Folgenschwere "Führungslosigkeit"
Aktionärsschützer: T-Online Entlastung verweigern

Aktionärsschützer haben die Kleinanleger der T-Online International AG dazu aufgerufen, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Außerdem sei der vorgeschlagene Aktienoptionsplan abzulehnen, forderten Redner der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Mittwoch in der Hauptversammlung in Köln.

vwd KÖLN. DSW-Vertreterin Jella Benner-Heinacher warf dem Management wegen des Kursverfalls eine "Kapitalvernichtung erster Güte" vor. Vor den Aktionären liege noch "ein langer, steiniger Weg", bis das am Neuen Markt notierte Internetunternehmen Gewinn abwerfe.

Benner-Heinacher sagte, die Spitze von T-Online sei wegen einer folgenschweren "Führungslosigkeit" nicht zu entlasten, von der das vergangene Geschäftsjahr geprägt gewesen sei. Der Vorstand habe mit einem "ständigen Kommen und Gehen" von Mitgliedern einem "Taubenschlag" geglichen. Die Folge sei, dass schnelles Handeln verhindert, die Kooperation mit Inhalte-Partnern verzögert und die Internationalisierung zunächst auf der Strecke geblieben seien. Der Aufsichtsrat sei für die Führungslosigkeit verantwortlich, da er seiner wichtigsten Aufgabe nicht nachgekommen, den Vorstand rasch neu zu besetzen, betonte die DSW-Geschäftsführerin.

"Lächerliche Zielsetzung"

"Schlimm" sei besonders, dass die Führungskrise unmittelbar nach dem Börsengang von T-Online im April vorigen Jahres eingesetzt habe. An dem Aktienoptionsplan bemängelte Benner-Heinacher die fehlende Koppelung an einen Index als Ausübungshürde. Der vorgeschlagene Maßstab einer Kurssteigerung von 25 Prozent sei aus Aktionärssicht eine "absolut lächerliche Zielsetzung". Sie schlug vor, zumindest den Emissionspreis von 27 EUR und nicht den derzeitigen Kurs von rund zwölf EUR als Ausgangsbasis zu nehmen. Von dem Ausgabekurs sei T-Online noch weit entfernt; der Höchstkurs des vergangenen Jahres von 48 EUR sei aus heutiger Sicht unerreichbar.

Lars Labryga von der SdK warf dem Management vor, sich mit dem Aktienoptionsprogramm "für reines Mitschwimmen" an der zu erwartenden Mindestentwicklung des Marktes, nicht aber für wirkliche Leistung bezahlen zu lassen. Mit einem ironischen Seitenhieb auf die von T-Online als Strategiewechsel verkündete Konzentration auf Profitabilität meinte Labryga, Erträge zu erwirtschaften, sollte doch eigentlich von Anfang an Ziel eines Unternehmens sein. "Erschreckt" zeigte sich der Redner der Schutzgemeinschaft von der Erlösentwicklung im ersten Quartal: Die rückläufigen Werbeeinnahmen sind nach seiner Ansicht ein Stein auf dem Weg zum führenden Internetmedienhaus Europas, das T-Online werden will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%