British Airways aus dem renommierten britischen Leitindex FTSE-100 fallen.

fs/HB LONDON. An diesem Tag entscheidet ein Komitee des Indexanbieters auf seiner vierteljährlichen Sitzung über die Auf- und Absteiger aus dem Index. Und die Fluggesellschaft, die noch immer unter den Terroranschlägen in New York im vergangenen Jahr leidet, gehört am ersten Jahrestag des Anschlags zu den wahrscheinlichen Absteigern. BA würde damit erstmals seit ihrer Privatisierung im April 1987 nicht zu den 100 größten börsennotierten Unternehmen im Land gehören.

Alle drei Monate entscheidet ein Komitee des Anbieters FTSE anhand der Marktkapitalisierung, ob ein Wert noch zum erlauchten Kreis der größten Mitglieder gehört. Wer von der Gruppe der Top-100 auf Platz 111 oder schlechter liegt, fällt heraus. Morgen entscheidet die Runde anhand der Daten des Schlusskurses von heute über die Zusammensetzung der nächsten drei Monate. Mit einer Bewertung von 1,46 Mrd. Pfund (2,38 Mrd. ) lag BA bereits am Freitag auf Rang 111 der FTSE-Rangliste, dem direkten Abstiegsrang. In akuter Gefahr befinden sich zudem der Musik-Einzelhändler EMI Group (Rang 117) und der unabhängige Stromerzeuger International Power (Platz 122). Selbst der Fondsmanager Schroders plc. ist noch nicht aus dem Schneider. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 1,5 Mrd. Pfund liegt er nur auf Rang 108. Die möglichen Nachrücker sind der Verpackungshersteller Rexam, das Pharma-Unternehmen Alliance UniChem und der Mischkonzern Tomkins.

Der Effekt auf einzelne Aktien nach einem Ausschluss aus einem großen Index ist meist negativ: Viele Fondsmanager, die sich an Indizes orientieren, stoßen die Papiere ab. Zudem richtet sich die Aufmerksamkeit der Analysten eher auf Werte höherer Marktkapitalisierung.

Für British Airways, das 1997 noch auf eine Börsen-Bewertung von 7,6 Mrd. Pfund kam, wäre der Ausschluss aus der ersten Börsenliga der unrühmliche Tiefpunkt eines erschütternden Jahres. Wie die gesamte Industrie wurde die Fluglinie von den Turbulenzen des 11. September erwischt. Im Mai meldete BA mit einem Minus von 200 Mill. Pfund erstmals seit der Privatisierung vor 15 Jahren einen Verlust im Gesamtjahr. Der Kurs hat sich innerhalb eines Jahres auf 130 p mehr als halbiert. Und die weiteren Aussichten für die Branche sind schlecht. Die Konkurrenz der Billigflieger wie Easyjet und Ryanair setzt die Margen der Etablierten unter Druck. Ein möglicher Schlag der USA gegen den Irak, so fürchten die Anbieter, wird die Nachfrage der Konsumenten weiter verringern, aus Angst vor Terror und den wirtschaftlichen Folgen einer Attacke. BA-Chef Rod Eddington nannte das Kriegsrisiko im Irak in einem Interview ein "für alle Fluggesellschaften großes Thema".

Er meinte jedoch fast trotzig, dass BA bald den Einzug in die Eliteliga auch wieder schaffen könne. Angesichts der düsteren Aussichten dürfte das jedoch für die nahe Zukunft schwierig werden, sagt Nick van den Brul, Analyst von BNP Paribas: "Fällt BA aus dem Footsie und es gibt Krieg im Irak, dauert es lange, bis sie zurückkommen."

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